Mannschaft "am Boden zerstört"

Trotz Trauer um Malanda: VfL ins Trainingslager

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Klaus Allofs gab bei einer Pressekonferenz die Entscheidung der Wolfsburger Mannschaft bekannt.

Wolfsburg - Der VfL Wolfsburg tritt nach dem tragischen Unfalltod des belgischen Junioren-Nationalspielers Junior Malanda noch am Sonntag die Reise ins Trainingslager nach Südafrika an.

Der Tod von Junior Malanda hat den VfL Wolfsburg in einen Schockzustand versetzt und eine Welle der Anteilnahme im internationalen Fußball ausgelöst. Am Tag nach dem folgenschweren Verkehrsunfall auf der A2 bei Porta Westfalica, bei dem der belgische Mittelfeldspieler am Samstag ums Leben gekommen war, begannen der Bundesligist und seine Fans immer noch tief bestürzt mit der Trauerarbeit. Der Tabellenzweite hatte wegen des Unglücks die geplante Reise nach Südafrika zunächst verschoben, wollte nach einer eintägigen Bedenkzeit am Sonntagabend aber doch ins Trainingslager nach Kapstadt aufbrechen.

„Es war keine leichte Entscheidung, aber es ist die absolut richtige“, erklärte VfL-Manager Klaus Allofs am Sonntag. „Junior wollte den Erfolg, das ist das Letzte, was wir für ihn tun können“, ergänzte Allofs. Trainer Dieter Hecking, mehrfach von Weinkrämpfen geschüttelt, verteidigte die Maßnahme. „Die Lücke ist groß, aber es geht weiter im Leben. Das müssen wir vor allem den jungen Spielern vermitteln“, sagte der Coach des Tabellenzweiten. Er möchte am vorgesehenen Programm mit zwei Testspielen in Südafrika festhalten.

Allofs beschrieb die allgemeine Gemütslage ohne Umschweife. „Alle Spieler sind total am Boden zerstört, wir können unsere Fassungslosigkeit kaum in Worte fassen. Wir haben einen lebensfrohen, lernbegierigen Menschen und einen außergewöhnlichen Fußballer verloren“, erklärte der Manager. Mit dem Flug ins Ausland wolle er nicht zur Tagesordnung übergehen. „Aber in einer anderen Umgebung, wo wir nicht jeden Tag Juniors Spind sehen, kann die Gruppe den Verlust besser aufarbeiten“, sagte Allofs. In Kapstadt erhält das Team psychologische Hilfe.

Bilder: Trauer um Junior Malanda

Bilder: Trauer um Junior Malanda

Die VfL-Fans erinnerten im VIP-Bereich vor dem Stadion mit Kerzen, Blumen, Bildern und grün-weißen Schals an den verstorbenen Profi, der in 17 Bundesligaspielen für den VfL zwei Tore erzielt hatte. Bereits am Samstagabend hatten sich rund 200 trauernde Fans um die Volkswagen Arena versammelt. Für Sonntag hatten die Fan-Organisationen einen Trauergang zum Stadion angesetzt.

Die Sportliche Leitung erfuhr am Samstagnachmittag vom Tod des belgischen Junioren-Nationalspielers. Malanda befand sich auf der Anreise zum Flughafen Braunschweig, um mit dem VfL-Team ins Trainingslager zu fliegen. „Wir sind alle tieftraurig und total geschockt. Es gibt Dinge, und da spreche ich als Vater, die man als Eltern nie erleben will, und die dann doch passieren“, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Francisco Javier Garcia Sanz.

Weltweit löste der Tod des 20 Jahre alten Talentes Entsetzen aus. „Geschockt und traurig über den tragischen Tod“, twitterte Weltverbands-Präsident Joseph Blatter. „Der Fußball verliert ein großes Talent.“ Die Deutsche Fußball Liga (DFL) sprach den Angehörigen und Teamkollegen ihr Mitgefühl aus: „Wir sind tief bestürzt über dieses tragische Unglück“, sagte Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung.

Offen ist noch, ob es in allen Bundesliga-Stadien zum Start der Rückrunde eine Schweigeminute geben wird. Herbstmeister FC Bayern legte am Sonntag zu Beginn seines Trainings in Doha eine Gedenkminute ein. „Es ist schrecklich, und es ist für mich mit Worten nicht zu sagen“, erklärte der Münchner Sportvorstand Matthias Sammer. Die Bayern sind zum Auftakt der Rückrunde am 30. Januar Gast in Wolfsburg.

Im Hinspiel hatte Malanda für bundesweites Aufsehen gesorgt, als er den Ball aus kürzester Distanz am Münchner Tor vorbei stolperte. Der lebenslustige junge Mann nahm die Szene mit Humor, besonders in seiner Heimat Belgien ist er sehr beliebt. Entsprechend groß ist die Anteilnahme. „Der belgische Fußball verliert eines seiner größten Talente“, erklärte Nationaltrainer Marc Wilmots. „Das ist ein Schock für den ganzen Verein“, teilte Malandas früherer Club SV Zulte Waregem mit.

„So merkwürdig, wenn Du deinen Freund morgens noch gehört hast und dann diese Nachricht zu erfahren“, twitterte sein belgischer VfL-Teamkollege Kevin De Bruyne. „Wir haben einen großen Freund zu früh verloren. Ruhe in Frieden, Du wirst immer bei uns sein.“

Zahlreiche Profis von anderen Clubs zeigten sich betroffen, unter ihnen die Nationalspieler Jérôme Boateng, Lukas Podolski, Mario Götze, Benedikt Höwedes, Toni Kroos, Marco Reus und Kevin Volland. Viele Bundesligisten bekundeten spontan ihr Beileid.

Die Fans der „Wölfe“ bekundeten spontan ihre Anteilnahme. Einige von ihnen kamen noch am Samstagabend zum VIP-Bereich der VfL-Arena und stellten vor der Eingangstür Blumengestecke, Kerzen und auch Fotos von Malanda auf. Am Sonntag zogen 2000 bis 3000 Anhänger in einem Trauermarsch vom Fanhaus bis zum VIP-Bereich. Dort gab es eine Schweigeminute, viele trugen sich ins Kondolenzbuch ein. Der Zug wurde von einer Gruppe mit einem großen Transparent angeführt. Darauf war zu lesen: „RIP Junior“ (engl: Rest in peace Junior; deutsch: Ruhe in Frieden Junior).

Malanda saß bei dem Autounfall bei Starkregen und heftigen Böen auf dem Rücksitz eines Geländewagens. Als das Fahrzeug aus ungeklärten Gründen ins Schleudern geriet und gegen einen Baum prallte, wurde der VfL-Profi nach Angaben der Polizei Bielefeld aus dem Fahrzeug geschleudert. Ob er angeschnallt war oder nicht, ist offen. Malanda starb noch am Unfallort. Der Fahrer und der Beifahrer wurden schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Das Unfallauto wird von der Polizei untersucht, die Ermittlungen laufen.

SID

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