Neustart in Wolfsburg

Schürrle-Deal: Allofs "eingeschränkt optimistisch"

+
André Schürrle im DFB-Trikot.

Wolfsburg - Nach eineinhalb Jahren mit vielen Aufs und Abs beim FC Chelsea wagt Weltmeister André Schürrle anscheinend einen Neuanfang beim VfL Wolfsburg.

Eineinhalb Jahre wartete André Schürrle beim englischen Top-Klub FC Chelsea vergebens auf den Durchbruch - nun will der Weltmeister beim Bundesligisten VfL Wolfsburg einen Neustart wagen. Der Transfer steht kurz bevor, der 42-malige Nationalspieler soll einen Vertrag bis 2019 erhalten und am Wochenende präsentiert werden.

„Ich bin eingeschränkt optimistisch“, sagte Wolfsburgs Sportchef Klaus Allofs am Freitagabend bei Sky. Theoretisch sei es möglich, dass Schürrle am Dienstagabend im Gastspiel bei Eintracht Frankfurt das VfL-Trikot trage. Noch sei der Transfer „aber nicht amtlich“, so Allofs: „Wir stehen noch vor Problemen, die noch gelöst werden müssen.“

Allofs ließ durchblicken, dass diese Probleme im wirtschaftlichen Bereich liegen. „Wir wollen alle, dass André zu uns kommt und er selbst will auch zurück in die Bundesliga. Aber wir müssen auch die Vernunft walten lassen“, sagte der VFL-Sportchef.

Bei Chelsea wurde Schürrle, der am Freitagabend nicht beim Rückrundenauftakt der Wölfe gegen Spitzenreiter Bayern München live zugegen war, nie zur festen Größe. In seiner ersten Saison war der schnelle Offensivmann in 38 Spielen der Premier League 15-mal von Beginn an dabei. Nachdem er im Sommer als Weltmeister zurückkehrte, der im Finale die Vorlage zum Siegtor von Maria Götze gegeben hatte, sollte es im zweiten Jahr aufwärts gehen. Doch in 22 Liga-Spielen mischte Schürrle bislang 14-mal mit - lediglich fünfmal von Beginn an.

Zuletzt strich Jose Mourinho den Edel-Joker sogar zweimal ganz aus dem Kader. Das Verhältnis schien zerrüttet, für Schürrle war der Bogen überspannt. Er schickte seinen Vater Joachim und seinen Berater Ingo Haspel in die Spur. Das Duo verhandelte erst stundenlang in London, dann am Donnerstag in Wolfsburg.

Auch Mourinho zeigte sich bereit, den Ergänzungsspieler für 30 Millionen Euro ziehen zu lassen. „The Special One“ hatte längst Ersatz im Auge und eiste den kolumbianischen Mittelfeldspieler Juan Cuadrado vom AC Florenz für eine ähnliche Summe los. Schürrle könnte es egal sein: Er findet in Wolfsburg Verhältnisse wie in der Premier League vor. Laut Medienberichten soll sein Jahresgehalt sechs Millionen Euro brutto betragen.

Bei der Ablöse von 30 Millionen Euro für den früheren Mainzer werden jedoch viele Fachleute stutzig. 2013 überwies Chelsea 22 Millionen Euro an Bayer Leverkusen. Wie der gebürtige Ludwigshafener als Ergänzungsspieler seinen Wert in den letzten 19 Monaten um acht Millionen Euro steigerte, ist kaum zu verstehen. Die guten Leistungen bei der WM allein können das nicht rechtfertigen.

Doch der Klub des weltweit größten Autobauers hat in der Vergangenheit schon mehrfach gezeigt, dass er viel zahlt, wenn er überzeugt ist. Schürrle wäre bereits der dritte Mega-Deal des VfL Wolfsburg seit 2013. Zunächst kam Luiz Gustavo für 20 Millionen Euro von Bayern München, ein halbes Jahr später Kevin de Bruyne für 22 Millionen von Chelsea. Die gute Entwicklung der Mannnschaft in der Hinrunde bis hin zum Bayern-Jäger Nummer eins dürfte die Wolfsburger Führungsriege ermutigt haben, den Stil fortzusetzen.

Obwohl die UEFA derzeit im Zuge des Financial Fair Play die Bilanzen des VfL Wolfsburg prüft, scheut Allofs den Mega-Deal nicht. Die UEFA schaut, ob der Klub mehr Geld ausgibt, als er einnimmt. Die Untersuchungen sollen kurz vor dem Abschluss stehen, offenbar wurden bislang keine Mängel gefunden. Allofs sieht anscheinend keine Probleme und drängt als Architekt einer neuen Mannschaft mit aller Macht in die Champions League.

Die Liga müsste sich eigentlich bei Allofs bedanken. Immerhin unternimmt der frühere Profi und Europameister von 1980 alles, die Langeweile aus dem Bundesliga-Alltag zu vertreiben und die große Lücke zum Über-Team von Bayern München zumindest ein wenig zu verkleinern. Dass Allofs dabei auch tief in die Tasche greift, deutete er zuletzt in einem Interview an, als es darum ging, wie man einen Weggang des Mittelfeld-Stars Kevin de Bruyne verhindern könnte. Allofs: „Unsere Aufgabe ist es, das Team so zusammenzustellen, dass es nicht mehr viele Klubs gibt, zu denen man wechseln sollte.“

sid

Die spektakulärsten Wintertransfers der Bundesliga

Die spektakulärsten Wintertransfers der Bundesliga

Kommentare