Warum es in München entscheidend war, „was hinten rauskommt“

Und nochmal dunkelrot

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Münchener und Leipziger Allerlei im Rudel: Nach dem gesundheitsgefährdenden Tackling von Emil Forsberg (direkt links neben Schiedsrichter Felix Zwayer) an Philipp Lahm (am Boden) hatten die Bayern Gesprächsbedarf mit dem Gegner und dem Referee. Der Berliner FIFA-Unparteiische hätte die Situation taktisch klüger lösen können.

München. Es gibt Fouls, die tun beim Zugucken weh. In der 30. Minute beim 3:0 im Spitzenspiel zwischen Bayern und RB passiert ein Vergehen, für das die Rote Karte erfunden werden müsste, wenn es sie nicht schon gäbe.

Münchens Philipp Lahm will in vollem Tempo aus dem eigenen linken Mittelfeld einen Konter fahren, als Leipzigs Emil Forsberg seinem enteilenden Gegner von hinten mit ausgestreckter rechter Sohle in den linken Unterschenkel tritt und auf den Rasen bringt. Nähern wir uns dieser Szene regeltechnisch. Foul? Klar. Verbotenes Tackling, Grätsche, Treten. Spielfortsetzung? Direkter Freistoß für Bayern als Spielstrafe.

Muss eine persönliche Strafe kommen? Absolut. Warum die Rote und nicht die Gelbe Karte? Forsberg spielt brutal, gesundheitsgefährdend, grätscht nur gegen den Gegner. Der Ball ist meilenweit entfernt, kann nicht mehr erreicht werden. Dem Leipziger geht es einzig und allein um den Gegner, nicht um das runde Leder. All diese Faktoren bedingen den Feldverweis mit glatt Rot, den Schiedsrichter Felix Zwayer vom SC Charlottenburg aus Berlin korrekterweise ausspricht.

Wenn sich der 35-jährige FIFA-Referee, der in dieser Saison bereits dreimal in der Champions League im Einsatz war (in Istanbul, Sevilla und Porto), diese Situation in der professionellen Spielanalyse noch einmal anschaut: Was wird ihm selbst auffallen? Natürlich die etwas suboptimale Performance der Entscheidung. Felix Zwayer hat zunächst die Gelbe Karte in der Hand – als Idee zur schnellen Beruhigung der Szene eigentlich gut, aber die völlig falsche Farbe. Denn das bringt die wegen des brutalen Fouls an Lahm ohnehin aufgebrachten Bayern erst richtig in Rage. Einen Anteil an der Rudelbildung muss sich daher auch der Unparteiische zuschreiben lassen.

Schneller als John Wayne.

Nach solchen Fouls ist die sekundenschnell präsentierte Rote Karte, schneller als John Wayne und Clint Eastwood zusammen, die beste Art des Agierens, um die Situation zu deeskalieren. Dann sieht das gefoulte Team sofort: Okay, wenigstens die Konsequenz, die Strafe, stimmt.

Helmut Kohl: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt.“

Hervorzuheben ist die sehr gute Teamarbeit zwischen Felix Zwayer, FIFA-Assistent Thorsten Schiffner (Konstanz) und dem Vierten Offiziellen Martin Petersen (Stuttgart). Die Kollegen haben zum Glück einen besseren Blick auf die Szene und beraten ihren Schiedsrichter rasch und richtig. Am Ende ist es das Wichtigste, dass die Situation korrekt bewertet wird. Denn, wie brachte es der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl vor mehr als 30 Jahren einmal treffend auf den Punkt: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt.“ So ist es.

Von Marco Haase  

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