"Eine große Ehre"

"Herr Naldo" ist nun Deutscher

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Naldo erhält vom Wolfsburger Oberbürgermeister Klaus Mohrs (r) am 02.12.2014 im Wolfsburger Rathaus (Niedersachsen) seine Einbürgerungsurkunde.

Wolfsburg - Sportlich läuft für ihn beim VfL Wolfsburg alles bestens, und auch privat ist Naldo seit Dienstag rundum glücklich. Der gebürtige Brasilianer ist nun auch deutscher Staatsbürger.

Naldo zeigte sein breitestes Grinsen, als er endlich die Einbürgerungsurkunde in den Händen hielt. „Das ist eine große Ehre für mich und meine Familie. Ich fühle mich so wohl in Deutschland“, sagte der Profi des VfL Wolfsburg: „Mein Sohn hat mich fast jeden Tag gefragt, wann wir endlich Deutsche werden.“

Am Dienstagnachmittag war es so weit. Im eher schmucklosen Wolfsburger Rathaus bekam Ronaldo Aparecido Rodrigues, so Naldos richtiger Name, von Oberbürgermeister Klaus Mohrs feierlich die Einbürgerungsurkunde und eine Ausgabe des Grundgesetzes überreicht. Auch seine Ehefrau Carla und die gemeinsamen Kinder Naldinho und Liz erhielten die deutsche Staatsbürgerschaft. Ihren brasilianischen Pass behalten aber alle vier.

Einen typisch deutschen Namen wolle er sich nicht zulegen, sagte Wolfsburgs Abwehrchef: „Herr Naldo reicht.“ Eine Karriere als deutscher Nationalspieler ist ohnehin nicht mehr möglich. „Leider kann ich nicht mehr für Deutschland spielen, ich habe schon für Brasilien gespielt“, sagte der schuss- und kopfballstarke Abwehrspieler, der viermal das Trikot der Selecao getragen hat.

Um eingebürgert zu werden, mussten Naldo und seine Ehefrau einen offiziellen Test mit 33 Fragen rund um Deutschland bestehen. „Wir haben jeden Abend vor dem ins Bett gehen eine Stunde gelernt“, verriet Naldo.

An seiner Wahlheimat schätzt der Fußballprofi vor allem die Pünktlichkeit („Ich war bei Werder und bei Wolfsburg nie zu spät zum Training“) und das Essen. „Am liebsten esse ich Bratwurst“, sagte Naldo dem NDR.

Der Defensivspieler lebt mit seiner Familie seit mehr als neun Jahren in Deutschland. Der heutige Wolfsburger Manager Klaus Allofs hatte den 1,98-m-Schlaks für umgerechnet rund drei Millionen Euro zu Werder Bremen gelockt. Naldo gewann mit Werder den DFB-Pokal (2009) und wurde zweimal Vizemeister (2006 und 2008).

Als einer der letzten aus der Bremer Erfolgsära verließ er 2012 die Hansestadt und wechselte nach Wolfsburg, wo inzwischen wieder Allofs sein Vorgesetzter ist. Beim VfL ist Naldo nicht nur wegen seiner Defensivstärke unersetzlich: Nur Stürmer Ivica Olic (5) hat bei den Wölfen in der Liga in dieser Saison häufiger getroffen als er (3). Mit 34 Treffern in 250 Spielen ist Naldo der torgefährlichste Innenverteidiger der Bundesliga.

„Naldo ist ein Phänomen“, schwärmt VfL-Trainer Dieter Hecking, und Teamkollege Maximilian Arnold meinte: „Wenn es bei uns mal nicht so klappt, dann haben wir ja noch Naldo.“ Der Hochgelobte will seinen Offensivdrang nicht bremsen: „Ich habe mir kein festes Ziel gesetzt, aber ich will natürlich so viele Tore wie möglich machen.“

Im Klub und bei den Fans genießt der stets gut aufgelegte Deutsch-Brasilianer eine hohe Wertschätzung. Schon vor der laufenden Saison verlängerte der deutsche Meister von 2009 den Vertrag mit dem Abwehrspieler bis 2016. „Er ist ein absoluter Leistungsträger und Führungsspieler“, sagt Allofs.

sid

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