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Die Fußball-Deutschland diskutiert über Hubniks Rote Karte

Wer ist der wahre Sünder von Berlin?

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In der 100. Minute erschleicht sich Gladbachs De Camargo gegen Hertha den unberechtigtsten Strafstoß des Jahres / Würde Rot für Simulanten helfen?

© dpa

Kamen sich näher: Gladbachs Igor de Camargo und Herthas Roman Hubnik (rechts).

Eine Szene, über die sich Fußball-Deutschland zu Recht aufregt, passiert am Mittwochabend beim 2:0-Viertelfinal-Sieg von Borussia Mönchengladbach bei der Hertha aus Berlin. In der 100. Min. sackt Gladbachs De Camargo nach einem vermeintlichen Kopfstoß von Herthas Hubnik im Strafraum zu Boden. FIFA-Schiedsrichter Dr. Felix Brych entscheidet nach seiner Wahrnehmung auf Strafstoß und verweist Hubnik nach der angeblichen Tätlichkeit mit der roten Karte des Feldes.

Eine konsequente Entscheidung des 36-jährigen Juristen vom SV Am Hart München, die sich nach dem Studium der Zeitlupen leider als falsch herausstellt. De Camargo hat ausgenutzt, dass Hubnik schnellen Schrittes auf ihn zulief und erst kurz vor seinem Gesicht stoppte. Also warf er sich hin, vermeintlich böse getroffen, um den Unparteiischen zu täuschen. Leider hat er mit seiner Simulation Erfolg. Auch wenn es der – verständlicherweise schwer verärgerte – Hertha-Trainer Michael Skibbe anders sieht: Diese Täuschung ist live auf dem Feld für jeden Schiedsrichter der Welt sehr schwer zu erkennen. Es sah im normalen Tempo tatsächlich so aus, als hätte Hubnik den Kopf gegen De Camargo eingesetzt.

Felix Brych, der wie Florian Meyer (Burgdorf) und Wolfgang Stark (Ergolding) regelmäßig auch zu den schwierigsten Spielen der Champions League eingesetzt wird, ist sicherlich selbstkritisch genug, zu hinterfragen, ob eine bessere Position und dadurch ein besserer Einblick ins Spielgeschehen ihm vielleicht geholfen hätte, die Szene anders zu beurteilen – wenn das live überhaupt möglich ist. Allerdings bleibt die Frage, wer eigentlich als verantwortlicher Sünder benannt werden sollte. Und das ist sicherlich nicht Schiedsrichter Felix Brych, sondern Gladbachs De Camargo. Und was wäre passiert, wenn der Referee die Täuschung von De Camargo erkannt hätte? Regeltechnisch gilt selbst eine so unglaublich unsportliche Simulation lediglich als normale Unsportlichkeit, die mit der gelben Karte und, da der Ball im Spiel war, mit indirektem Freistoß zu ahnden ist. Rot ist für so etwas im Regelwerk bislang nicht vorgesehen.

Bleibt die Frage, wann der erste Schiedsrichter eine solche verachtenswerte Täuschung im gegnerischen Strafraum als so genannte „grobe Unsportlichkeit“ bewertet und Rot zieht – auf die anschließende Sportgerichtsverhandlung dürfte die Fußball-Szene gespannt sein. Denn jeder hätte Verständnis dafür, für solche Simulationen, die solche Folgen haben, die rote Karte zu geben.

Marco Haase vom SV Holdenstedt ist Schiedsrichter-Referent beim Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV). Regelmäßig beleuchtet der 41-jährige ehemalige Spitzen-Schiedsrichter exklusiv in der AZ und schonungslos den „Pfiff der Woche“ – diesmal in einer Extraausgabe zu den Spielen des Viertelfinals um den DFB-Pokal.

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Haases "Pfiff der Woche"

Marco Haase (SV Holdenstedt) ist seit 25 Jahren Schiedsrichter. Nach jedem Spieltag der Bundesliga beleuchtet der 41-jährige ehemalige Spitzen-Unparteiische schonungslos den „Pfiff der Woche“ und erklärt, ob sich Fußball-Deutschland zu Recht oder Unrecht über Schiedsrichter-Entscheidungen aufregt. Haase ist ehrenamtlich als Schiedsrichter-Referent und Beobachter beim Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV) aktiv.

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