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Oje, die Rasenheizung fehlte: Wann ist ein Fußballplatz eigentlich bespielbar – und wann nicht?

Verwöhnter Klopp und der Rasen von Kiel

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Uelzen/Kiel. Nein, nach St. Pauli oder sonstwohin wollten sie nicht ausweichen, auf keinen Fall. Sie haben alles drangesetzt, die Kieler Störche, damit das Spiel des Jahres gegen den Deutschen Meister trotz der widrigen Witterung mit Eis und Schnee im heimischen Holstein-Stadion stattfinden kann: 7 800 Quadratmeter Rasen wurden ausgetauscht und das ganze schöne neue Grün unter einem speziellen Klimazelt geschützt – ein Zelt, das beim sensationellen Sieg gegen Mainz 05 noch geholfen hat.

© dpa

Der öffentlich gewohnt sehr aggressiv auftretende BVB-Trainer Jürgen Klopp beschwerte sich nach dem Schlusspfiff gar, dass es in Kiel keine Rasenheizung gibt. Warmduscher Klopp?“, stellt AZ-Experte Marco Haase zur Diskussion.

Gegen Dortmund hat das alles nix genützt – mit 0:4 schied der Viertligist aus Kiel, der Deutsche Meister von 1912, der gute Chancen hat, in die dritte Liga aufzusteigen, im DFB-Pokal-Viertelfinale aus.

Stolz sein können die Störche trotzdem. Aber die Platzverhältnisse sind es, die der Pfiff der Woche angesichts der eisigen Temperaturen genauer unter die Lupe nehmen muss: Ging mit Rollrasen, Klimazelt und Fön alles mit rechten Dingen zu? Wann ist ein Platz bespielbar? Der öffentlich gewohnt sehr aggressiv auftretende BVB-Trainer Jürgen Klopp beschwerte sich nach dem Schlusspfiff gar, dass es in Kiel keine Rasenheizung gibt. Warmduscher Klopp?

Und noch eine Frage beschäftigt den Pfiff der Woche: Kann so ein Rasen während eines Spiels auch unbespielbar werden – zum Beispiel weil das Grün, wie ARD-Sportreporter Tom Bartels in seiner, wie in ganz alten Zeiten, von zahlreichen munteren Tonstörungen geprägten Reportage aus Kiel anmerkte, von Minute zu Minute immer härter und hartgefrorener wird – wegen der Minus-Temperaturen? Die Fußball-Regeln sind eindeutig: Ohne Jürgen Klopp an dieser Stelle als Warmduscher und Vorwärtseinparker abzustempeln – die von ihm flächendeckend herbeigesehnte Rasenheizung ist natürlich nicht Pflicht. Die Vereine in Stadt und Kreis würden sich auch bestimmt sehr freuen, wenn sie plötzlich Rasenheizungen installieren müssten. Holstein Kiel ist 1912 auch ohne Rasenheizung Meister geworden. Und auch damals war es kalt.

Entscheidend ist, ob die Platzverhältnisse für die Spieler gefährlich sind oder nicht. Ein gefrorener Platz an sich ist das zunächst nicht, genauso wenig wie ein Grandplatz, Asche-, Schlacke oder Hartplatz – Spielflächen, auf denen in Hamburg auch heute noch bis in die höchsten Klassen gekickt wird und auf denen eine Grätsche genauso weh tut wie auf einem gefrorenen Rasen. Die Frage ist, ob es gefährliche Eisflächen auf dem Spielfeld gibt oder nicht. In Kiel gab’s die nicht.

Der in Dortmund wohl gewohnte mollig warme Rasen ist also nicht Standard – und insofern waren die Verhältnisse in Kiel natürlich voll und ganz regelkonform. FIFA-Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) und seine Assistenten Harm Osmers (Hannover) und Marcel Pilgrim (Bocholt) sowie Matthias Anklam (Buchholz) als vierter Offizieller haben völlig zu Recht angepfiffen. Einzig und allein dem Schiedsrichter, in Kiel dem 30-jährigen Immobilienkaufmann Felix Zwayer von Hertha BSC Berlin, obliegt es, grünes Licht für die Partie zu geben oder auch nicht – das böse „Fernsehen“, wie Jürgen Klopp fälschlicherweise mutmaßte, hat darauf überhaupt keinen Einfluss.

 Aber natürlich kann ein Platz aufgrund der Witterung während des Spiels unbespielbar werden – zum Beispiel durch starken Regen. Die älteren, nein, sagen wir besser: erfahrenen AZ-Leser erinnern sich bestimmt an die WM 1974, die Wasserschlacht von Frankfurt am 3. Juli 1974, zwischen Deutschland und Polen. Nun gut, wir haben 1:0 gewonnen, Schwamm drüber (die Polen sehen das übrigens bis heute ein wenig anders…).

38 Jahre später darf man es ja durchaus sagen, dass der Platz im Frankfurter Waldstadion nicht bespielbar war – im Gegensatz zur Pokalpartie von Kiel.

Marco Haase vom SV Holdenstedt ist Schiedsrichter-Referent beim Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV). Regelmäßig beleuchtet der 41-jährige ehemalige Spitzen-Schiedsrichter exklusiv in der AZ und schonungslos den „Pfiff der Woche“ – diesmal in einer Extraausgabe zu den Spielen des Viertelfinals um den DFB-Pokal.

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Haases "Pfiff der Woche"

Marco Haase (SV Holdenstedt) ist seit 25 Jahren Schiedsrichter. Nach jedem Spieltag der Bundesliga beleuchtet der 41-jährige ehemalige Spitzen-Unparteiische schonungslos den „Pfiff der Woche“ und erklärt, ob sich Fußball-Deutschland zu Recht oder Unrecht über Schiedsrichter-Entscheidungen aufregt. Haase ist ehrenamtlich als Schiedsrichter-Referent und Beobachter beim Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV) aktiv.

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