Uelzen/Hamburg. Abpfiff, 1:1 zwischen dem Hamburger SV und Bayern München – alle Beteiligten können nach dem munteren Spiel mit diesem Ergebnis leben, die gefühlten minus 20 Grad in der Imtech-Arena sind vergessen. Doch eines interessiert dann doch: Wie haben die Reporter im Fernsehen die 14. Minute gesehen, als Schiedsrichter Knut Kircher ganz ausgezeichnet das versteckte Stoßen von Mario Gomez gegen HSV-Routinier Heiko Westermann erkannte?

© dpa
LIGA-Total Kommentator: Wolff-Christoph Fuss.
Also auf nach Hause aus dem bitterkalten Stadion zu den Rekordern im mollig-warmen heimischen Wohnzimmer. Bei den Sendern, die nach dem Spiel schon ein bisschen Zeit hatten, die Zeitlupen zu studieren, fällt die Analyse im Großen und Ganzen eindeutig aus: Es gibt mehr oder weniger Lob für das „sehr gute Auge des Schiedsrichters“. Und es wird deutlich, dass sich die Kollegen in den Sportredaktionen die Szene mehrfach angeschaut haben – eine Möglichkeit, die FIFA-Referee Knut Kircher nicht hat.
Somit sagt Reporter Fuss diesmal gar nichts dazu und wartet mit einem fordernden „Nochmal“ auf die dritte Zeitlupe. Inzwischen haben die Kollegen im Hintergrund die 14. Minute in allen Perspektiven analysiert und spielen die beste „Slow Motion“ ein. Danach, nach der dritten Zeitlupe und den entsprechenden Hinweisen aus dem Hintergrund, ändert Fuss seine erste, zunächst kritische Einschätzung: „Ja, der Schubser von Gomez – der Schubser von Gomez gegen Heiko Westermann.“ Das habe Knut Kircher „sehr gut“ gesehen, hebt Fuss hervor und lobt: „Das sind dann die Momente, von denen man sagen muss: Hut ab vor den Unparteiischen.“ Diese schnelle, neue Interpretation der Situation durch den Reporter ist bemerkenswert. Bemerkenswert und, vor allem, sehr richtig ist auch das Fazit des LIGA-total-Reporters Fuss, dass Knut Kircher in dem nicht einfach zu leitenden Klassiker zwischen dem HSV und den Bayern eine exzellente Leistung gezeigt habe. Hätte der erfahrene TV-Sportreporter dies auch getan, wenn Kircher in dieser einen und einzigen Szene – und sonst nicht – daneben gelegen hätte?
Auf jeden Fall weist Fuss darauf hin, dass die Szene in der 14. Minute erst in der „zweiten Zeitlupe“ (eigentlich der dritten – aber egal) aufgelöst werden konnte und lobt den Referee noch einmal mit einem positiv gemeinten „Donnerwetter!“ Loriot hätte sicherlich gesagt: „Man muss schon sehr genau hinsehen!“ Es bleibt dabei: Es ist für Außenstehende wirklich nur als „Donnerwetter!“ zu bezeichnen, was die Schiedsrichter ohne Zeitlupen alles sehen und richtig ahnden; und wie viele Millimeter-Entscheidungen jedes Wochenende richtig sind, von denen nicht viel Auflebens gemacht wird – nachdem man sie sich fünfmal angeschaut hat und zu dem Ergebnis gekommen ist, dass doch kein Fehler des Schiedsrichters vorlag. So auch am Sonnabend in Hamburg.
Marco Haase vom SV Holdenstedt ist Schiedsrichter-Referent beim Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV). Nach jedem Spieltag in der Fußball-Bundesliga beleuchtet der 41-jährige ehemalige Spitzen-Schiedsrichter exklusiv in der AZ und schonungslos den „Pfiff der Woche“. Haase erklärt, ob sich Fußball-Deutschland zu Recht oder Unrecht über die Schiedsrichterentscheidung aufregt.

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