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In Rekordtempo aus der Partie reklamiert

Pfiff der Woche extra: Der gelbe Doppelschlag von Schalkes Klaas Jan Huntelaar in Mönchengladbach – war da alles korrekt?

In Rekordtempo aus der Partie reklamiert

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Marco Haase vom SV Holdenstedt ist Schiedsrichter-Referent beim Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV).

Schalkes Klaas-Jan Huntelaar verlässt nach Gelb-Rot den Platz. Foto: dpa

Nach einem von Kampf, Hektik und Unsportlichkeiten geprägten Achtelfinale befasst sich der 40-jährige ehemalige Spitzen-Schiedsrichter in einer Extra-Ausgabe seiner Bundesliga-Kolumne „Pfiff der Woche“ diesmal auch mit dem Geschehen im DFB-Pokal.

Uelzen/Mönchengladbach/Düsseldorf. Beim Sieg der Gladbacher Borussia gegen Schalke (3:1) geht es auf dem Feld phasenweise ganz und gar nicht weihnachtlich-friedlich zu. FIFA-Referee Wolfgang Stark hat kein einfaches Amt. So reklamiert sich Schalkes Torjäger Klaas Jan Huntelaar zum Start der zweiten Halbzeit binnen weniger Augenblicke aus dem Spiel. Einmal Gelb, und nur Sekunden später der gelb-rote Karton. Geht das überhaupt? Hat der gerade frisch für die Europameisterschaft 2012 nominierte Stark richtig entschieden? Hätte da nicht die gelbe Karte ausgereicht?

Das Fußball-Regelwerk ist hier eindeutig: Ein Spieler muss mit der gelben Karte verwarnt werden, wenn er sich unsportlich verhält oder „durch Worte oder Handlungen“ protestiert oder reklamiert“, wie es wortwörtlich in der Fußball-Regel 12 („Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen“) heißt. All das hat der holländische Nationalspieler Huntelaar in der 46. Minute gemacht. Und es spielt keine Rolle, ob sich diese Unsportlichkeiten gegen den Schiedsrichter, die Assistenten, Gegenspieler oder andere Beteiligte richten.

Und auch der gelbe Doppelschlag ist völlig korrekt: Huntelaar beschimpft lautstark, gelbwürdig und völlig grundlos den sehr gut amtierenden FIFA-Assistenten Mike Pickel; der hat zuvor richtigerweise signalisiert, dass eine Flanke des Holländers bereits im Toraus war.

Da Huntelaar, dem die vorweihnachtliche Stimmung völlig abgeht, dem Assistenten sogar einen Vogel zeigt, ist die Verwarnung sogar noch die milde Entscheidung. Als der Holländer sieht, wie Stark, der seit 14 Jahren in der Bundesliga pfeift, zu ihm läuft, um ihn dafür zu verwarnen, klatscht er höhnisch und unsportlich. Das ist das zweite gelbwürdige Vergehen. Dabei ist es egal, dass der Unparteiische den ersten gelben Karton so schnell noch gar nicht aus der Tasche ziehen konnte.

Regel 12: „Wenn ein Schiedsrichter im Begriff ist, einen Spieler zu verwarnen, und dieser Spieler, ehe die Verwarnung ausgesprochen ist, einen weiteren Verstoß begeht, der eine Verwarnung nach sich zieht, so muss der Spieler mit Gelb/Rot des Feldes verwiesen werden (zunächst Gelb, dann Gelb/Rot).“ Ein bisschen weihnachtlicher Friede hätte Huntelaar also gut getan; so gab’s nur die Rute, kein Geschenk.

Stress auch in Düsseldorf

Elfmeterschießen ist eine Wissenschaft für sich – und gut, dass mit dem Berliner Manuel Gräfe ein Sportwissenschaftlicher auf dem Feld aktiv war. Der 38-jährige FIFA-Referee von Hertha 03 Zehlendorf muss sein ganzes Können aufbieten, um die Partie der Fortuna gegen den deutschen Meister aus Dortmund (4:5 n.E.) im Griff zu behalten. Völlig richtig die frühe gelb-rote Karte gegen Dortmunds Owomoyela nach zwei gelbwürdigen Foulspielen. Ebenso korrekt, den bekanntermaßen nicht immer sehr weihnachtlich-fröhlich und locker-cool auftretenden BVB-Trainer Klopp auf die Tribüne zu verweisen – nicht die erste Entgleisung des Meister-Trainers.

Aber natürlich geht’s jetzt ums Elfmeterschießen. Gräfe muss zwei Elfmeter wiederholen lassen, weil nicht alles korrekt zugeht. Vor der Ausführung durch Dortmunds „Kuba“ Blaszczykowski signalisiert Gräfe, der bislang 130 Bundesliga-Spiele leitete, durch mehrere Pfiffe und eindeutige Gesten, dass er den Ball noch nicht freigegeben hat, obwohl „Kuba“ einfach schon anläuft.

Die Lage des Leders, das ohne Wenn und Aber auf dem Punkt liegen muss, ist nicht korrekt. Mit der Position von Torwart Ratajczak, wie manche Reporter fälschlicherweise vermuten, hat diese Wiederholung gar nichts zu tun. Denn wenn der Keeper nicht auf der Linie stünde, und der Ball ginge trotzdem rein, dann zählt natürlich das Tor (Vorteil), obwohl der Schlussmann gegen die Regeln verstoßen hat.

Da etliche, ansonsten sehr faire und gut informierte Sportjournalisten, auch im Fernsehen, diese Szene völlig falsch deuten, sollte man beim DFB überlegen, ob für derartige schwierige Situationen ein Fachmann während oder unmittelbar nach dem Spiel zur Verfügung steht, der die sehr berechtigten Fragen der Medienvertreter sofort beantwortet. Das kann, muss aber nicht der Schiedsrichter sein.

Auf eine solche Auskunft unmittelbar nach dem Spiel hat die interessierte Fußball-Öffentlichkeit einen Anspruch. Denn wenn sachlich falsche Informationen in der Medienwelt transportiert werden, dann liegt die Schuld nicht ausschließlich bei demjenigen, der sie verbreitet, sondern auch bei denjenigen, die es eigentlich besser wüssten.

Weiter im Düsseldorfer Elfermeterschießen: Fortunas Publikumsliebling und Kapitän „Lumpi“ Lambertz jagt den Ball bei seinem ersten Versuch in bester 1976er Uli-Hoeneß-Manier in den Düsseldorfer Abendhimmel. Aber Lambertz darf noch mal ran. Diesmal hat BVB-Torwart Weidenfelder gegen die Regeln verstoßen. Die Proteste der Dortmunder sind daher überflüssig, die Verwarnungen wegen dieses sehr unweihnachtlichen Verhaltens umso berechtigter. Ein bisschen Regelkunde rund ums Elfmeterschießen hätte gut getan.

Der Torwart muss vor der Ausführung des Elfmeters auf der Torlinie stehen, und daran hält sich Weidenfelder nicht. Bewegen darf er sich, aber nicht die Linie verlassen, bevor der Ball getreten ist. Weidenfelder verlässt die Torlinie zu früh, der Ball geht übers Tor – die Wiederholung des Elfmeters ist völlig korrekt. Der Keeper kickt danach den Ball frustriert weg und erwischt beinahe den Assistenten; er hat Glück, dass er dafür nicht vom Platz fliegt. Übrigens: Wenn „Lumpi“ dennoch getroffen hätte, hätte es natürlich gezählt – Vorteil.

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Haases "Pfiff der Woche"

Marco Haase (SV Holdenstedt) ist seit 25 Jahren Schiedsrichter. Nach jedem Spieltag der Bundesliga beleuchtet der 41-jährige ehemalige Spitzen-Unparteiische schonungslos den „Pfiff der Woche“ und erklärt, ob sich Fußball-Deutschland zu Recht oder Unrecht über Schiedsrichter-Entscheidungen aufregt. Haase ist ehrenamtlich als Schiedsrichter-Referent und Beobachter beim Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV) aktiv.

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