Uelzen/Stuttgart. „Talk-Show“ oder Strategie? Sollen die Unparteiischen auf dem Platz eigentlich mit den Spielern sprechen? Was sagt das Regelwerk zur „Kommunikation auf dem Platz“?

Im Dialog: FIFA-Schiedsrichter Florian Meyer redet im Spiel des VfB Stuttgart gegen den FC Bayern sehr viel mit den Spielern. Foto: dpa
Wer sich den Pokal-Südschlager zwischen dem VfB Stuttgart und Bayern München (0:2) genau angeschaut hat, dem ist aufgefallen, wie viel und wie oft Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf) während der gesamten Partie mit den Spielern geredet hat: Mal ein kleines, fast unbemerktes Wort im Vorbeigehen; mal eine deutliche Ansprache, die jeder im Stadion mitbekommt; mal ein kleiner entspannter „Talk“ in einer Spielruhe; und auch mal ein paar beruhigende Worte mit der entsprechenden Mimik und Gestik.
Grund genug, genauer zu schauen, was das Fußball-Regelwerk eigentlich zum Thema „Kommunikation und Ansprache der Spieler durch den Schiedsrichter“ sagt. Denn wer Florian Meyer näher kennt, weiß, dass der FIFA-Referee mit der Erfahrung von fast 220 Bundesligaspielen auf dem Buckel ein sehr netter, kommunikativer Mensch ist, der gern mit anderen redet. Aber natürlich verfolgt der 43-jährige Kanzleileiter vom RSV Braunschweig auf dem Platz eine Strategie.
Also der Blick ins Regelbuch: Direkt findet sich zum Thema „Kommunikation“ dort gar nicht so viel. Lediglich an drei Stellen in den Fußball-Regeln wird das Thema „Ermahnung“ direkt erwähnt: So beim Vorgehen gegen das leider oft übliche Halten im Strafraum vor Eck- und Freistößen. Außerdem bei der Einhaltung des Abstandes vor der Ausführung von Einwürfen und Eckstößen.
Solche wirkungsvollen „Ermahnungen“ ersparen dem Referee dann im weiteren Verlauf im Übrigen die „Verwarnungen“ – also die gelben Karten. Klar gibt’s Gelbe, die man geben muss (zum Beispiel nach Unsportlichkeiten wie Ballwegkicken oder Spielverzögerung, nach taktischen Fouls oder bei Reklamieren gegen Schiedsrichte-Entscheidungen). Aber es passieren im Spiel auch zahlreiche Fouls, die eben noch nicht verwarnungswürdig sind – und da ist es die Kunst des Schiedsrichters, im richtigen Moment die richtigen Worte gegen den richtigen Akteur zu finden.
Und wenn ein Spiel prima läuft, dann geschieht das so, wie es Florian Meyer am Mittwochabend in Stuttgart gemacht hat: Ein Wort im Vorbeilaufen nach einem kleinen Vergehen. Oder die deutliche, für alle sichtbare Ansprache eines „Sünders“ nach einem etwas heftigeren, aber noch nicht gelbwürdigen Foul – damit alle im Stadion erkennen: Oh ja, hier ist die Grenze, nächstes Mal gibt’s den gelben Karton. So kam Florian Meyer, der seit vielen Jahren auch in der Champions League pfeift, im Südderby mit vier gelben Karten aus, weil er durch seine präventive Kommunikation, durch wirkungsvolle Ermahnungen und Körpersprache viele möglicherweise brenzlige Situationen von vornherein entschärft hat.
Es soll und darf dabei auf dem Platz gar nicht darum gehen, als Schiedsrichter jede Entscheidung wortreich zu begründen oder gar zu rechtfertigen. Das will auch niemand. Aber trotzdem sollte jeder Unparteiische in den passenden Momenten die Kommunikation mit den Spielern suchen. Denn ein lockeres Gespräch im Vorbeigehen erspart letztendlich Verwarnungen und Feldverweise – egal, ob in der Bundes- oder Kreisliga.
Marco Haase vom SV Holdenstedt ist Schiedsrichter-Referent beim Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV).
Regelmäßig beleuchtet der 41-jährige ehemalige Spitzen-Schiedsrichter exklusiv in der AZ und schonungslos den „Pfiff der Woche“ – diesmal in einer Extraausgabe zu den Spielen des Viertelfinals um den DFB-Pokal.

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