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Ausschreitungen mit 71 Toten: Rainer Zobel trainierte drei Jahre lang Al-Ahly

„Jetzt wird's gefährlich“

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Uelzen/Braunschweig - von Bernd Klingebiel. Rainer Zobel kennt die vergiftete Atmosphäre in ägyptischen Fußballstadien, wenn das Topteam von Al-Ahly Kairo gegen Mannschaften aus den Städten am Suez-Kanal antritt. Aber das, was sich bei den schweren Krawallen nach der Liga-Begegnung zwischen Al-Masri und Al-Ahly (3:1) in Port Said mit mindestens 71 Toten und mehr als 1000 Verletzten ereignete, das macht auch den in Wrestedt geborenen Trainer sprachlos: „Was jetzt passiert ist, das hat eine neue Qualität,“ sagt Zobel, der Al-Ahly Kairo von 1998 bis 2000 coachte.

Spieler von Al-Ahly Kairo fliehen nach dem Spiel in Port Said vor den anstürmenden Fans, die Steine und Flaschen auf die Anhänger der Gäste werfen und sie mit Feuerwerktskörpern beschießen. Foto: dpa

Ausschreitungen kannte der Ex-Uelzener aus seiner Zeit am Nil bisher nur von außerhalb des Stadions. „Die Fußball-Fans in Ägypten erkennen in ihrer Emotionalität ihre Grenzen nicht, sie tun das nicht aus Bosheit. Bei jedem großen Fußballspiel war viel Polizei.“ In Port -Said soll sie aber nichts gegen die anstürmenden Fanatiker unternommen haben. Zobel: „Ob diese Krawalle politisch gestreut sind, vermag ich nicht zu sagen. Aber immer wenn Al-Ahly gegen die Teams aus Port Said oder Ismailia antritt, weiß man: Jetzt wird’s gefährlich.“

Weltenbummler in Sachen Fußball und Mitglied bei Teutonia Uelzen: Rainer Zobel, der Al-Ahly Kairo von 1998 bis 2000 trainierte. Foto: B. Klingebiel

Zobel hat das am eigenen Leibe erfahren. Nach einem Sieg gegen Ismailia verließ der Mannschaftsbus aus Angst vor Attacken der gegnerischen Fans ohne Spieler und mit zugezogenen Vorhängen das Stadion. Zobel: „Wir sind in einem Mannschaftswagen der Polizei mit vergitterten Fenstern gefahren.“ So wie jetzt auch in Port Said, wo die Hauptstadt-Fußballer in gepanzerten Fahrzeugen der Armee in Sicherheit gebracht wurden. An der weit entfernten Stadtgrenze wartete dann der Vereinsfahrer auf das Team um Trainer Zobel. Der Ex-Uelzener: „Der Bus war völlig zerdebbert.“

Zobel hat auch weiterhin Verbindung zu Al-Ahly. Er kennt im aktuellen Team noch einige Spieler aus seinen erfolgreichen drei Jahren am Nil, hält Kontakt zum Management. Auch jetzt in der schwersten Krise des ägyptischen Fußballs. Nach nun rund einem Jahr Pause als Trainer stand für ihn sogar ein weiteres Engagemenent in Ägypten zur Diskussion, doch die Lage dort ist ihm „zu heiß“ geworden. Zobel: „Ich bin kein Abenteurer.“ Ein Posten in Deutschland, vielleicht in der 3. Liga, ist sein Wunsch. „Wenn man aber so lange im Ausland gearbeitet hat wie ich, dann ist das schwer. Also muss ich mich erneut aufs Ausland konzentrieren“, sagt der in Braunschweig lebende 63-Jährige.

Nach seiner aktiven Bundesliga-Zeit bei Hannover 96 und dem FC Bayern trainierte er unter anderem Teutonia Uelzen, den 1. FC Nürnberg, die Stuttgarter Kickers, Eintracht Braunschweig, den 1. FC Kaiserslautern, Tennis Borussia Berlin, Ittehad Alexandria, Persepolis Teheran, ENPPI und Al-Ahly Kairo, Dinamo Tiflis und zuletzt die Maroko Swallos in Johannisburg.

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