Uelzen. Sibirische Temperaturen ausgerechnet zum Ende der Winterpause: Am morgigen Freitag sollen in der Fußball-Landesliga zwei von insgesamt vier Nachholspielen des Wochenendes angepfiffen werden. Bis gestern war noch keines davon abgesagt.

Soviel steht schon mal fest: Nicolai Bäsler wird in der kommenden Saison auch im Falle des Aufstiegs mit Teutonia Uelzen in der Oberliga nicht erneut auf den traditionsreichen, aber mittlerweile zahlungsunfähigen BSV Kickers Emden treffen; im März letzten Jahres kassierten die Blau-Gelben gegen die Deichkicker beim 0:5 ihre höchste Heimpleite. Foto: B. Klingebiel
Teutonia Uelzen kann noch eine weitere Woche dem Geschehen in der Liga zuschauen, ehe sie am 12. Februar beim TuS Güldenstern Stade ran muss. Und genau darin liegt das Problem. Die Elbestädter verfügen über einen Kunstrasenplatz. Teutonia-Trainer Ralf Sievers muss davon ausgehen, dass gespielt wird, obwohl sein Team bisher nicht ein einziges Mal testen konnte. Die Duelle gegen Lüneburger SK Hansa und beim SV Scharnebeck mussten abgesagt werden. Keine Gelegenheit bisher, die beiden hochkarätigen Winterneuzugänge Reno Schellin (von Eintracht Lüneburg) und Andris Kuvsinovs (SC 09 Uelzen) unter Wettkampfbedingungen ins Spiel einzubinden.
Nun ruhen die Hoffnungen auf einem Blitzturnier des SV Munster am kommenden Sonntag, bei dem Teutonia eigens auf Kunstrasen fürs Stade-Spiel proben will. In der Garnisionsstadt treffen die Uelzener auf den gastgebenden Kreisligisten (14 Uhr) und anschließend auf Bezirksligist TV Jahn Schneverdingen (15 Uhr).
Doch Teutonias Phillip Klötzing, der aus Munster kommt, hatte am Dienstagabend keine gute Nachrichten zum Training mitgebracht. Das Turnier droht auszufallen, weil sich eine Eisschicht auf dem Platz gebildet habe. „Es sieht nicht gut aus“, erklärte Sievers gestern.
Gut möglich also, dass die vier Vizemeister der Landesligen Lüneburg, Braunschweig, Hannover und Weser-Ems am Saisonende in einer Relegation einen zusätzlichen Aufsteiger ausspielen. NFV-Verbandsspielleiter Jürgen Stebani erwartet allerdings „nicht vor Anfang April“ Klarheit in dieser Frage, erklärte er gegenüber der AZ.
Auch in der Oberliga sind am Wochenende Nachholspiele angesetzt. Mit dabei: Kickers Emden. Der Verein hat ebenso wie Eintracht Nordhorn Insolvenzantrag gestellt. Beide Vereine stehen damit als Absteiger fest, obwohl sportlich nur der Tabellenletzte dafür vorgesehen war.
Gestern hat das Amtsgericht Aurich das Verfahren gegen die Kickers wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit eröffnet. Damit können alle bisherigen und künftigen Emder Ergebnisse gemäß der Statuten annulliert und das Team ans Tabellenende gesetzt werden. Die Eintracht muss auf eine Entscheidung noch warten. Sollte ihr Antrag mangels Masse abgewiesen werden, verschwindet der Traditionsverein von der Fußball-Landkarte.
Die Deichkicker und die Eintracht mussten fast ihren gesamten Kader ziehen lassen. Sie können die Saison mit Pflicht-Freundschaftsspielen zu Ende bringen – falls die Insolvenz, wie jetzt bei den Kickers, eröffnet ist – und dann in der Landesliga neu beginnen. Treten sie nicht an, folgt der Sturz in die 1. Kreisklasse. In der Oberliga wollen die Nordhorner mit ihrer Zweiten spielen. Die war bisher selbst für die Kreisliga zu schwach und holte nur sechs Punkte in 17 Spielen.
Nach dem TuS Heeslingen ist in der Oberliga nun auch der VSK Osterholz/Scharmbeck ins Visier der Steuerfahnder geraten. Dabei geht es nach Bremer Medienberichten um die Frage, ob die Oberliga-Fußballer des VSK Arbeitnehmer mit entsprechenden steuerlichen Pflichten oder Freizeitsportler sind. Stichwort: steuerliche Grauzone bei der finanziellen Entschädigung von Spielern.
Die Behörden haben in einer überraschenden Aktion die VSK-Geschäftsstelle und Privatwohnungen von Vorstandsmitgliedern und Spielern durchsucht. Weil er mit monatelangen Ermittlungen rechnet und „im Sinne der Sicherung des Gesamtvereins“, erwägt der VSK, für die nächste Saison keine Oberliga-Lizenz zu beantragen.
Ob Teutonia für den Fall der Fälle und die mögliche Rückkehr in die 5. Liga rüstet, ist noch nicht entschieden. Vorsitzender Lutz Börngen: „Wir werden nach den ersten Spieltagen im Februar Anfang März zusammen mit dem Trainer die Chance eines Aufstieges beurteilen und dann gegebenenfalls die Lizenz beantragen.“
Von Bernd Klingebiel

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
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