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Ehemalige Stendaler Handballdamen erinnern sich an ihre aktive Zeit / Treffen alle vier Wochen

Zum Heimspiel nach Schwerin

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Stendal. Den bekannten Sportlerspruch „Wollt ihr siegen, müsst ihr Freunde sein“ haben offenbar die ehemaligen Spielerinnen, die den einst bekannten und erfolgreichen Stendaler Handball vertraten, bis heute beherzigt.

In gemütlicher Runde lassen die ehemaligen Handball-Damen von Lok Stendal alle vier Wochen die längst vergangenen Sportler-Tage Revue passieren. Mit dabei ist auch immer Horst Pieke (Zweiter v.r.). Foto: Pohlmann

In gemütlicher Runde lassen die ehemaligen Handball-Damen von Lok Stendal alle vier Wochen die längst vergangenen Sportler-Tage Revue passieren. Mit dabei ist auch immer Horst Pieke (Zweiter v.r.). Foto: Pohlmann

Die zwölf Frauen, die sich seit geraumer Zeit schon im Seniorenalter befinden, treffen sich immer noch regelmäßig alle vier Wochen. Bei Kaffee und Kuchen, gibt es dabei immer noch viel aus der aktiven Zeit zu erzählen und so werden auch so manche Erinnerungen aufgefrischt oder persönliche Anliegen und Probleme besprochen.

So erfährt der Zuhörer, dass die heute noch agilen Frauen kurz nach den Kriegsjahren in den damaligen Schul- oder Pioniermannschaften erstmalig mit dem Handballsport in Berührung kamen. Später haben sie sich über die B- und A-Jugend-Mannschaften in den Sportgemeinschaften Einheit und Lok Stendal dann zu einer Frauenmannschaft zusammengeschlossen, um unter dem Namen Lok Stendal zu spielen.

Unter der Führung des Sektionsleiters Werner Möhring und solchen Trainern wie Adolf „Addi“ Kölsch, Hans Rieke, Herbert Gülle, Hans Leske oder Franz Dümmer erinnerten sich die Damen an den oft abenteuerlichen Trainings- und Spielbetrieb beziehungsweise an die primitiven Anreise-Varianten, was ihnen mit Blick auf die heutigen, doch etwas verwöhnten Sportler, ein Lächeln entlockt.

Da in den Nachkriegsjahren überwiegend Großfeld-Handball gespielt wurde, erinnern sich die ehemaligen Aktiven, wie sie auf ihren Heimplätzen, dem heutigen Windhundrennplatz an der Haferbreite und dem jetzigen BSC-Platz an der Osterburger Straße, oft unter schlechten Bodenverhältnissen Konditionsschwächen überwinden mussten, sich im Holzschuppen umzogen, den Schweiß unter einer Pumpe abwuschen und anschließend eine Brause in der angrenzenden Gaststätte tranken.

Hallenhandball zur Überbrückung

„Der Hallenhandball, wie er heute gespielt wird, diente damals zur Überbrückung der Wintermonate. Da die Stendaler Halle nicht den Normen entsprach, mussten wir unsere Heimspiele stets in Schwerin austragen, was uns zwar keine Fahrtkosten bescherte, weil wir vom Patenbetrieb, dem RAW Stendal, Freifahrtscheine erhielten, aber stets eine zeitliche Belastung darstellte“, weiß Uschi Pohl zu berichten, die mit (Molli) Christa Dames, zu den erfolgreichsten Torschützinnen in der Mannschaft gehörte.

„Etliche von uns waren verheiratet und hatten Kinder. Die Frau von Franz Dümmer übernahm deshalb oft die Kinderbetreuung. Aus diesen zeitlichen-und familiären Gründen wurde das Training oft in den Abendstunden durchgeführt“, erzählt sie. „Trotz dieser Schwierigkeiten spielten wir mehrere Jahre in der DDR- und Bezirksliga und erreichten gute Platzierungen. Schließlich waren wir ein verschworener Haufen und Kämpfer-Naturen“, ergänzte die ehemalige Torhüterin, Heidi Kämpfer. Die Frauenrunde bestätigte aber auch, dass trotz der rasanten Spiele keine ernsthaften Verletzungen zu beklagen waren. „Nur unsere BHs hielten den gegnerischen Attacken nicht immer stand“, was natürlich wieder Heiterkeit auslöste.

Nachhaltigen Eindruck haben zum Beispiel die Spiele in Magdeburg auf neuartigem Bodenbelag und die Turniere in Polen, Bulgarien sowie der damaligen CSSR hinterlassen.

80 Mark aus Begeisterung

„Als wir gegen die bulgarische Mannschaft Plovdiv gewannen, war der RAW-Werksleiter so begeistert, dass er uns eine Prämie in Höhe von 80 Mark zahlte. Zur Frauenrunde gehört seit Jahren auch Horst Pieke. Der ehemalige Handballer aus der Lok-Männermannschaft hat nach seinem Training immer noch den Weg zu den Handball-Damen gefunden, dort noch mittrainiert beziehungsweise – sofern erforderlich – das Training durchgeführt. Dieser Kontakt ist bis heute nicht abgebrochen. „Er ist inzwischen bei uns der Leithammel geworden, denn nach Beendigung unserer aktiven Zeit kümmerte er sich um Kegelabende und organisiert die Radtouren, die wir immer noch alle vier Wochen durchführen, so dass die freundschaftlichen Beziehungen und gemeinschaftlichen Aktivitäten uns zu einer kleinen Familie zusammengeschweißt haben“, so die Damen einhellig.

„Das ist das Erfreulichste, dass wir praktisch eine Mannschaft geblieben sind, was in der heutigen Profisport-Szene kaum noch zu beobachten ist. Traurig stimmt uns natürlich, dass der Frauenhandball in Stendal nicht mehr existiert und somit ein Stück Sportgeschichte und Tradition verloren gegangen ist“, war die Meinung in der Runde. Doch die ehemaligen Stendaler Handball-Damen pflegen auch weiter ihre Tradition, so dass der Frauenhandball in der Kreisstadt doch noch irgendwie existent ist.

Von Klaus Pohlmann

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