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Die TrIKot-Wäscher – Serie mit den Zeugwarten der Region: Karin und Wolfram Thielemann

Trommelwirbel im Takt des FC Brome

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Brome. Als ich das Reich von Karin Thielemann . betrete, bleibe ich erst einmal staunend in der Türschwelle stehen.

Karin Thielemann in ihrer Schatzkammer: Im Haus der treuen TrIKotwäscherin vom FC Brome lagern Fußball-Utensilien aus mehreren Jahrzehnten. Foto: Barrenscheen

Karin Thielemann in ihrer Schatzkammer: Im Haus der treuen TrIKotwäscherin vom FC Brome lagern Fußball-Utensilien aus mehreren Jahrzehnten. Foto: Barrenscheen

Trikots, Stutzen, Hosen, Bälle, praktisch Ausrüstung von A bis Z aus mehreren Jahrzehnten stapelt sich in Reih und Glied auf einem gut und gerne sieben Meter breiten und mannshohen Regal. Mir wird sofort klar: Das ist nicht nur ein Kellerraum. Das ist eine fußballerische Fundgrube. Eine Schatzkammer!.

Und das größte Juwel in diesem Königreich für Kicker ist TrIKotwäscherin Karin Thielemann. Selbstlos, bescheiden, bodenständig, genauso wie ihr Ehemann Wolfram. Und mit Gold nicht aufzuwiegen für den FC Brome. Was im Grunde auf den kompletten Clan zutrifft. Wäre der Club eine GmbH – der Name der Firma könnte Thielemann und Söhne heißen... Ein Familien-Unternehmen. „Die ganzen Thielemanns sind alle eingebunden – Mama und Papa wachen über alles“, lacht der Vereins-Vorsitzende Dieter Kille, gleichermaßen auch eng befreundet mit den guten Seelen des FCB.

Oberhaupt Wolfram engagiert sich seit über 20 Jahren im Vorstand – derzeit als Jugendwart des Gesamtvereins. Seit mehr als einer Dekade kümmert er sich zudem um das Sportheim und leibliche Wohl der Zuschauer. Immer an seiner Seite Ehefrau Karin. Sie wurde 1996 mit dem Einstieg des ältestes Sohnes Thomas als Fußball-Spartenleiter praktisch gleich mitgewählt. Der zweite Filius Thorsten trainiert die Kreisliga-Elf, der jüngste Spross Tobias fungiert als Geschäftsführer. „Das ist automatisch so gekommen“, sagt Mutter Karin in gewohnter Zurückhaltung.

Seither sorgt sie dafür, dass die erste und zweite Herrenmannschaft stets in feinem Zwirn auflaufen. Und weil aller dreckigen Dinge drei sind, übernahm sie vor wenigen Jahren auch noch das Outfit der Bromer Altherren. Und damit ihre schwierigste Aufgabe. „Die Trikots sind weiß – schön...“, ist Karin Thielemann von der schmutzempfindlichen Farbwahl der Oldies nicht unbedingt begeistert. Aber was soll’s!? Es gibt ja schließlich moderne Mittel! Im Laufe der Zeit hat die Sauberfrau des FC Brome sich durch die Ladenregale probiert und die passenden Pulver und Sprays ausbaldowert. So viel sei gesagt zur Herkunft: Die gerade erst abgewendete Insolvenz einer großen deutschen Drogerie-Kette kommt dem Thielemannschen Trikot-Monopol ganz gelegen...

Dieser Tage geht es für die gute Fee des FCB etwas ruhiger zu. Winterpause. In der Saisonphase wird es immer wieder sonntags aber hektisch. Wolfram Thielemann steht an Heimspieltagen ab 8 Uhr morgens im Sportheim an der Steimker Straße. Die erste Kaffeerutsche für die Altherren.

Derweil verbreitet daheim der frisch gebackene Kuchen von Karin einen herrlichen Duft. „Einige kommen sogar extra nur vorbei, um welchen mitzunehmen“, berichtet die Hobby-Konditorin stolz.

Mit den süßen Leckereien im Gepäck geht’s dann Richtung Sportplatz. Und sofort wieder die anderthalb Kilometer zurück nach Hause. Schon mal schnell die erste Ladung von den Altherren in die Trommel feuern. Ist die Luke zu, macht Karin Thielemann wieder auf dem Absatz kehrt. Die Fans wollen schließlich bewirtet werden. Von den Spielen selbst bekommt sie fast nichts mit hinter der Theke. „Zeit zum Zugucken habe ich nicht.“ Hat die Rentnerin kurz mal Luft, gönnt sie sich nicht etwa eine Atempause. „Ich fahre dann schnell nach Hause und schiebe die nächste Maschine rein.“ Der Kreislauf zwischen dem ersten und zweiten Domizil des dynamischen Duos wiederholt sich. Ein Rotationsprinzip wie einst unter Ottmar Hitzfeld bei Bayern München. „Das System hat sich eingespielt.“

Am Abend wird die erste Herren dann noch mit einem Essen, gesponsert vom Förderkreis, verwöhnt. Und die dritte Halbzeit kann sich hinziehen. Für Karin Thielemann ist der schier endlose Tag aber selbst dann noch nicht vorbei. Der (Wäsche-)Berg ruft! „Ich kann das nicht liegen lassen, sonst wird’s muffig. Alles muss frisch weggewaschen werden.“ Hosen, Trikots, Stutzen – alles fein säuberlich getrennt. Neun Ladungen insgesamt!

Dafür schlägt sich Karin Thielemann die Nacht um die Ohren. Einen Wecker stelle sie sich nicht, schmunzelt die Bromerin. Die innere Uhr weckt sie von allein. Meistens jedenfalls. „Wenn nicht, dann ärgere ich mich.“ Eine TrIKotwäscherin mit Leib und Seele! Davor zieht auch ihr Mann den Hut: „Oft hängt morgens um 8 Uhr alles fertig auf der Leine.“ Und liegt schlussendlich aufsteigend nach Nummern sortiert wieder im Koffer. „Da bin ich eitel. Was ich mache, mache ich ordentlich.“ Keine Flecken im Flecken Brome. Die FC-Fußballer müssen nur noch zugreifen und danken es ihr mit Blumen oder anderen Aufmerksamkeiten.

Einst legte die 68-Jährige eine Nachtschicht der außergewöhnlichen Art ein, plauderte FCB-Chef Dieter Kille buchstäblich aus dem Nähkästchen. Am Abend vor einem Spiel sprang plötzlich ein Sponsor ab und untersagte dem Verein, die Trikots mit seiner Werbung weiterhin zu tragen. „Es war aber der einzige Satz, der verfügbar war“, erinnert sich Kille. Karin Thielemann, günstigerweise Näherin von Beruf, übernähte kurzerhand bei jedem Dress den Schriftzug mit einem schwarzen Rechteck. Gewusst wie...

Ihr Gatte Wolfram selbst ist Montagfrüh übrigens weißgott auch nicht untätig. Spätestens um 9.30 Uhr ist das Sportheim wieder blitzeblank, die Spuren des turbulenten Sonntags beseitigt. Schließlich wartet das traditionelle Frühstück im Kreise der Liebsten. „Alles wird von ihnen gehegt und gepflegt“, unterstreicht Kille.

Auf die Thielemanns ist Verlass wie auf ein Schweizer Uhrwerk: Jeden Tag (!) steht das Sportheim für Sportler und Gäste ab 17 Uhr offen. Das hält fit und jung, meint Karin Thielemann. Auf die Frage, wie lange sie ihre Schatzkammer wohl noch hütet, antwortet die ehemalige Mitarbeiterin des Michaelisheims: „Bis ich sage, ich will nicht mehr.“ Solange schlägt ihr Trommelwirbel weiter im Takt des FC Brome.

Von Ingo Barrenscheen

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