Wasserfälle und wilde Tiere: Simbabwe

+
Die gewaltigen Wassermassen des Sambesi-Flusses stürzen in die Schlucht, durch die Gischt entsteht ein Regenbogen. Die Victoriafälle sind das beliebteste Reiseziel in Simbabwe.

Wasserfälle, mittelalterliche Ruinenstätten und viele wilde Tiere - Simbabwe hat einiges zu bieten. Doch das Land hat vor allem wegen der politischen Lage ein schlechtes Image.

Auf der Bogenbrücke an den Victoriafällen

Die Händler auf der Livingstone Bridge an der Grenze zu Sambia lächeln freundlich in die Mittagssonne. In ihren Händen halten sie dicke Bündel mit Geldscheinen, als Souvenir für die Touristen. Wer sich die bunten Banknoten mit den vielen Nullen anschaut, ahnt, dass etwas falsch gelaufen sein muss in Simbabwe. Hier an den Victoriafällen, in Sichtweite der mächtigen Wasserstürze, betreten Reisende ein Land, das für viele nicht mehr ist als eine düstere Ahnung, ein afrikanisches Schreckgespenst.

Auf der Fahrt von Harare nach Kariba kündigen dunkle Wolken ein Gewitter an. Auch die politischen Perspektiven für Simbabwe sind eher düster, eine Demokratisierung ist nicht in Sicht.

Simbabwe war einmal ein Vorzeigestaat, bis Präsident Robert Mugabe mehr und mehr Macht und Besitz an sich riss. Seit der Enteignung der weißen Farmer ab 1990 stürzte das Land immer tiefer ab. 2008 kollabierte die Währung, eine Hyperinflation machte den Simbabwe-Dollar wertlos. Die aus der Not heraus gebildete Koalitionsregierung blieb brüchig. So kommen die meisten Touristen nur kurz über die Grenze in den Ort Victoria Falls. Das Wasser des viertlängsten Stroms in Afrika stürzt hier über eine 1700 Meter breite Bruchkante in die Tiefe.

Kaum jemand reist ins Landesinnere. Dabei ist das Land für Touristen relativ sicher. Der Minibus fährt noch vor Morgengrauen los, er braucht für die 440 Kilometer nach Bulawayo sieben Stunden. In der Stadt im Zentrum des Landes verschwimmt der Blick auf die instabile politische Lage. Viktorianische Häuser säumen die Straßen, es gibt Shopping-Malls, Internetcafés und Restaurants.

Am Gehweg parken teure Geländewagen aus Europa. Fast schizophren erscheinen einem solche Eindrücke beim Flanieren durch die Straßen - Simbabwe belegt den sechsten Platz auf dem „Failed States Index 2011“ der US-Organisation The Fund For Peace. Das Risiko, dass der Staat zerfällt, ist höher als im Irak.

Die Ruinen der ehemaligen Königsstadt Groß-Simbabwe.

Von Bulawayo aus können Reisende zwei Unesco-Welterbestätten besichtigen: die Ruinen von Khami und die Höhlenmalereien im Matopo-Gebirge, in dem der britische Kolonialpolitiker Cecil John Rhodes begraben liegt. Nach ihm war Süd-Rhodesien benannt, das heutige Simabwe. Auf dem Marktplatz der Stadt klagt eine Händlerin über die desolate wirtschaftliche Situation: „Das hier sind doch die wahren Ruinen von Simbabwe“, sagt sie und spielt auf die bedeutendste archäologische Fundstätte des Landes an, rund 280 Kilometer weiter im Osten nahe der Stadt Masvingo.

Von der Hügelruine von Groß-Simbabwe fällt der Blick auf die große Einfriedung im Tal.

Die sandfarbenen Ruinen von Groß-Simbabwe sind am Nachmittag warm von der Sonne. Eidechsen sitzen auf den Felsen, durch den Eukalyptus und die Muhacha-Bäume mit ihren süßlichen Früchten klettern Affen. In dem Park sind fast keine Touristen unterwegs. Ein Parkwächter döst im Schatten. Die verfallene Stadt, die er bewachen soll, ist mehr als 500 Jahre alt. Bevor die ersten Europäer ins heutige Simbabwe kamen, existierte dort bereits das mächtige Mutapa-Reich.

Groß-Simbabwe war Hauptstadt und Sitz seiner Könige. Ein Pfad führt nun hinauf zur Burgruine, von der man auf die große Einfriedung und die Hügelruine sehen kann. Die Erbauer schichteten die Granitblöcke ohne Mörtel aufeinander. Am Abend fällt der Blick von Groß-Simbabwe über die Ebene. Die untergehende Sonne verpasst den Konturen der Landschaft einen warmen Rotstich. Stille liegt über dem Land, nur ein leichter Wind geht.

Vor den Anwesen am Ufer des Kariba-Stausees haben sich im Wasser einige Nilpferde versammelt. Manchmal kommen die Tiere bis dicht an die Häuser heran.

Am Kariba-Stausee, der letzten Reisestation, liegt abends noch die tropisch-heiße Luft des Tages über der kleinen Buschbar direkt am Ufer. Stacey und Dale, zwei Simbabwer, bieten eine Bleibe für die Nacht an. Von der Veranda ihres Hauses fällt der Blick auf den schwarzen See. Plötzlich ist da ein Schnauben im Garten - ein Nilpferd bewegt sich im Schatten und trabt fort in die Dunkelheit. „Hippos töten mehr Menschen als Krokodile“, erzählt Dale. Erst spät in der Nacht schließt er ab und sperrt die Geräusche der Nacht aus.

Der Überlandbus von Masvingo nach Harare transportiert einige Möbel auf dem Dach. Die Versorgung außerhalb der großen Städte ist in Simbabwe eher dürftig.

Am nächsten Morgen geht es mit den Gästen noch einmal mit einem Motorboot auf den See. Elefanten, Zebras und Giraffen grasen am Ufer. Nilpferde gucken aus dem Wasser, manchmal auch ein Krokodilpanzer. Kariba liegt an der Grenze, der Abschied ist nicht ohne Wehmut. Viele in Simbabwe wären froh, wenn der Despot Mugabe endlich verschwindet, aus der Politik und aus den Köpfen der Menschen im Westen. Doch die Zukunft ist unsicher: Simbabwe ist ein Land im Dämmerzustand. Noch ist nicht klar, ob es bald hell wird oder sich endgültig verfinstert.

Von Philipp Laage, dpa

DIE REISE-INFOS ZU SIMBABWE

ANREISE: Ethiopian Airlines fliegt von Frankfurt mit einem Zwischenstopp nach Harare. Visa gibt es bei der Einreise am Flughafen.

REISEZEIT: Am besten sind April und Mai oder August bis Oktober. In diesen Monaten ist es angenehm warm und trocken.

GESUNDHEIT: Empfohlene Reiseimpfungen sind Hepatitis A und Typhus, bei längerem Aufenthalt auch Hepatitis B, Meningokokken (ACWY) und Tollwut. Malaria-Prophylaxe ist ratsam.

GELD: In Simbabwe wird seit der Hyperinflation mit US-Dollar und südafrikanischen Rand gezahlt. Ausreichend Bargeld ist empfehlenswert, teils werden auch Kreditkarten akzeptiert.

Kommentare