Radurlaub mit Kraftverstärker

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Unterwegs auf dem E-Bike: Tourismus-Experte Franz Gerstmayr (58) hat es für uns ausprobiert.

Urlaub mit dem Radl – zweifelsohne eine gute, eine runde Sache für Körper, Seele und Entspannung. Aber wer nicht laufend trainiert und entsprechend Schmalz und Muckis hat...

...der kann dabei schnell an seine Grenzen stoßen. Es sei denn, er radelt mit eingebautem Kraftverstärker – auf dem E-Bike. Tourismus-Experte Franz Gerstmayr (58) hat es für uns ausprobiert. Der Bericht eines Erstversuchs:

Es sei denn, er radelt mit eingebautem Kraftverstärker – auf dem E-Bike. Tourismus-Experte Franz Gerstmayr (58) hat es für uns ausprobiert. Der Bericht eines Erstversuchs:

Im vergangenen September war ich mit meiner Frau auf Rügen im Urlaub. Am zweiten Urlaubstag haben wir uns vom Hotel in Sellin ganz normale Tourenräder gemietet und sind auf gut ausgebauten Radwegen zum Schloss Granitz gefahren.

SCHNUPPERTRIP MIT DEM E-BIKE

Einen Tagestrip mit dem E-Bike im Berchtesgadener Land kann man am 16. April mit Geldhauser Busreisen erleben.

Preis mit Busanfahrt: zehn Euro. Buchung: Tel. 089/220861.

In diesem kupierten Gelände mit vielen kleinen, aber anstrengenden Anstiegen haben wir uns trotz 7-Gang-Schaltung fürchterlich „geplagt“. O-Ton meiner 55 Lenze jungen Frau: „Mit diesem Rad fahre ich keinen Meter weiter!“ Den Rückweg von Binz nach Sellin haben wir dann erholsam mit der Dampfbahn „Rasender Roland“ zurückgelegt. Das Thema Radeln auf Rügen sollte damit aber nicht zu den Akten gelegt sein. Im Hafenstädtchen Sassnitz haben wir uns am nächsten Tag zwei Elektroräder gemietet. Die erste Fahrt mit einem Elektrofahrrad! Nach einer kurzen Einweisung ging es los, bergauf, bergab, ohne jegliche Anstrengung. Wir sind damit zum Königsstuhl und zu den Kreidefelsen und weiter nach Lohme gefahren. Hatten beide einen Riesenspaß mit der „anderen Art“ der Fortbewegung.

Strammer Gegenwind ein Genuss

In Lohme, direkt an der Ostsee, haben wir eine vorzügliche Fischsuppe gegessen und sind dann den langen Anstieg – bei strammem Gegenwind – Richtung Königsstuhl zurückgefahren. Ich muss zugeben: Ich war am Anfang zu stolz, auf die elektrische Unterstützung zurückzugreifen und bin meist ganz normal ohne Zuschaltung gefahren, teilweise nur mit der untersten Stufe „Eco“. Es musste einfach so auch gehen, dachte ich. Als meine Frau mich dann ganz locker überholte, weil sie mit „a bisserl Kraft“ in die Pedale getreten ist, und die zweite Stufe „Standard“ zugeschaltet hatte und mit einem triumphierenden Jubelschrei an mir vorbeizog, da war Schluss mit lustig. Nicht mal Windschattenfahren war möglich, da der Abstand zu groß wurde.

Bei zirka 12 bis 15 Prozent Steigung und mit einer kräftigen Brise, die mir ins Gesicht blies, kapitulierte ich und betätigte die elektronische Unterstützung. In Sassnitz fiel für uns beide die Entscheidung: So ein Elektrofahrrad muss her! Und da sind wir nicht mehr die Einzigen, die das inzwischen so sehen. Mein Freund Raimund Funnemann lebt seit 1987 in der Toskana und betreut dort Studienreisen. Er kennt sich zudem mit Flora und Fauna aus, und vor allem hat er sich zu einem echten Kenner der toskanischen Küche und der (Wein-)Keller entwickelt, was offensichtlich ist.

Die Top 10 Reiseziele für Weinfreunde

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Genussmensch Raimund (63) bringt sicher so seine 100 Kilo auf die Waage. Als ich ihn im Oktober besuchte, forderte er mich auf: „Zeig mir diese neuen Räder, ich muss das probieren!“ Also packte ich zwei Elektroräder in einen VW-Bus und fuhr zu ihm nach Vinci und Montecatini. Am ersten Tag fuhren wir ganz locker auf der hügeligen Via Francigena nach San Gimignano, der Stadt der Geschlechtertürme, und in die Alabasterstadt Volterra. Ein typischer Pranzo, ein Mittagstisch in einem Agriturismo, durfte nicht fehlen. Am Samstag fuhren wir ab Vinci, dem Geburtsort von Leonardo da Vinci, auf der Strada del Vino e Olio in die Höhenzüge des Montalbano. Selbst im unwegsamen Gelände ließen uns die Elektroräder nicht im Stich. Als wir gerade auf einer wunderschönen Teerstrecke durch unendliche Olivenhaine auf eine Nebenstraße einbogen, fuhr eine Gruppe Rennradfahrer an uns vorbei. Da ritt mich der Übermut: „Raimund, die pack ich!“

Und schon trat ich mit voller Kraft in die Pedale, schaltete auf „High“ und zog bei einer Steigung von mindestens sieben Prozent an der Gruppe vorbei. Die trainierten Rennradler trauten ihren Augen nicht, eine Fata Morgana? Sie fuhren einige hundert Meter in meinem Windschatten, bis mich die Kraft verließ. Wir hielten dann an, sie beäugten mich ungläubig, bis ich ihnen erklärte, dass ich elektrisch unterstützt fuhr. „Incredibile!“, riefen sie. Ich denke, da legen sich einige von denen bald so ein Elektrofahrrad zu.

Gardasee und Kärnten: Leserreisen mit dem E-Bike

Im Mai geht es an den Gardasee

Zusammen mit unseren Lesern wollen wir das Urlaubserlebnis E-Bike in diesem Sommer auf zwei Reisen testen. Vom 22. bis 25. Mai geht es auf eine viertägige aktive Genussreise an den Gardasee. Wir fahren mit den Elektrorädern auf dem gut ausgebauten Radweg entlang der Etsch bis nach Arco, dem Ausgangspunkt der Touren für die nächsten Tage, bei denen unter anderem der Ledro- und der Tennosee und ein Besuch in Riva am Gardasee mit Eisessen in der berühmten Gelateria Flora auf dem Programm stehen. Geradelt wird auf gut befahrbaren Schotterwegen, neuen Radtrassen und auf Nebenstraßen.

Gardasee - Leserreise mit dem E-Bike

Kärntner Seen: Leserreise mit dem E-Bike

Mit Anreise im Erste-Klasse-Reisebus, drei Übernachtungen mit Frühstücksbüffet im historischen Zentrum von Arco (Drei-Sterne-Hotel), zwei Abendessen im Hotel und einem Dinner in einem italienischen Spezialitätenlokal, drei Mittagessen in landestypischen Restaurants auf der Strecke, Weinprobe und Eisessen sowie den geführten Touren mit den E-Bikes (die im Anhänger mitgeführt werden) kostet die Reise 699 Euro im Doppelzimmer und 759 im Einzelzimmer.

Mit dem E-Bike rund um die malerischen Kärntner Seen

Ende August steht Kärnten auf dem Programm.

Vom 28. August bis 2. September geht es dann sechs Tage lang mit den Elektrofahrrädern rund um die malerischen Kärntner Seen: Faaker See, Ossiacher See, Pressegger See, Wörthersee und auf dem Radweg entlang der Drau. Ausgangspunkt der Touren ist Warmbad Villach (Übernachtung im Vier-Sterne-Hotel mit Halbpension), besucht werden auch die Städte Hermagor, Spital, Villach und Velden. Inklusive Mittagessen, täglich geführten Touren mit dem E-Bike, Anreise im First-Class-Fernreisebus und Taxiservice kostet die Reise 999 Euro im Doppel- und 1085 Euro im Einzelzimmer.

Gebucht werden können beide Leserreisen direkt beim Veranstalter Geldhauser Busreisen in München unter Tel. 089/220861, Infos auch online unter www.merkur-online.de/leserreisen.

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