Wo Frauen am besten für faires Geld arbeiten können

Strategien für gleichen Lohn

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Gut ausgebildet und trotzdem abgehängt: Frauen verdienen im Schnitt immer noch rund ein Viertel weniger als Männer.

Nürnberg – Fast ein Viertel! So viel weniger verdienen Frauen im Vergleich zu Männern. Genau 23,2 Prozent macht der Gehaltsunterschied im Schnitt aus, wie das Statistische Bundesamt für das Jahr 2008 errechnet hat.

Bei Kollegen gleichen Alters und gleicher Qualifikation bekommen Männer immer noch 12 Prozent mehr als Frauen, ergab eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Auf diese Ungerechtigkeit soll der Equal Pay Day am 23. März hinweisen. Untersuchungen zeigen, dass sich der „Gender Pay Gap“ von Branche zu Branche, Region zu Region und Firma zu Firma unterscheidet. Welcher Job bietet die beste Chance einer guten und vor allem gleichwertigen Bezahlung? Ein Überblick:

  • Männerberufe: In Männerberufen gibt es im Schnitt mehr Geld. Liegt der Frauenanteil bei mehr als 60 Prozent, verdienen Beschäftigte 27 Prozent weniger als in männlich dominierten Branchen, ergab eine Analyse des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Als Frau einen Männerberuf zu wählen, hilft aber nicht unbedingt. „In männerdominierten Bereichen haben es Frauen häufig schwerer, weil es ihnen gegenüber Vorbehalte gibt“, erklärt Hermann Gartner vom IAB.
    So waren Ingenieurinnen 2007 trotz des Fachkräftemangels doppelt so häufig arbeitslos wie Ingenieure. Und sie verdienen im Schnitt rund 17 Prozent weniger als Männer, ergab eine Online- Umfrage der Hans-Böckler- Stiftung, an der sich rund 7000 Ingenieure beteiligten.
  • Großunternehmen: Große Betriebe zahlen besser als mittlere und die wiederum besser als kleine, stellt der 1. Gender-Datenreport der Bundesregierung fest. Frauen sind aber eher in kleinen und mittleren Firmen beschäftigt. Das ist ungünstig, denn gerade in Großbetrieben falle der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen besonders gering aus, erklärt Bettina Hieming vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg- Essen. Demnach wäre es schlau, sich in großen Unternehmen zu bewerben. Der Haken: Dort sitzen Frauen seltener in Führungspositionen, sagt Hieming.
  • Betriebliche Mitbestimmung und Tarif: „Wo es eine betriebliche Mitbestimmung gibt, sind die Lohnunterschiede geringer“, sagt Gartner. Und von einem Betriebsrat profitierten untere Gehaltsgruppen besonders – in ihnen arbeiten vor allem Frauen. Tarifverträge schützten nicht zwangsläufig vor Diskriminierungen, sagt Hieming. Auch in ihnen komme es zu unterschiedlichen Bewertungen von Arbeit.
  • Moderne Firmen: Es gibt Betriebe, die sich Gleichstellung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf die Fahne geschrieben haben. „Ich denke, dass dort die Bezahlung gleichwertiger ist“, sagt Waltraud Cornelißen vom Deutschen Jugendinstitut in München, Herausgeberin des Gender-Datenreports. Auch in Firmen mit modernen Organisationsstrukturen wie flexiblen Arbeitszeiten gibt es laut Hieming weniger Strukturen, die Ungleichheit schaffen.
  • Stadt: In Städten sind die Lohnunterschiede geringer als auf dem Land, ergab eine IAB-Studie. Demnach verdienen Frauen in ländlichen Gebieten bei gleicher Ausbildung, Berufserfahrung und Betriebszugehörigkeit in ähnlich großen Betrieben rund 25 Prozent weniger als Männer. In Großstädten betrug die Differenz 15 Prozent.

CARINA FREY

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