Experten zum Thema Kinderwunsch

Unfruchtbar: Oft liegt es am Mann

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Intensive Beratung zum Thema Schwangerschaft und Kinderwunsch: Angela Rieser, Dr. Olaf Drost und Prof. Taylan Öney (v.l.n.r.) informierten unsere Leser, Sylvia Drost assistierte am Laptop.

Will sich der Kinderwunsch nicht einstellen, ist der Gang zum Facharzt unumgänglich. Beim Gynäkologen oder Urologen lassen sich mögliche Ursachen einer Unfruchtbarkeit ermitteln. Unsere Experten erklären.

Anders als noch vor einigen Jahren ist die Reproduktionsmedizin heute in der Lage, auch in vermeintlich aussichtslosen Fällen eine Schwangerschaft einzuleiten.

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Die Experten unserer Gesundheitssprechstunde erklären unseren Lesern die unterschiedlichen Methoden auf. Dr. Olaf Drost, Leiter des Bremer Zentrums für Fortpflanzungsmedizin am Diako, Prof. Taylan Öney, Leitender Arzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Bremer Klinikum Links der Weser, sowie die niedergelassene Hebamme Angela Rieser aus Riede hatten eine überschaubare Anzahl an Fragen zu beantworten.

Frau P. erkundigt sich nach dem richtigen Zeitpunkt, zur Entbindung in die Klinik zu fahren.

Angela Rieser: Bei Frauen, deren Wohnsitz sich in größerer Distanz zum nächstgelegenen Geburts- oder Krankenhaus befindet, sollte die Frau bei Blasensprung, regelmäßigen Wehen, Blutungen oder Ängsten den Kontakt zur Hebamme bzw. zur Klinik herstellen.

Frau M. fragt: Wann kann ich zur Hebamme gehen?

Angela Rieser informiert über die Tätigkeiten einer Hebamme.

Angela Rieser: Liegt der Verdacht auf Schwangerschaft vor oder wird eine Schwangerschaft festgestellt, kann die Frau jederzeit Kontakt zur Hebamme herstellen. Diese kann den Mutterpass ausfüllen, Blut entnehmen und Abstriche sowie Vorsorgeuntersuchungen in regelmäßigen Abständen von vier Wochen vornehmen. Bei Bedarf wird die Hebamme einen Arzt empfehlen, der die vorgeschriebenen oder angeratenen Ultraschalluntersuchungen in der 10., 20. und 30. Woche durchführen kann.

Frau K. fragt, welche Möglichkeiten bestehen, wenn ein Arzt der Patientin bei Schwangerschaftsbeschwerden nicht weiterhelfen kann.

Mehr Informationen finden Sie bei:

Wunschkind e.V.

Schwanger.info

Angela Rieser: Die Schwangere sollte sich in diesem Fall entweder einen anderen Arzt suchen oder zur Hebamme gehen. Gegebenenfalls kann diese mit Akupunktur, Homöopathie oder anderen Alternativmethoden die Schwangerschaftsbeschwerden erleichtern. Meistens werden diese Maßnahmen von der Kasse ganz oder teilweise übernommen. In Gesprächen kann die Hebamme helfen, Ängste abzubauen.

Frau B. (29) berichtet von einer Testikulären Spermienextraktion (TESE) mit anschließender Intracytoplasmatischen Spermieneinjektion (ICSI). Dabei handelt es sich um eine Variante, bei der aus dem Hoden des Mannes Spermien gewonnen werden. Das ist insbesondere dann erforderlich, wenn im Samenerguss keine Spermien vorhanden sind. Die Patientin hat die ICSI in Oldenburg vornehmen lassen. Nach ihrer Aussage wurden zwei Injektionen in guter Qualität transferiert, eine Schwangerschaft ist aber nicht eingetreten. Nun fragt sie, ob es sich lohnt, einen erneuten Versuch zu unternehmen.

Besonders gefragt war am Donnerstagabend Dr. Olaf Drost, Experte für Reproduktionsmedizin.

Dr. Drost: Ich habe mich mit Frau B. zunächst einmal darüber unterhalten, ob alle diagnostischen Maßnahmen ausgeschöpft worden sind. Wichtig ist etwa, dass die Gebärmutterhöhe mit einer Hysteroskopie (Gebärmutterspiegelung) abgeklärt worden ist. Weil diese Maßnahmen bei Frau B. getroffen wurden, kann man ihr dazu raten, einen weiteren Versuch zu wagen.
Frau R. hat schon mehrfach den Versuch einer künstlichen Befruchtung unternommen. Auch bei ihr handelte es sich dabei um eine ICSI. Jetzt leidet sie unter wiederkehrenden Infektionen, nicht nur in der Scheide, sondern auch in der Haut.

Dr. Drost: Ich habe Frau R. darüber aufgeklärt, dass es sich bei diesen Infektionen nicht nur um ein gynäkologisches Problem handeln muss. Zur Diagnosestellung sollte im vorliegenden Fall der Hausarzt einbezogen werden, darüber hinaus auch ein Internist. Anschließend sollte sie eine weitere ICSI-Behandlung beginnen.

Herr S. berichtet von mehrfachen Fehlgeburten seiner Frau. Eine ICSI habe bei ihr zwar zu einer Schwangerschaft geführt. Das Kind sei jedoch zu früh auf die Welt gekommen, Hirnblutungen erlitten und sei schließlich verstorben. Nun fragt Herr S., ob sich ein erneuter Versuch mit der ICSI-Methode lohnt.

Dr. Drost: Hier kommt es natürlich entscheidend auf die psychische Situation des Paares an: Die von Herrn S. beschriebenen schweren Schicksalsschläge gilt es erst einmal zu verarbeiten. Bevor ein erneuter ICSI-Versuch erfolgt, muss die Patientin psychische Stabilität wiedererlangen.

Lesen Sie hier Teil 2 der Fragen und Antworten zum Kinderwunsch.

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