Lebensmittelunverträglichkeiten heute – von Gluten, Laktose, Fruktose und Co.

+
Magenschmerzen, Durchfall und Luft im Bauch? Schuld daran können Lebensmittelunverträglichkeiten sein.

In den vergangenen Jahren haben viele Menschen begonnen, sich gesünder zu ernähren. Verbraucher greifen verstärkt zu unbelasteten Produkten, ernähren sich vegetarisch oder setzen sich für nachhaltig produzierte Lebensmittel ein.

Trotz allem steigt die Anzahl der sogenannten Zivilisationskrankheiten jedoch stetig an. Insbesondere Lebensmittelunverträglichkeiten sind in den letzten Monaten und Jahren immer stärker in den Fokus gerückt. Für Mediziner stellen sie ein langwieriges Problem dar, denn meist kann eine solche Unverträglichkeit nur mit einem radikalen Lebenswandel und einer abgestimmten Therapie bekämpft werden – wenn überhaupt. Mittlerweile scheint die Lebensmittelindustrie jedoch wirksame Gegenmaßnahmen entwickelt zu haben und zwar in Form von Lebensmitteln, die auf kritische Bestandteile wie Fruktose, Lactose oder Gluten vollkommen verzichten und dem Verbraucher damit Genuss ohne Nebenwirkungen versprechen.

So entstehen Lebensmittelunverträglichkeiten

Lebensmittelunverträglichkeiten sind heutzutage immer häufiger vertreten, sie machen sich beispielsweise dadurch bemerkbar, dass der Betroffene Durchfall, Blähungen oder ein Völlegefühl hat. Nahezu jeder Dritte in Deutschland soll von einer solchen Unverträglichkeit betroffen sein, bei der der Körper schlicht überfordert ist und bestimmte Stoffe nicht vernünftig verdauen kann.

  • Unterschied zwischen Lebensmittelallergie und -unverträglichkeit. Oft werden die Begriffe Lebensmittelallergie und Lebensmittelunverträglichkeit durcheinandergeworfen oder gleichgesetzt. Dem ist aber nicht so, denn eine tatsächliche Lebensmitteallergie haben laut der Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. lediglich knapp 6 Millionen Menschen in Deutschland. Bei Unverträglichkeiten sind hingegen rund 20 Millionen Menschen betroffen.
  • Eine Allergie äußert sich meist deutlich ernster, denn hier bilden sich durch die Reaktion auf bestimmte Eiweiße in der Nahrung Allergene. Diese wiederum betrachten das jeweilige Nahrungsmittel als „Feind“ und bilden Abwehrstoffe – es kommt zu unangenehmen Reaktionen wie Kratzen, Jucken, Schwellungen oder Atembeschwerden. Wichtig dabei ist, dass bereits eine sehr geringe Menge ausreichen kann.
  • Bei einer Unverträglichkeit hingegen handelt es sich um eine nicht-allergische Reaktion und kleine Mengen des Nahrungsmittels sind unter Umständen noch genießbar. Im Regelfall entsteht eine solche Unverträglichkeit über einen langen Zeitraum hinweg, Gründe können eine falsche Ernährung, belastende Umwelteinflüsse oder das allgemeine mentale Befinden eines Menschen sein. Auch fehlende Enzyme können eine Unverträglichkeit auslösen, genauso wie großer Ekel und Widerwillen. Mitunter sind derartige Unverträglichkeiten jedoch schwer herauszufinden, bei Unsicherheiten macht daher die fundierte Diagnose beim Allergologen Sinn

Die bekanntesten Unverträglichkeiten im Überblick

Die wohl bekanntesten Formen von Lebensmittelunverträglichkeiten hängen mit Fruchtzucker (Fruktose) und Milchzucker (Laktose) zusammen. Aber auch glutenhaltige Lebensmittel sorgen bei etlichen Menschen für eine Unverträglichkeit.

  • Laktoseunverträglichkeit: 

    Etwa 15-20 Prozent der Deutschen leiden unter einer Laktoseintoleranz, bei der Milchzucker vom Körper nicht vertragen wird. Grund dafür ist ein Enzymmangel, genauer gesagt handelt es sich um das Enzym Laktase, das den Milchzucker normalerweise im Dünndarm und die daraus entstehenden Zucker verarbeitet. Geschieht dies nicht, so gelangt der Milchzucker hingegen unverdaut in den Dickdarm. Das führt dazu, dass er dort von Bakterien vergoren wird und auf diese Weise Krämpfe, Blähungen oder Durchfall verursacht.

    Diese Form der Unverträglichkeit lässt sich im Alltag schnell ausfindig machen und kann medizinisch belegt werden, indem der Arzt einen Wasserstoff-Atemtest durchführt. Gleichzeitig wird dabei geprüft, wie ausgeprägt der Mangel des benötigten Enzyms ist. Je nachdem müssen Betroffene nicht zwangsläufig komplett auf Milch und Milchprodukte verzichten, sondern können beispielsweise noch Sauermilchprodukte wie Dickmilch und Joghurt verzehren. Auch Hartkäsesorten sind unter Umständen genießbar, da sie generell wenig Milchzucker enthalten. Um den Kalziumbedarf des Körpers dennoch zu decken, bieten sich zudem zahlreiche spezielle Produkte an. Einerseits kann etwa auf Tabletten zurückgegriffen werden (bei einer leichten Unverträglichkeit), andererseits kann aber auch komplett laktosefrei gelebt und gekocht werden. Statt normaler Milch wird dann zu Soja- oder Reismilch gegriffen, zudem sind Milchprodukte mit speziellen Milchsäurebakterien auch für unter Laktoseintoleranz leidende Menschen verdaulich. Wer zu speziellen Lebensmitteln wie laktosefreiem Pudding oder laktosefreiem Quark greift, sollte außerdem wissen, dass auch diese Produkte stets einen geringen Anteil an Milchzucker enthalten.

  • Fruktoseunverträglichkeit: Knapp zwei Drittel aller Kinder und ein Drittel aller Erwachsenen leiden unter einer Fruktoseunverträglichkeit. Dabei kann der aufgenommene Fruchtzucker aufgrund einer Störung der Dünndarmschleimhaut nicht richtig verwertet werden. Bei einer Unverträglichkeit lassen die Wände des Darms zu viele Schadstoffe in den Blutkreislauf, sodass die Funktion des Organs beeinträchtigt wird. Wann genau es dabei zu Beschwerden kommt, ist jedoch von Patient zu Patient unterschiedlich. Zudem kann sich die Empfindlichkeit im Laufe des Lebens ändern – sowohl positiv als auch negativ. Da kein Mensch eine unbegrenzte Menge von Fruktose verdauen kann, tauchen bei großen Mengen Zucker, zum Beispiel einer ganzen Tüte Rosinen, übrigens fast immer Beschwerden auf. Eine Unverträglichkeit ist es aber erst dann, wenn schon kleine Mengen von weniger als 25 Gramm ausreichen. Auch hier kann der Arzt zum Wasserstoff-Atemtest greifen, um die Unverträglichkeit zu überprüfen. Als Therapie bietet sich dann eine mehrwöchige Ernährungstherapie an, bei der zunächst vollkommen auf Fruktose verzichtet wird und die Dosis dann Schritt für Schritt wieder erhöht wird, bis die individuelle Belastungsgrenze des Betroffenen ermittelt ist

  • Glutenverträglichkeit: Nicht zu unterschätzen ist eine vorliegende Glutenunverträglichkeit (auch als Zöliakie bekannt), typischerweise geht sie mit Luft im Bauch und chronischem Durchfall einher. Betroffene können in einem solchen Fall das Klebereiweiß Gluten nicht verdauen, die Reaktion fällt jedoch sehr unterschiedlich aus. Sie lässt sich mittlerweile zuverlässig anhand typischer Antikörper im Blut erkennen. Um die Zöliakie effektiv zu verhandeln, müssen Betroffene ihr Leben lang auf Gluten verzichten, dann verschwinden sämtliche Symptome vollständig. 

Wer auf die Beschwerden einer Glutenunverträglichkeit verzichten möchte, muss nahezu alle Getreidearten von der Speisekarte streichen.

Da es keine Medikamente gibt und die Ernährungsumstellung eine Herausforderung sein kann (denn Gluten ist in den meisten Getreidearten und daher auch vielen Grundnahrungsmitteln vorhanden), gestaltet sich der Verzicht jedoch häufig als schwierig. Besonders kritisch wird es dann, wenn womöglich noch weitere Unverträglichkeiten hinzukommen, den Speiseplan weiter einschränken.

Lebensmittelunverträglichkeiten als Modetrend?

Während Lebensmittelunverträglichkeiten gefühlt immer stärker zunehmen und öfter diagnostiziert werden, so gibt es dennoch keine konkreten Zahlen dieser Entwicklung und Experten beobachten aktuell keinen echten Anstieg der Lebensmittelintoleranzen. Trotzdem greifen immer mehr Menschen zu gluten- und laktosefreien Lebensmitteln. Tatsächlich haben Gluten und Co. mittlerweile sogar den Status erreicht, dass sie als grundsätzlich ungesund gelten und daher freiwillig auf sie verzichtet wird. Ihre vermeintlich negative Wirkung wird durch die Medien und zahlreiche Hersteller weiterhin bekräftigt, wenngleich der Verzicht für den Verbraucher medizinisch betrachtet gar nicht notwendig wäre und daher auch keinen Nutzen hat. Selbst Prominente machen sich diesen Gesundheitstrend zunutze, teilweise setzen Schauspielerinnen wie Gwyneth Paltrow beispielsweise bewusst auf eine glutenfreie Ernährung, um Gewicht zu verlieren. Es handelt sich hier bereits um eine Art Modetrend, letztendlich erfolgt die Abnahme aber auch in diesem Fall ausschließlich durch ein Kaloriendefizit, nicht jedoch durch das fehlende Gluten. Verbraucher sollten sich also darüber im Klaren sein, dass ein Verzicht auf bestimmte Lebensmittel nicht automatisch gesünder ist, vor allem dann nicht, wenn gar keine Lebensmittelunverträglichkeit vorliegt – für alle Betroffenen hingegen stellt das Angebot speziell aufbereiteter Lebensmittel aber durchaus eine große und hilfreiche Erleichterung im Alltag dar.

Kommentare