Das Auto im digitalen Zeitalter

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Autonomes Fahren ist bald keine Zukunftsmusik mehr.

Die technischen Möglichkeiten in der heutigen Zeit schreiten rasant voran. Die digitale Vernetzung nimmt stetig zu und auch autonomes Fahren liegt nicht mehr in allzu weiter Ferne. Die ersten Hersteller planen schon in den nächsten Jahren die ersten autonom fahrenden Autos für ihre Kunden.

Im digitalen Zeitalter ist die Vernetzung allgegenwärtig. Fast jeder verfügt zu Hause über Internet und Smartphone. Ebenso ist es auf der Arbeit mittlerweile undenkbar ohne Internet auszukommen. Die Geschäftskorrespondenz verläuft größtenteils elektronisch und die eigene Unternehmenspräsentation ist auf der Webseite einsehbar. Da scheint es nur als logische Konsequenz, diese Vernetzung auch auf das Auto, als Bindeglied zwischen Büro und Privatleben, auszudehnen.

Dass dies auch die Automobilbranche so sieht, zeigte sich auf der letzten Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt. Dort kündigte Martin Winterkorn an, bis 2020 jedes Auto zum rollenden Smartphone zu machen. Die Zukunft gehört dem, der sein Auto am schnellsten zu einem mobilen Kommunikationsmedium weiterentwickelt. Galten früher Navigationssysteme als fortschrittlich, ist es nun die digitale Vernetzung. Die entsprechenden Systeme ermöglichen dem Nutzer viel weitreichendere Funktionen.

Bei Volkswagen können so Autofahrer mit dem System Car-Net nicht nur zusätzliche Informationen wie aktuelle Lage der Verkehrssituation, oder Hilfe bei der Tankstellensuche finden, sondern auch ihr Smartphone mit dem Infotainment-System verbinden. Dazu bedarf es nur der mit angebotenen Mirror-Link-App. Die eigenen Smartphone-Apps werden so auf das Borddisplays des Autos gespiegelt und sind je nach Modell über Touchscreen oder Drehknöpfe bedienbar. 

Auch anderer Autohersteller verfügen über ähnliche Produkte. Bei Mercedes ist es das „Command-Online“ und BMW vertreibt ein vergleichbares System unter „Connected Drive“. Die Freiheit und die Nutzungsmöglichkeiten sind mit diesen Systemen deutlich angestiegen. So können sich Fahrer während der Fahrt bequem die letzten E-Mails oder SMS vorlesen lassen. Gleichzeitig können Dateien runtergeladen oder versendet oder aktuelle Informationen zur Fahrtstrecke angezeigt werden.

Während heutzutage die meisten Fahrzeuge standardmäßig über integrierte Navigationssysteme verfügen, werden sie zukünftig wohl alle digital vernetzt sein.

Je nach verwendeter Technologie kann es allerdings auch zu Schwierigkeiten beim Surfen kommen. Wird die Verbindung zum Internet im Auto nicht über den integrierten Dienst, sondern über UMTS oder LTE aufgebaut, kann es bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn, wegen der Abschirmung der Fahrzeugkarosserie, zu Verbindungsstörungen führen. Aber es kommen auch aus einer ganz anderen Richtung kritische Stimmen. Walter Niewöhner, von der Prüforganisation Dekra, warnt, dass die Fahrer durch die Internetnutzung vom Fahren abgelenkt werden. Auch wenn von vielen Herstellern eine Sprachsteuerung integriert ist, wir die Ablenkung vielleicht vermindert, aber nicht eliminiert.

Immerhin steuern die Mobilhersteller auch hier bereits gegen, indem sie versuchen die Verkehrssicherheit durch die eingesetzte Technik zu erhöhen. Es existieren bereits jetzt einige ausgeklügelte Sicherheitssysteme wie ein automatisches Abstandshaltesystem, Notbremsassistenten oder Totwinkelassistenten. Diese Notfallsysteme helfen Unfälle zu vermeiden. Allerdings darf das Gefühl, ein sicheres Auto zu fahren, den Fahrer nicht dazu verleiten die Aufmerksamkeit zu stark vom Straßenverkehr auf das eigene Borddisplay zu lenken. 

Geht die Entwicklung weiter in die Richtung, die sich die Automobilhersteller vorstellen, wird die Ablenkung durch integriertes Internet in Zukunft keine allzu große Rolle mehr spielen. Das Zauberwort lautet „autonomes Fahren“. Es gibt sie bereits, die Autos, die ohne Fahrer auskommen. Durch Sensoren und Kameras ist die Bordelektronik in der Lage das Fahrzeug selbstständig zu steuern. Bisher wurden entsprechende Testfahrten nur auf der Autobahn durchgeführt, da die Verkehrsführung dort im Vergleich zum Stadtverkehr recht einfach ist. Es gibt keine Kreuzungen, Ampeln, Zebrastreifen oder Fußgänger, die unvorhergesehen die Straße überqueren. Allerdings möchte laut der Wirtschaftswoche, Verkehrsminister Alexander Dobrindt demnächst die autonom fahrenden Autos auch in Städten testen. Aktuell laufen dazu erste Gespräche mit der Stadt Ingolstadt. 

Erste Prototypen von Mercedes, BMW und Audi gibt es bereits. Volvo plant sogar 2017 erste Testwagen an Kunden herauszugeben. Werden demnächst also die Autofahrten ganz entspannt ablaufen? Einfach ins Auto setzen, Fahrtziel nennen und losfahren? So stellte es sich die Autoindustrie im Idealfall vor. Währenddessen können die Insassen ein Buch lesen, im Internet surfen oder in Ruhe Telefonieren. 

BMW plant mit seiner ersten Serie autonom fahrender Fahrzeuge 2021 an den Start gehen zu können. Allerdings gibt es erst noch einiges an Arbeit zu bewältigen. Die Sicherheit muss bei diesen Projekten höchste Priorität aufweisen. Vor kurzem erst gab es in der USA den ersten tödlichen Unfall einer Person in einem computergesteuerten Auto. Laut Aussage des Elektroautoherstellers Tesla war der Grund, dass das Fahrassistenzsystem einen weißen LKW-Anhänger vor dem hell ausgeleuchteten Himmel nicht oder nicht rechtzeitig erkannt hat. 

Auch wenn die Autos bereits voll mit Sensoren wie Radar, Laser oder Kameras sind, die Auswertung dieser Daten verläuft offensichtlich noch nicht immer optimal. Zusätzlich können schlechte Wetterverhältnisse der Technik die richtige Auswertung erschweren. Fahrbahnmarkierungen sind bei Regen nicht immer optimal zu erkennen und Gegenstände oder Personen, die sich nicht ausreichend von ihrer Umgebung abheben, stellen ebenfalls ein Risiko dar. 

Für einige stellt sich zudem noch die Frage der Haftung. Wer übernimmt die Verantwortung im Fall eines Unfalls? Laut Dr. Alexander Vollert, Vorstandsvorsitzender der Allianz AG, beruhen 90 Prozent der Autounfälle auf menschlichem Fehlverhalten. Er sieht einen Rückgang der Unfallhäufigkeit bei höherem Technikeinsatz voraus. Allerdings wird sich das Risiko auch verlagern, weg von Fehlern durch den Fahrer, hin zu Fehlern in der Entwicklung der Technik. Eine konkrete Antwort zur Übernahme der Haftung geben die Hersteller noch nicht. Nur Volvo gibt an, zukünftig freiwillig die vollständige Haftung zu übernehmen. 

Doch die Visionen der Autohersteller gehen noch weiter: Autos, die mehrere tausend Menschen erkennen und auf diese reagieren können. Die Erkennung geschieht dabei nicht über einen Chip, sondern aufgrund von Merkmalen wie Größe, Gestalt oder Gesichtszüge der jeweiligen Person. Und selbstverständlich fahren diese Autos dann auch autonom. Die nächsten 10 bis 20 Jahre dürften spannend werden. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass autonom fahrende Autos die jetzigen Fahrzeuge verdrängen, so werden sie doch mit hoher Wahrscheinlichkeit demnächst zum Alltagsbild auf unseren Straßen dazugehören.

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