Achtung Raser: Der Blitz-Marathon läuft

+
Heute läuft der Blitz-Marathon der Polizei. Die Beamten sind Rasern auf der Spur. Foto: Martin Schutt

Heute sind Bleifüße im Auto zusätzlich gefährlich: An vielen Orten kann es blitzen. Polizisten nehmen in Deutschland und anderen Ländern Raser ins Visier. Ziel ist mehr Verkehrssicherheit.

Mainz (dpa) - Die Polizei will heute Raser mit dem sogenannten Blitz-Marathon in Deutschland und 21 weiteren europäischen Ländern ausbremsen. 13 000 Beamte kontrollieren allein in Deutschland an mehr als 7000 Stellen, ob Auto- und Motorradfahrer zu schnell sind. Um 6.00 Uhr ging es los.

Das Ziel ist, schwere Verkehrsunfälle zu verhindern. Überhöhte Geschwindigkeit sei die Unfallursache Nummer eins in Deutschland, warnt der Chef der Länder-Innenministerkonferenz, Roger Lewentz (SPD) aus Rheinland-Pfalz. Bundesweit starben im vergangenen Jahr 3350 Menschen bei Verkehrsunfällen, meist wegen zu hoher Geschwindigkeit.

Die Aktion ist die dritte in Deutschland, erstmals sind 21 weitere europäische Länder dabei. Die Kontrollen sollten eigentlich 24 Stunden dauern, enden wegen der Trauerfeier für die Opfer des Germanwings-Absturzes am Freitag (17. April) aber schon um Mitternacht.

Die Polizei Schleswig-Holstein macht wegen des Treffens der G7-Staaten nicht mit, in Bayern dauert die Aktion ein paar Tage länger. Bei der Premiere 2013 erwischte die Polizei in Deutschland rund 83 000 Temposünder, im vergangenen Jahr etwa 93 000.

Über die Wirkung des Blitzmarathons gehen die Meinungen auseinander. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) etwa glaubt, dass Kontrollen jedes halbe Jahr wenig brächten. Für höhere Sicherheit im Verkehr müsse mehr getan werden. Auch die Mehrheit der Bundesbürger erklärte in einer YouGov-Meinungsumfrage: "Am nächsten Tag wird wieder gerast."

Der ADAC hingegen sieht nach eigenen Worten im Blitzmarathon mit vorher angekündigten Orten der Messstationen eine Möglichkeit, das wichtige Thema der Raserei wieder aufs Tapet zu bringen.

Infos der Polizei NRW zum Blitz-Marathon

Geblitzt im Ausland - und nun? Kleinere Tempoverstöße kosten unter Umständen nichts: Bis zu einer Summe von 70 Euro können Autofahrer die Zahlung ablehnen. Darauf weist der Deutsche Anwaltverein (DAV) hin. Neben dem Bußgeld werden allerdings auch Verfahrenskosten berücksichtigt. Sind etwa neben einer Geldbuße von 60 Euro noch 25 Euro Verfahrenskosten fällig, kann vollstreckt werden. In Österreich ist die 70-Euro-Grenze nicht gültig: Wer auf den Straßen des Alpenstaats sündigt, muss schon bei Verstößen ab 25 Euro zahlen.

Fahrzeughalter können ein Vollstreckungsersuchen auch ablehnen, sofern es nicht auf Deutsch formuliert ist. Denn es muss laut DAV in einer für den Halter verständlichen Sprache formuliert sein.

Ebenfalls gut zu wissen: Von Fahrverboten und Punkten in Flensburg bleiben Autofahrer bei Vergehen im Ausland verschont. Die drohen nur auf deutschen Straßen, so der DAV.

Kommentare