Merkel in Chile

"Wir müssen uns sputen"

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Angela Merkel mit Chiles Präsident Sebastian Pinera (r.) und Mexikos Präsident Enrique Pena Neto

Santiago de Chile - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will zwischen der EU und den Staaten Lateinamerikas und der Karibik ein Verhältnis auf Augenhöhe.

Die Beziehungen müssten auf eine neue Stufe gestellt werden, sagte Merkel am Samstag vor Beginn eines Gipfel der Europäischen Union und der Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Staaten (Celac).

Sie wolle eine „strategische Partnerschaft auf Augenhöhe“, sagte die Kanzlerin in der chilenischen Hauptstadt Santiago. Die rasante wirtschaftliche Entwicklung in den Celac-Staaten zeige Europa, „dass wir uns sputen müssen“. Die Wettbewerbsfähigkeit müsse angekurbelt, die Schulden müssten abgebaut werden.

Erstmals seit 22 Jahren ist mit Merkel wieder ein deutscher Regierungschef nach Chile gereist, um die Beziehungen der beiden Länder zu vertiefen. Staatspräsident Sebastián Piñera sagte: „China ist unser größter Handelspartner, aber Europa ist viel mehr als einer der beiden wichtigsten Handelspartner. Wir teilen eine Kultur mit Europa. Wir streben eine nachhaltige Allianz mit der EU an.“ Die EU sei außerdem die größte Investitionsquelle für Chile. Er sprach von einer führenden Rolle Deutschlands.

Merkel reagierte auch auf Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy, der am Vortag in Santiago erklärt hatte, dass er von starken Ländern wie Deutschland einen Beitrag zur Ankurbelung der europäischen Wirtschaft erwarte. „Spanien ist zur Zeit nicht in der Lage, eine expansive Wirtschaftspolitik zu führen“, hatte Rajoy gesagt. „Die Länder, die es können, sollten es tun.“

Merkel sagte: „Ich glaube, dass es auch hier wieder kein Entweder-Oder gibt.“ Deutschland werde einen Beitrag in Rajoys Sinne leisten: möglichst viel Binnenkonsum, um damit die Importe zu stärken und die Exportüberschüsse zurückzufahren. Es reiche aber nicht, den Binnenmarkt zu unterstützen. „Wir müssen interessante Produkte haben, die wir in der Welt verkaufen können.“ Sie betonte: „Wir in Deutschland glauben, dass wir unseren Beitrag für eine robuste Eurozone leisten.“

Zweites Ziel von Merkels nur knapp zweitägigem Aufenthalt in dem Andenstaat ist ihre Teilnahme an dem EU-Celac-Gipfel. Themen des Treffens der mehr als 60 Länder sind die Förderung von sozial- und umweltverträglichen Investitionen, die Beseitigung von Investitionshemmnissen sowie Freihandelsabkommen. Erstmals trifft Merkel auf Kubas Staatschef Raúl Castro, dessen Bruder Fidel ihm vor knapp fünf Jahren das Amt übergeben hatte.

Das Bundeswirtschaftsministerium und das chilenische Bergbauministerium unterzeichneten am Samstag eine Vereinbarung zur stärkeren Nutzung von Rohstoffen in dem Andenstaat. Chile verfügt mit 36 Prozent über die weltweit größten Kupferreserven. Auch in der Produktion von Jod, Lithium und Rhenium nimmt das Land eine führende Rolle ein.

Die Staaten Lateinamerikas und der Karibik kommen seit 1999 etwa alle zwei Jahre zu einem Gipfel mit den EU-Ländern zusammen. Es ist das größte westliche Forum, an dem die USA nicht teilnehmen. Aus Europa sind Merkel und Rajoy diesmal die einzigen prominenten Regierungschefs.

dpa

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