Bindeglied zu den Erzkonservativen

Mike Pence: So tickt Trumps Mann für den Vizeposten

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Mike Pence gilt als nüchtern und zurückhaltend.

Washington - Mike Pence ist Donald Trumps Kandidat als Vizepräsident der USA. Das müssen Sie zum Der Gouverneur von Indiana wissen.

Eines der wichtigsten Kriterien, die üblicherweise für einen US-Vizepräsidentenkandidaten gelten, erfüllt Mike Pence sicherlich zu 100 Prozent: Er wird den Hauptkandidaten im Wahlkampf nicht überstrahlen. Der Gouverneur von Indiana ist keine schillernde Figur wie Donald Trump, dem er im Kampf um das Weiße Haus zur Seite stehen wird. Die nüchterne, zurückhaltende und loyale Natur des 57-Jährigen war vermutlich einer der Gründe, warum ihn Trump den anderen möglichen Vizekandidaten vorgezogen hat.

Denn anders als beim Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, und dem einstigen Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, muss der voraussichtliche Präsidentschaftskandidat der Republikaner bei Pence nicht fürchten, dass dieser sich selbst zu sehr in den Vordergrund spielt. Zugleich bringt Pence aber weitere wichtige Qualifikationen mit, die Trump helfen sollen, seine bislang turbulente Kampagne auf einen stetigeren Kurs zu bringen.

Mick Pence: Erfahrener Politiker aus dem "Rostgürtel"

Pence, der lange dem Repräsentantenhaus in Washington angehörte, ist ein erfahrener Politiker, wie ihn der Immobilienmilliardär als Vize gesucht hat. Er stammt zudem aus dem "Rostgürtel", einer durch den Niedergang von Industrie und Bergbau gebeutelten Region, die bei der Präsidentenwahl im November eine wichtige Rolle spielt.

Und vor allem ist er ein evangelikaler Christ mit stramm konservativen Ansichten. Insofern kann Pence zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Trump und den Erzkonservativen in der Partei werden, bei denen der Quereinsteiger aus dem Big Business und der New Yorker Glamourwelt bislang auf tiefes Misstrauen stößt.

"Ein Christ, ein Konservativer, ein Republikaner, in dieser Reihenfolge" - mit diesen Worten hat sich Pence selbst beschrieben. Und entsprechend hat er sein Amt in Indiana seit Anfang 2013 ausgeübt. Im März setzte er dort eines der strikten Anti-Abtreibungsgesetze des Landes in Kraft. Es verbietet den Abbruch auch dann, wenn der Fötus missgebildet ist.

Im Jahr zuvor unterzeichnete der Gouverneur ein Gesetz zur "Religionsfreiheit", das es - so stellen es jedenfalls die Kritiker dar - Geschäften erlaubt, Homosexuelle nicht zu bedienen. Pence bestritt damals jedoch, sexuelle Minderheiten diskriminieren zu wollen. Sehr dezidiert tritt er allerdings gegen die Homo-Ehe ein.

Mike Pence kommt aus einer Mittelschichtfamilie

Pence wuchs in einer Mittelschichtfamilie in Indiana auf und absolvierte in seinem Heimatstaat ein Jurastudium. Er arbeitete als Anwalt, als Experte in einem Institut und als konservativer Radiomoderator, bevor er in das Repräsentantenhaus gewählt wurde, dem er zwölf Jahre lang angehörte.

Aus dieser Zeit bringt Pence nützliche Kontakte mit, die Trump helfen können, sein fragiles Verhältnis zu den Republikanern im Kongress zu verbessern. Paul Ryan, der mächtige Sprecher des Repräsentantenhauses, der bislang mit dem Immobilienmogul nicht richtig warm geworden ist, bezeichnete sich am Donnerstag als "großen Fan" des Gouverneurs.

Für eine gedeihliche Zusammenarbeit werden Trump und Pence allerdings auch so manche Differenzen unter den Teppich kehren müssen. Nicht nur, dass der Gouverneur zu den Rechten von Homosexuellen wohl deutlich konservativere Ansichten vertritt als der Geschäftsmann. Pence ist auch ein Advokat des Freihandels, während Trump die harte Kritik an den Freihandelsverträgen zu einem Markenzeichen seiner Kampagne gemacht hat.

Und im Dezember hatte Pence noch die Forderung Trumps nach einem pauschalen Einreiseverbot für Muslime in aller Schärfe als "anstößig und verfassungswidrig" bezeichnet. Darauf angesprochen versicherte der Gouverneur allerdings vor einigen Tagen, trotz bisweiliger Differenzen unterstütze er Trump. Diese Loyalität hat sich jetzt für ihn ausgezahlt.

AFP

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