Homs: Syrische Truppen beschießen Rebellenviertel

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Diese Aufnahme aus einem Amateurvideo soll Explosionen in Homs zeigen.

New York - Die internationalen Forderungen nach einem Ende der Gewalt in Syrien verhallen weiter im Bombenhagel. Die Aktivisten befürchten den Sturm der Aktivisten auf ein Rebellenviertel in Homs.

Syrische Truppen verstärkten am Freitag nach Angaben von Aktivisten ihren Beschuss eines von Rebellen seit Monaten kontrollierten Viertels der Stadt Homs. “Es sieht so aus, als ob sie es heute stürmen wollten“, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag mit. “Es ist der schwerste Beschuss seit Beginn der Revolution“, sagte auch ein Aktivist in dem Viertel Chaldije. Berichte über Tote oder Verletzte lagen zunächst nicht vor. Amateurvideos zeigten Raketen, die Wohnhäuser trafen, über der Stadt lag schwerer grauer Rauch.

Zwei Tage zuvor hatte es in der nahe gelegenen Provinz Hama ein Massaker mit rund 80 Toten gegeben. Aktivisten zufolge konnten UN-Beobachter am Freitag in die Gegend gelangen, nachdem sie am Tag zuvor beschossen worden waren. Eine offizielle Bestätigung dafür, dass sie tatsächlich in das Dorf vorgedrungen waren, lag aber nicht vor.

Warnungen von allen Seiten

Im Westen reihten sich die Krisensitzungen zu Syrien weiter aneinander. Am Freitag traf der Syrien-Sondergesandte Kofi Annan mit US-Außenministerin Hillary Clinton zusammen, um Wege zu besprechen, wie sein Sechs-Punkte-Plan für einen Frieden in Syrien doch noch umgesetzt werden kann. Zuvor hatte er vor der UN-Vollversammlung erklärt: “Wir dürfen nicht zulassen, dass Massentötungen Teil des täglichen Lebens in Syrien werden.“

Auch das Rote Kreuz warnte vor einer Verschlechterung der Lage in Syrien. “Derzeit ist die Situation sehr angespannt, nicht nur in Hula, nicht nur in Hama, sondern an vielen Orten im ganzen Land“, sagte der Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Hicham Hassam, am Freitag in Genf. In Hula waren bei einem weiteren Massaker am 25. Mai mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen.

Die EU-Kommissarin für humanitäre Angelegenheiten, Kristalina Georgieva, erklärte, dass in Syrien außerdem eine Million Menschen auf Hilfe angewiesen seien. “Zwischen 200.000 und 400.000 sind Binnenvertriebene (...) und es gibt 95.000 Flüchtlinge vor allem in der Türkei, in Jordanien und im Libanon“. Außerdem gebe es mehr als 600.000 irakische und palästinensische Flüchtlinge in Syrien.

Heftige Gefechte in Damaskus

In Damaskus kam es am Freitag Aktivisten zufolge zu den bisher heftigsten Gefechten seit Beginn des Aufstandes vor 15 Monaten. Die Kämpfe brachen demnach in dem Viertel Kfar Suse aus, wo bewaffnete Rebellen bereits am Donnerstagabend an einer großen Anti-Regierungs-Demonstration teilgenommen haben sollen.

In mehreren weiteren Regionen des Landes feuerten Regierungssoldaten am Freitag nach Angaben von Aktivisten erneut mit scharfer Munition und Tränengas auf Tausende Demonstranten, die zu Massenkundgebungen gegen das Regime gekommen waren, unter anderem in den Provinzen Idlib, Aleppo, Daraa und in den Vororten der Hauptstadt Damaskus. Die amtliche Nachrichtenagentur SANA berichtete von Angriffen von bewaffneten “Terroristengruppen“ auf ein Ölfeld in der Provinz Deir Essor und der Tötung von drei Polizisten in dem Damaszener Vorort Kudsaja. Außerdem seien am Freitag bei einer Explosion in Idlib zwei Soldaten und drei Zivilisten ums Leben gekommen.

Annan hatte am Donnerstag erstmals eingeräumt, dass sein Sechs-Punkte-Plan nicht umgesetzt wird. Er rief den uneinigen Sicherheitsrat - die Vetomächte China und Russland haben bisher weiterreichende Resolutionen gegen Syrien verhindert - auf, Assad Konsequenzen anzudrohen, sollte er die Gewalt nicht stoppen. Annan, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil El-Arabi, erklärten in New York: “Die Gefahr eines regelrechten Bürgerkriegs steht unmittelbar bevor, mit katastrophalen Folgen für Syrien und die Region.“

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach sich für stärkere politische und diplomatische Anstrengungen aus. Er dringe darauf, “dass sich der Sicherheitsrat endlich dazu durchringt, nichtmilitärische Zwangsmaßnahmen zu ergreifen“, sagte am Freitag ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, es müsse “alles daran gesetzt werden, eine politische Lösung zu finden“

dapd

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