Spannung vor Stichwahl in Polen

+
Vor der Stichwahl in Polen zwischen Bronislaw Komorowski (links) und dem amtierenden Präsidenten Jaroslaw Kaczynski herrscht Hochspannung.

Warschau - Lange galt Bronislaw Komorowski als Favorit im Kampf um das Präsidentenamt in Polen. Doch Gegner Jaroslaw Kaczynski holt auf. Bei der Stichwahl wird an diesem Sonntag ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet.

Knapp drei Monate nach dem Tod des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski bei einem Flugzeugabsturz wird nun in einer Stichwahl dessen Nachfolger bestimmt. Die beiden Kandidaten, Zwillingsbruder Jaroslaw Kaczynski und Bronislaw Komorowski, kämpften bis zuletzt um jede Stimme. Seit Samstag können beide Bewerber um das höchste Staatsamt nur noch hoffen. Denn bis zur Schließung der Wahllokale am Sonntagabend gilt im ganzen Land Wahlruhe, Wahlkampf ist streng untersagt.

Um dem Druck zu entkommen, zog sich Komorowski am Wochenende in seine Datscha im Nordosten Polens zurück. Kaczynski wollte sich um seine kranke Mutter kümmern. So richtig entspannen kann sich keiner der beiden Kontrahenten, denn es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet. Der Ausgang der Stichwahl ist ungewiss.

Letzte Umfrage zeigt knappen Abstand

Parlamentschef Komorowski, der Kandidat der liberal-konservativen Regierungspartei PO, gilt zwar nach wie vor als Favorit, sein national-konservativer Herausforderer Kaczynski ist ihm aber auf den Fersen. Die letzte Umfrage des Instituts Homo Homini, veröffentlicht zwei Stunden vor Ende des Wahlkampfes, gab Komorowski einen Vorsprung von nur gut zwei Prozentpunkten - 47,6: 45,2.

Drei frühere Umfragen sahen Komorowski sechs bis zwölf Prozentpunkte vorn. Laut Institut GfK Polonia lag aber erstmals Kaczynski mit 49 Prozent in Führung - Komorowski bekäme danach 47 Prozent. Kaczynski konnte vor allem beim letzten TV-Duell Mitte der Woche punkten.

Den ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte Komorowski mit 41,5 Prozent gegen seinen Rivalen (36,4) für sich entschieden. Weil keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichte, treten die beiden Bestplatzierten am 4. Juli gegeneinander an.

Wähler-Werben auf der Zielgeraden

Auf der Zielgeraden buhlen die Kontrahenten vor allem um die linken Wähler. Es geht um mehr als zwei Millionen Stimmen, die der linke Kandidat Grzegorz Napieralski in der ersten Runde eingefahren hat. Weil Napieralski seinen Wählern für den Sonntag freie Hand ließ, werben Kaczynski und Komorowski demonstrativ um deren Gunst.

Die zweite Runde findet eine Woche nach Beginn der Sommerferien statt. Das ist schlecht für Komorowski, dessen Wähler mobiler und wohlhabender als die seines Gegenspielers sind und häufiger in Urlaub fahren. Eine geringe Wahlbeteiligung käme laut Meinungsforschern Kaczynski zugute. Im Wahlkampf pflegte Jaroslaw Kaczynski sein neues Image eines “edlen Staatsmannes“, der nach dem tragischen Tod seines Zwillingsbruders Lech auf Kompromiss statt auf Konfrontation setzt.

dpa

Kommentare