Serben zünden Grenzposten an - NATO greift ein

Jarinje/Kosovo - Rund 200 aufgebrachte Serben haben im Kosovo einen umkämpften Grenzposten in Brand gesetzt. NATO-Friedenstruppen setzten Tränengas gegen die Menge ein.

Nach einem Angriff bewaffneter Serben auf zwei Grenzposten im Norden des Kosovos haben NATO-Soldaten die Kontrolle über die beiden Zollstationen übernommen. Die Aufsicht über beide Posten liege bei amerikanischen und französischen Friedenssoldaten, teilte NATO-Sprecher Hans Wichter am Donnerstag mit. Wegen schwerer Schäden an der Infrastruktur sei nur kleinen Fahrzeugen die Durchfahrt erlaubt, jeder Wagen werde nach Waffen durchsucht.

Konflikt eskaliert: Hier brennt ein serbischer Grenzposten

Konflikt eskaliert: Hier brennt ein serbischer Grenzposten

Rund 200 aufgebrachte Serben hatten am Mittwochabend Benzinbomben geschleudert, einen der Grenzposten in Brand gesetzt und NATO-Friedenstruppen beschossen. Ein kosovarischer Polizist wurde getötet. Beim Angriff der Serben sprangen EU-Polizisten in ihre Fahrzeuge und flüchteten, wie ein im staatlichen serbischen Sender RTS ausgestrahltes Video zeigte. Die Polizeimission der EU verurteilte den Angriff und rief die Bevölkerung in der Region zur Ruhe auf.

NATO-Sprecher Hans Wichter sagte, mehrere hundert Soldaten seien entsandt worden, um die Lage zu beruhigen. Die NATO-Truppen seien von den Angreifern beschossen worden, sagte Wichter der Nachrichtenagentur AP.

Wenige Stunden zuvor hatten sich Spezialeinheiten der kosovarischen Polizei von diesem und einem weiteren umstrittenen Grenzübergang zu Serbien zurückgezogen. Eskaliert war die Lage am Montag, als kosovarische Polizeieinheiten an die Grenze geschickt wurden.

Ashton ruft zum Dialog auf

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton äußerte sich tief besorgt über die Gewalteskalation an der Grenze des Kosovos und rief die Konfliktparteien zum Dialog auf. “Ich verurteile die Gewalt im Nordkosovo scharf, die jüngsten Entwicklungen sind nicht hinnehmbar“, erklärte Ashton am Donnerstag. In Telefonaten habe sie den serbischen Präsidenten Boris Tadic und den kosovarischen Regierungschef Hashim Thaci zur Verantwortung gerufen und ermahnt, den Grenzstreit “unverzüglich“ beizulegen.

Bei dem Einsatz Anfang der Woche, mit dem die Regierung in Pristina ihre Autorität über die Grenzen des Kosovos unter Beweis stellen wollte, war ein Polizist ums Leben gekommen. Die EU hatte das Vorgehen der kosovarischen Sicherheitskräfte scharf kritisiert.

Der serbische Präsident Tadic forderte ein “sofortiges Ende“ der Gewalt und rief die Serben im Norden des Kosovos seinerseits zur Ruhe auf. “Hooligans, die Gewalt verursachen, verteidigen nicht Serbien oder die serbischen Bürger“, hieß es in einer Erklärung aus Tadics Büro.

dapd

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