Sarkozy wird ausfallend: Mund halten!

+
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat in Brüssel für einen Moment seine guten Manieren vergessen

Brüssel - Im Streit um die richtige Strategie zur Rettung der Eurozone ist es Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in Brüssel ausfallend geworden. Einem ausländischen Kollegen hielt er eine regelrechte Standpauke.

Lesen Sie dazu auch:

Hier schenkt Merkel Sarkozy einen Teddy

Sarkozy und Berlusconi streiten über Spitzenposten

Euro-Paket im Bundestag - Steinmeier graut es

EU-Gipfel bereitet Schuldenschnitt vor

Im Streit um die richtige Strategie zur Rettung der Eurozone ist es zwischen Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und dem britischen Premierminister David Cameron zu einem ruppigen Wortwechsel gekommen. “Sie haben eine gute Chance verpasst, den Mund zu halten“, schnauzte Sarkozy beim EU-Gipfel am Sonntag in Brüssel Cameron an, wie die britische Agentur PA am Montag berichtete.

“Es macht uns krank, dass Sie uns dauernd kritisieren und uns sagen, was wir tun sollen. Sie sagen, Sie hassen den Euro und jetzt wollen Sie in unsere Sitzungen eingreifen“, fuhr Sarkozy dem Bericht zufolge fort. Cameron hatte zuvor verlangt, dass Großbritannien und alle anderen EU-Länder, die Nichtmitglieder der Eurozone sind, am entscheidenden Treffen zur Euro-Rettung am Mittwoch in Brüssel teilnehmen können.

Cameron, der die Politik der Eurozone in den vergangenen Wochen wiederholt scharf kritisiert hatte, steht innenpolitisch massiv unter Druck. Am Nachmittag wurde im britischen Unterhaus eine Abstimmung darüber erwartet, ob Großbritannien in einem Referendum über die Mitgliedschaft in der EU abstimmen soll. Die Abstimmung, die Cameron für falsch hält, wurde vom rechten Flügel seiner eigenen Partei, den britischen Konservativen initiiert. Cameron hatte in den vergangenen Wochen wiederholt versucht, die seit Jahren andauernde Wirtschaftskrise in Großbritannien mit dem Euro-Problem zu erklären.

Bis zu 100 Abgeordnete von Camerons Fraktion wollen sich hinter den Antrag stellen. Das Ansinnen gilt dennoch als chancenlos. Nicht nur die Mehrheit der Abgeordneten der Regierungskoalition aus Konservativen und Liberaldemokraten ist dagegen, auch die große Oppositionsfraktion der Labour-Partei hat sich im Vorfeld dagegen ausgesprochen.

Die Euroskeptiker in Westminster argumentieren, Großbritannien habe durch die Mitgliedschaft in der EU mehr Nachteile als Vorteile. Der britischen Wirtschaft koste die Brüsseler Regulierungswut bis zu 60,5 Milliarden Pfund (rund 70 Milliarden Euro) pro Jahr. “Es geht schlicht um die Demokratie“, sagte der konservative Abgeordnete im Vorfeld. “Das britische Volk will seit langem über die EU-Mitgliedschaft abstimmen.“ Unter den Befürwortern eines Referendums sollen auch zwei Minister aus Camerons Kabinett sein.

dpa

Kommentare