Politik fordert Schul-Uniform gegen Mobbing

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In der Linden-Grundschule in Berlin Spandau gibt es bereits eine Schuluniform.

Berlin - Der Druck auf Schüler, die sich keine teuren Markenklamotten leisten können ist oft extrem. Politiker von CDU und SPD drängen deshalb erneut zur Einführung einheitlicher Schulkleidung.

So könne unter anderem Mobbing verhindert werden, sagten die ehemalige Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) und die CDU-Abgeordnete Katherina Reiche am Freitag der Nachrichtenagentur DAPD. GEW und Linke lehnten den Vorschlag entschieden ab. Die Hälfte der Schüler spricht sich laut einer Studie für Schuluniformen aus. Im Dezember hatte bereits Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) einheitliche Schulkleidung gefordert. Zypries sagte: “Mobbing, Beurteilung rein nach dem Äußeren und der Druck, immer die neuesten Dinge tragen zu müssen, nehmen durch eine einheitliche Kleidung ab.“ Zudem wären soziale und kulturelle Unterschiede weniger sichtbar. Durch eine einheitliche Schulkleidung werde auch die Diskussion über eine stärkere Identifikation der Schüler mit ihrer Schule angestoßen. Das wirke auch Vandalismus entgegen. Ähnlich äußerte sich CDU-Vorstandsmitglied Reiche: “Schuluniformen können das Gefühl der Zusammengehörigkeit vermitteln und Eltern wie Kindern soziale Entlastung bringen.“ Sie könnten zudem zur Verringerung religiöser Diffamierungen beitragen und seien von Vorteil für die Integration ausländischer Schüler. “Themen wie das Tragen einer Burka in der Schule wären damit natürlich obsolet“, sagte Reiche, die auch Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium ist. Ein weiterer Vorteil sei, dass so eine gemeinsame Identität mit der Schule zum Ausdruck gebracht werde. Darüber hinaus werde der Geldbeutel der Eltern in erheblichem Maße entlastet. 

Freiwillige Entscheidung der Schulen

Die Einführung von Schuluniformen müsse aber eine freiwillige Entscheidung der Schulen und Schüler sein, meinten Reiche und Zypries. Bestandteile könnten Polohemden, T-Shirts, Hemden oder Pullover sein. Zypries fügte hinzu, mit einer einheitlichen Schulkleidung werde niemandem die Möglichkeit genommen, zum Beispiel durch andere Accessoires seine Individualität in der Schule zum Ausdruck zu bringen. Reiche sagte: “An allen Schulen, in denen die Schulbekleidung eingeführt wurde, wird diese von den Schülerinnen und Schülern angenommen.“ Wissenschaftliche Studien belegten, dass in Klassen, in denen die Schüler eine einheitliche Kleidung tragen, ein besseres Sozialklima herrsche und sich die Schüler besser auf den Unterrichtsstoff konzentrierten. 

“Verlagerter Markenterror“

Gewerkschaften und Linke halten dagegen nichts von uniformierten Schülern. “Das löst die Probleme nicht, der Markenterror wird einfach nur auf Schuhe, Handys, Uhren oder iPads verlagert“, sagte die Sprecherin der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Martina Schmerr, DAPD. Die Einführung von Schuluniformen sei eine symbolische Politik, die Gerechtigkeit nur dem Schein zufolge herstelle. Bessere Bildungschancen für ärmere Kinder würden auf diese Weise nicht geschaffen. “Profitieren würde davon in erster Linie die Bekleidungsindustrie“, meinte Schmerr. Wenn Schuluniformen eingeführt würden, dürfte dies aber keinesfalls von oben verordnet werden, erklärte Schmerr, GEW-Referentin für den Bereich Schule. “Wenn es die Schule selbst entscheidet, ist es okay“, fügte sie hinzu. Die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Nele Hirsch, sagte, zunächst müssten die starken Einkommensunterschiede zwischen den Eltern verringert werden. “Grundsätzlich sollten die Jugendlichen tragen, was sie wollen. Das trägt auch zur Persönlichkeitsentwicklung bei.“ In einer Studie der Fachhochschule Münster von vor gut einem Jahr wurden 18.000 Schüler befragt, ob sie Schuluniformen tragen würden. Die Hälfte sprach sich dafür aus. 42 Prozent von ihnen begründete es damit, dass es so weniger Probleme in der Schule gebe. Vorteile sehen viele auch in einer stärkeren Verbundenheit mit der Schule.

dapd

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