Nordkoreas Armee zieht Einheiten von Winterübungen ab

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Vor dem Porträt des verstorbenen Kim Jong Il liegen Kondolenzkränze

Seoul - Die Lage auf der koreanischen Halbinsel ist nach dem Tod von Kim Jong Il ruhig geblieben. Die Sorgen vor einer möglichen Destabilisierung während des Machtwechsels in Pjöngjang scheinen unbegründet.

Nach dem Tod von Militärmachthaber Kim Jong Il hat Nordkorea nach Medienberichten mehrere Armeeeinheiten von jährlichen Winterübungen wieder in die Kasernen zurückgerufen. Einige nordkoreanische Einheiten seien inmitten ihrer Übungen zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt, berichtete die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Dienstag unter Berufung auf Militärkreise. „Alle militärischen Einheiten haben zudem die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt.“ Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao stattete der nordkoreanischen Botschaft in Peking einen Kondolenzbesuch ab.

Es gebe jedoch bislang keine ungewöhnlichen Bewegungen oder Anzeichen von Provokationen auf der Seite Nordkoreas, hieß es. Die meisten nordkoreanischen Stützpunkte entlang der Grenze zu Südkorea hätten nach Kims Tod die Flaggen auf Halbmast gesetzt.

Der Tod Kim Jong Ils hatte in der Region Sorgen vor einer gefährlichen Instabilität ausgelöst. Auch schlossen Beobachter in Südkorea neue Provokationen des Nachbarlandes während des Machtwechsels nicht aus.

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Nordkoreas Staatsmedien hatten am Montag mit zweitägiger Verspätung den Tod Kim Jong Ils vermeldet. Kim, der seit langem als gesundheitlich angeschlagen gegolten hatte, war danach am Samstag während einer Bahnreise an einem Herzinfarkt gestorben. Der Diktator, der sein Land 17 Jahre lang mit eiserner Hand regiert hatte, war nach offiziellen Angaben 69 Jahre alt. Die Streitkräfte und die Bevölkerung hätten ihren Treueschwur zum jüngsten Sohn Kims, Kim Jong Un erneuert, hatte es geheißen. Kim Jong Il hatte diesen Sohn in den vergangenen Jahre schrittweise auf die Nachfolge in dritter Generation vorbereitet. Der Sohn, der politisch bisher kaum in Erscheinung getreten ist, soll Ende Zwanzig sein.

Hu Jintao sei am Dienstagmorgen persönlich in der Botschaft im Zentrum der chinesischen Hauptstadt erschienen, um „sein Beileid“ angesichts des Ablebens von Kim auszudrücken, meldete die Nachrichtenagentur Xinhua. Der hochrangige Kondolenzbesuch ist eine wichtige Geste politischer Unterstützung für Nordkorea, dessen Abhängigkeit von China in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist. Chinas kommunistische Führung habe ein vitales Eigeninteresse an einem friedlichen Machtwechsel in Pjöngjang und reagiere schnell auf die neue Situation, um seine Kommunikationskanäle mit dem Nachbarland offen zu halten, sagen politische Beobachter in Peking.

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Die Regierung in Südkorea rang nach wie vor um eine Entscheidung, ob sie dem Nachbarland sein Mitgefühl äußern solle. „Es ist keine Angelegenheit, die weiter aufgeschoben werden kann, doch jetzt eine Entscheidung zu treffen, ist schwierig“, zitierte die Agentur Yonhap einen hochrangigen Beamten im Präsidialamt in Seoul. Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten sich nach dem Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffes im März 2010 und dem Beschuss einer zu Südkorea gehörenden Insel durch die nordkoreanische Artillerie im November desselben Jahres spürbar verschärft. Südkorea macht den Norden auch für den Schiffsuntergang verantwortlich. Nordkorea bestreitet eine Verwicklung. Bei beiden Vorfällen waren 50 Menschen ums Leben gekommen.

Kuba ruft nach Tod Kim Jong Ils Staatstrauer aus

Nordkoreas Verbündeter Kuba rief eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. An öffentlichen Gebäuden und Militäreinrichtungen wurde die kubanische Flagge auf Anordnung der kommunistischen Regierung auf Halbmast gesetzt, wie aus einer am Montag im Staatsfernsehen verlesenen Stellungnahme hervorging. Die Staatstrauer soll am Dienstag beginnen.

dpa/dapd

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