Nach Verzicht auf Doktortitel: Merkel steht weiter zu Guttenberg

Berlin - Nach dem Verzicht auf den Doktortitel erhält Karl-Theodor zu Guttenberg von der Bundesregierung weiter Rückendeckung. Die Grünen kritisieren dagegen das "Demutsgefasel" des Verteidigungsministers.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ am Dienstag über Regierungssprecher Steffen Seibert wissen, dass sie die Entscheidung des CSU-Politikers richtig findet. SPD und Grüne dringen derweil auf eine Stellungnahme des Ministers im Bundestag.

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Guttenberg selbst sagte bei seiner ersten öffentlichen Rede seit Beginn der Affäre in Kelkheim bei Frankfurt: “Die Entscheidung, den Doktortitel, nicht zu führen schmerzt.“ Schließlich habe er sieben Jahre in die Arbeit investiert. Drei Tage zuvor hatte er in seiner Erklärung in Berlin am Freitag noch betont, er verzichte nur bis zum Ende der Untersuchung durch die Universität Bayreuth vorübergehend auf den Titel. Er entschuldigte sich bei allen, die er durch seine Fehler verletzt habe - auch bei seinem Doktorvater. “Ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich geschrieben habe.“ Er habe aber nicht bewusst getäuscht. 

Aktuelle Stunde im Parlament

Die Opposition forderte Guttenberg auf, sich im Parlament zu erklären. So beantragte die SPD eine Aktuelle Stunde im Bundestag zu dem Thema. Am Donnerstag wird sich voraussichtlich der Ältestenrat des Parlaments mit der Frage befassen, ob und wie der wissenschaftliche Dienst des Bundestages für die Doktorarbeit genutzt wurde.

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Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, griff den Minister scharf an: “Der Verteidigungsminister leidet unter einem Realitätsverlust, der kurz vor dem Rücktritt kommt.“ Nach einer “aggressiven Vorwärtsverteidigung“ habe sich Guttenberg zu einer “panikartigen Flucht“ entschieden, sagte er: “Diesmal ist der Doktortitel das Bauernopfer von Guttenberg.“

Die SPD hat der Bundeskanzlerin die Entlassung von Verteidigungsminister Guttenberg nahegelegt. “Der Minister hat getäuscht und gelogen“, sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Oppermann am Dienstag in Berlin. Die Kanzlerin müsse sich fragen lassen, ob ein solcher Ressortchef noch im Kabinett bleiben könne. “Jeder Soldat würde entlassen, jeder Schüler durch das Abitur fallen und jeder Student von der Hochschule verwiesen“, fügte Oppermann hinzu. 

Roth: "Dreister Auftritt" und "Demutsgefasel"

Grünen-Chefin Claudia Roth verlangte ebenfalls eine Erklärung des Ministers. “Er hat am Freitag die Unwahrheit gesagt“, betonte sie. Am Freitag hatte Guttenberg eingeräumt, seine Dissertation enthalte “fraglos Fehler“, das tue ihm “aufrichtig leid“. Zu keinem Zeitpunkt habe er jedoch “bewusst getäuscht“. Mit Blick auf den nun erklärten Verzicht auf den Doktortitel fügte Roth hinzu, Guttenberg versuche, “mit Demutsgefasel etwas als Kavaliersdelikt darzustellen“.

dapd/dpa

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