Ruf nach bundesweit gemeinsamem "Kernabitur"

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Bildungsexperten möchten, dass Abiturienten künftig in bestimmten Fächern die gleichen Prüfungsaufgaben bekommen.

München - Mathe, Deutsch und Englisch: In diesen Fächern sollen Abiturienten künftig an einem Prüfungstag die gleichen Fragen gestellt bekommen. Ziel: Uni-Anwärter sollen die gleichen Chancen haben.

Bildungsexperten fordern ein gemeinsames “Kernabitur“ für alle Bundesländer, um Gymnasiasten bundesweit die gleichen Chancen einzuräumen. Dabei soll es zusätzlich zu den regulären Abiturprüfungen einen weiteren Prüfungstag geben, an dem mit zentral gestellten Fragen die Fähigkeiten in den Fächern Deutsch, Mathe und Englisch getestet werden. Damit soll garantiert werden, dass die nationalen Bildungsstandards für die gymnasiale Oberstufe eingehalten würden, sagte der Vorsitzende des Aktionsrats Bildung, Dieter Lenzen, am Mittwoch in München.

Das Gremium empfiehlt den Kultusministern, die Einführung des Kernabiturs im kommenden Jahr mit einem Staatsvertrag aller Bundesländer zu beschließen. Spätestens bis zum Abiturjahrgang 2018 sollte es umgesetzt sein. Die gemeinsamen drei Prüfungen sollten zehn Prozent der Abiturnote ausmachen. Der Aktionsrat Bildung wurde 2005 auf Initiative der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) gegründet. Ihm gehören vor allem Bildungsforscher an.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) begrüßte die Forderung. “Diese Idee muss weiterverfolgt werden. Wir benötigen mehr Vergleichbarkeit beim Abitur, aber auch bei anderen Abschlüssen. Alles andere ist ungerecht“, sagte sie der “Passauer Neuen Presse“ (Donnerstag). Sie unterstütze diesen Vorschlag “sehr“, nun seien die Länder an der Reihe. Auch Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) und der Philologenverband lobten den Vorstoß zu mehr Vergleichbarkeit bei den Abiturprüfungen. Den konkreten Fahrplan des Aktionsrates zur Umsetzung des gemeinsamen Kernabiturs sehen sie jedoch kritisch.

Bei den Abiturprüfungen in den Ländern gibt es bisher erhebliche Unterschiede. Diese sorgten für Ungerechtigkeiten, die spätestens beim Hochschulzugang deutlich würden, sagte der Bildungsforscher an der Münchner Universität, Ludger Wößmann, bei der Vorstellung des Gutachtens. Lediglich neun der 15 Bundesländer, darunter Bayern und Baden-Württemberg, stellten bislang die Prüfungsaufgaben zentral. Schavan fordert seit längerem ein deutschlandweites Zentralabitur.

Studien zeigten, dass es erhebliche Niveau-Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt. Manche Abiturienten seien vom Leistungsstand her anderen um zwei Schuljahre voraus. “So kann es passieren, dass eine Abiturientin aus Bayern mit Abiturnote 2,0 einen Studienplatz nicht bekommt, obwohl sie de facto besser ist als der Abiturient aus Berlin mit Abiturnote 1,9“, sagte Wößmann. Hochschulen sind juristisch verpflichtet, alle Abiturnoten als vergleichbar anzusehen und zur Grundlage der Zugangsentscheidung zu machen.

dpa

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