Mursis Familie spricht von „Entführung“

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Ist er entführt worden? Ex-Präsident Mursi.

Kairo - Die Angehörigen des gestürzten Präsidenten Mursi werfen dem Militär Menschenraub vor. In Kairo lancierte man indes das Gerücht, Mursi habe für die USA spioniert - um es umgehend dementieren zu lassen.

Die Familie des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi hat schwere Vorwürfe gegen das Militär erhoben, das den Politiker an einem unbekannten Ort festhält. „Wir klagen (den Armeekommandanten) Abdel Fatah al-Sisi und die anderen Putschführer an, den Bürger und Präsidenten Mohammed Mursi entführt zu haben“, sagte Mursis Sohn Osama am Montag auf einer Pressekonferenz in Kairo. Bewaffnete Extremisten griffen derweil im Norden der Halbinsel Sinai mehrere Kasernen und Polizeiwachen an und töteten drei Zivilisten. Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern Mursis gab es nach Angaben staatlicher Medien mindestens zwei Tote und 16 Verletzte.

Mursi war am 3. Juli nach Massenprotesten gegen seine islamistische Herrschaft vom Militär gestürzt worden. Seitdem halten ihn die Generäle an einem unbekannten Ort und ohne formelle Anklage in Haft. Weder Angehörige noch Anwälte hatten bislang Zugang zu ihm. Die Familie wolle nun juristisch gegen die Gefangennahme vorgehen, sagte Mursis Sohn. Man wolle auch erreichen, dass sich internationale Menschenrechtsorganisationen mit dem Fall befassen. Das Militär behauptet, Mursi werde „zu seiner eigenen Sicherheit“ festgehalten.

Die EU forderte erneut Wahlen und einen Übergang zu einer zivilen Regierung in Ägypten. „Die Armee sollte in einer Demokratie keine politische Rolle spielen“, mahnten die EU-Außenminister in einer gemeinsamen Erklärung in Brüssel. „Es ist jetzt von äußerster Wichtigkeit, dass Ägypten einen Wandel einleitet, der einen Übergang der Macht zu einer von Zivilisten geführten und demokratisch gewählten Regierung erlaubt“, hieß es. Bundesaußenminister Guido Westerwelle betonte: „Zu einem inklusiven Ansatz gehören ausdrücklich auch die Muslimbrüder.“ Die Bewegung unterstützt Mursi. Die Minister forderten in ihrer Erklärung ausdrücklich „die Freilassung aller politischen Häftlinge, Mohammed Mursi eingeschlossen“.

Fast drei Wochen nach seiner Entmachtung wird der Ex-Präsident zunehmend zum Gegenstand von Gerüchten und Spekulationen. In der Nacht zum Montag brachte die Webseite der Tageszeitung „Al-Ahram“ eine Eilmeldung, wonach Mursi wegen Spionage für die USA angeklagt werden sollte. Der Bericht erregte auch deshalb Aufsehen, weil „Al-Ahram“ als sehr staatsnah gilt. Sprecher der Staatsanwaltschaft und der Armee bezeichneten die Nachricht kurz nach ihrem Erscheinen als „Falschmeldung“. Der Herausgeber der Zeitung, Abdel Nasser Salama, wurde am Montag von der Staatsanwaltschaft vorgeladen.

Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern Mursis starben am Montag in Kairo am Montag mindestens zwei Menschen. Weitere 16 Menschen seien bei den Auseinandersetzungen auf dem Tahrir-Platz verletzt worden, berichteten staatliche ägyptische Medien weiter. Zu den Ausschreitungen kam es nach „Al-Ahram“-Angaben, als sich eine Gruppe von Mursi-Anhängern dem Tahrir-Platz näherte, auf dem Gegner des gestürzten Präsidenten demonstrierten. Die Protestierer gingen mit Messern, Stöcken und Steinen aufeinander los, wie Medien und Augenzeugen berichteten. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge auseinanderzutreiben. Auf einem Online-Video waren mehrere Bewaffnete zu sehen, die das Feuer auf die Demonstranten eröffneten.

In der Provinzhauptstadt Al-Arisch und in den Ortschaften Scheich Suwaid und Rafah an der Grenze zum Gazastreifen wurden in der Nacht zum Montag drei Zivilisten getötet. Das bestätigten Krankenhausärzte. Auf dem Sinai tummeln sich seit dem Arabischen Frühling islamistische Milizen und Schmugglerbanden. Immer wieder gibt es Angriffe auf Sicherheitskräfte. Seit Mursis Sturz am 3. Juli haben sich die Aktivitäten der Extremisten verstärkt. Nach offiziellen Angaben wurden seitdem 21 Menschen getötet.

dpa

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