"Das ist schon toll"

IAA: Autobosse hofieren Kanzlerin Merkel

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Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der IAA

Frankfurt - Sie selbst fährt zwar kaum noch Auto, doch von der mächtigen Branche lässt sich die Kanzlerin geduldig ihre IAA-Neuheiten vorführen. Im Gepäck hat Merkel eine Woche vor der Wahl sogar ein Versprechen.

Am Ende des IAA-Rundgangs macht sich bei der Kanzlerin doch noch ein Hauch von Begeisterung breit. „Das ist schon toll“, sagt Angela Merkel am Donnerstag in Frankfurt, während ihre Hand über die geöffnete Tür eines BMW i3 streicht. Im November bringen die Münchner ihr erstes reines Elektroauto auf den Markt. Doch für die Innenverkleidung findet Merkel Worte, die wohl nicht im i3-Prospekt stehen: „Macht einen angenehm plüschigen Eindruck.“

Auf den vorangegangenen eineinhalb Stunden Messerundgang hatten vor allem die großen deutschen Hersteller der Kanzlerin ihre spritsparenden Hybrid- und Elektromodelle angepriesen. Daimler-Chef Dieter Zetsche präsentierte stolz die Mercedes S-Klasse als Plug-in-Hybrid und ließ Merkel den Verbrauch der 440 PS starken Maschine schätzen. „Weiß nicht, vielleicht sechs Liter?“, sagte sie - und lag damit ziemlich richtig. Denn die offiziellen drei Liter auf 100 Kilometern schafft Daimlers Flaggschiff nur, wenn Verbrennungs- und Elektromotor etwa hälftig im Einsatz wären.

Doch ob Audi, Porsche oder VW - während die Autobauer von ihren sparsamsten Motoren schwärmen, interessiert sich die Kanzlerin mehr für den Kofferraum. Denn der verliert zumindest bei einigen Modellen an Volumen, weil die großen Batterien viel Platz wegnehmen.

Überhaupt scheint Merkel gut eine Woche vor der Bundestagswahl beim Anblick der polierten Neuheiten nicht sonderlich aus dem Häuschen. Trotzdem ist die CDU-Politikerin die vielleicht wichtigste Verbündete der Industrie. Vor allem im Streit um die strengeren CO2-Grenzwerte der EU sind gerade die deutschen Premiumhersteller auf Unterstützung aus dem Kanzleramt angewiesen. Zuletzt hatte Merkel einen Kompromiss über schärfere Richtlinien in Brüssel blockiert - nachdem Chef-Lobbyist Matthias Wissmann die „Liebe Angela“ per Brief um Hilfe gebeten hatte.

Für Premiumhersteller wie BMW, Daimler oder Audi geht es um das Überleben ihrer Produktstrategie. Denn mit ihren schweren Spritschluckern kommen sie nicht unter die von Brüssel für 2020 verlangten CO2-Werte von maximal 95 Gramm je Kilometer. Zu Wachstum und Innovation gehörten aber alle Klassen von Fahrzeugen, betont Merkel. Sie werde sich bei der EU für „vernünftige Vorgaben“ bei der CO2-Regulierung einsetzen. „Es hat keinen Sinn, sich auf eine Klasse zu beschränken oder nur auf kleine Autos zu setzen. Sondern wir wissen, dass die Innovationskette immer aus der vollen Palette kommt.“

So viel Zuspruch aus der Regierung ist den Umweltverbänden zuwider. „Mit ihrem Auftritt auf der IAA zeigt sich Angela Merkel mal wieder als Busenfreundin der Autoindustrie“, kritisiert Greenpeace-Verkehrsexperte Daniel Moser. „Statt sich für Umweltschutz im Verkehr einzusetzen, unterstützt Merkel die Scheinheiligkeit von Daimler, BMW und Co.“ Denn während die Auto-Bosse auf den Show-Bühnen in Frankfurt flammende Reden für vermeintlich umweltfreundliche Elektroautos hielten, kämpften sie in Brüssel für einen höheren zulässigen CO2-Ausstoß.

Auch der Verkehrsverband VCD wettert über die deutschen Bestrebungen, Elektroautos mehrfach in der CO2-Bilanz anrechnen zu können. „Haarsträubend ist, dass die Hersteller versuchen, mithilfe der E-Autos den Absatz der voluminösen Sprit schluckenden Geländewagen zu sichern.“

Das weiß wohl auch Merkel. Jedenfalls achtet sie auf der IAA auffällig darauf, sich zwar etwa in einen Elektro-Golf zu setzten - nicht aber in PS-Monster wie den Porsche Panamera Hybrid oder die Audi-Studie Nanuk. Dort ließ sie lieber Hessens Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) den Vortritt. Im i3 nimmt sie dagegen genüsslich und interessiert Platz und lobt BMW-Chef Norbert Reithofer für den großen Entwicklungssprung: „Naja gut, das wird eine Herausforderung für andere sein.“

dpa

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