SPD hört Sarrazin im Parteiausschlussverfahren an

ARCHIV: Der ehemalige Berliner Finanzsenator und Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin (SPD) geht durch die leere Empfangshalle des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof (Archivbild vom 12.02.2009).

Berlin - Das zweite Parteiausschlussverfahren der SPD gegen Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin tritt an diesem Donnerstag in die entscheidende Phase. Die Partei wird Sarrazin anhören.

Die Schiedskommission des Berliner Kreisverbandes Charlottenburg-Wilmersdorf wird Sarrazin zum Vorwurf des parteischädigenden Verhaltens anhören. Die Sicht der Bundes-SPD wird Generalsekretärin Andrea Nahles, die der Berliner SPD ihr Partei-Vize Mark Rackles vor dem dreiköpfigen Gremium vertreten.

Sarrazin: Der Provokateur redet Klartext

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Das Zerwürfnis entzündete sich an Sarrazins Bestseller "Deutschland schafft sich ab". Nach Ansicht der SPD hat der frühere Berliner Finanzsenator mit seinen umstrittenen Thesen zur Integrationspolitik und Vererbungstheorien gegen Grundsätze der Sozialdemokratie verstoßen und so der Partei Schaden zugefügt. Darin spricht der 66-Jährige vor allem muslimischen Zuwanderern eine Integrationswilligkeit und Leistungsbereitschaft ab. Sarrazins Rechtsbeistand, der frühere Hamburger Erste Bürgermeister, Klaus von Dohnanyi, hält die Vorwürfe für nicht gerechtfertigt. Die Kommission hat vier Wochen Zeit, eine Entscheidung zu verkünden. Sollte Sarrazin unterliegen, will er die Landesschiedskommission anrufen. Er ist seit fast 40 Jahren Mitglied der SPD.

Ein erstes Parteiausschlussverfahren hatte Sarrazin vor der Veröffentlichung seines Buches 2009 überstanden.

dpa

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