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Zehntausend tanzen mit

Open R begeistert als Festival der Gegensätze

Zehntausend tanzen mit

Von Sven Kamin

Uelzen . Es ist 22.33 Uhr. Tausende schwitzende Leiber, die vor einer Sekunde noch wild zur druckvollen Musik aus den gewaltigen Boxentürmen getanzt haben, stehen still. Völlig. Ausgestreckte Arme zeigen in den Himmel. Beine sind mitten im Tanzschritt eingefroren. Für ein paar Momente herrscht atemlose Stille. Dann brechen die Bässe und Bläser wieder über das Publikum herein, dessen Spannung sich augenblicklich in einem noch wilderen Veitstanz entlädt. Stopptanz.

Wenn so etwas funktionieren kann, dann wohl besonders gut auf einem "Uelzen Open R", das diesmal vor allem von den Gegensätzen lebte. Denn als Sänger Jan Delay mit seiner Band Disko No. 1 beim großen Finale ein ganzes Publikum beim Stopptanz einfrieren lässt, da hatte es sich bereits durch einen ganzen Tag von Konzerten treiben lassen - wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Es ist das Festival der Geschichten. Von Freunden und Gangstern, Reggae-Recken und Folk-Feen, Aufbrechern und Heimkehrern zum Beispiel. Da ist Nachwuchshoffnung und Local-Heros-Regionalsieger Creep Decay aus Bad Bevensen. Die gut eingespielten Jung übernehmen nicht nur furios die undankbare Rolle des Eisbrechers zum Auftakt, sondern dürften mit ihrem auch optisch stilsicheren Art-Rock durchaus noch vor größerem Publikum stehen. Und auch Jerx und Felix de Luxe zeigen, dass gute Handarbeit in Sachen Musik immer dankbare Abnehmer findet. Und da sind die Heimkehrer von "Selig" um ihren Sänger Jan Plewka. Nach Jahren der Trennung merkt man der in ihrer Hochzeit als eher düster bekannten Band nun in jedem Moment die Freude an, wieder vor Publikum zu stehen. Die Bässe rollen noch wie damals. Und die Freude der Band überträgt sich schließlich auch auf das Publikum Und es ist wohl nicht übertrieben, als Plewka zu Abschied ruft: "Wir sind wieder selig!".

Und da ist der Rap-König Samy Deluxe, der mit treibenden Beats und dennoch zuweilen tiefgründigen Texten das Albrecht-Thaer-Gelände zum Karibikstrand werden lässt, und dem das Spiel mit dem Publikum leicht von der Hand geht.

Deutlich steifer in den Hüften präsentiert sich da schon die schottische Senkrechtstarterin Amy Macdonald. Denn auch das grotesk glitzernde Kleid, mit dem die Sängerin ein bisschen wie eine Diskokugel am Mikrofon hängt, kann nicht über die schon fast scheue Zurückhaltung hinwegtäuschen, mit der die Schottin in Uelzen Werke zu geht. Doch Macdonalds Folk-Hits wie "This iIs the Life" bringen ihr Publikum dennoch in Schwung.

Ein völlig anderes Kaliber im Spiel mit dem Publikum jedoch ist Silbermond-Sängerin und beste Freundin der Fans Stefanie Kloß. Mit ihren Mitstreitern Andreas Nowak, Johannes und Thomas Stolle setzt sie das Publikum förmlich unter Strom. Gleich ab dem zweiten Song hat die Sängerin, die in schwarzer Lederjacke, kernig-klarem Gesang und dem Augenzwinkern zur rechten Zeit die quirlige Miss Rock gibt, das Publikum im Griff. Sie holt Fans auf die Bühne, lässt nahezu nach Belieben fast das ganze Publikum im Takt springen und lässt sich sogar bis in die hinteren Reihen auf Händen tragen, während ihre Bandkollegen für den nötigen Druck auf dem Kessel sorgen. Als schließlich im Abendrot mehrere Hundert Männer ihre Liebste auf die Schulter nehmen und das Publikum fast geschlossen ein wundervolles "Das Beste" mitsingt, dürfte auch dem härtesten Kerl warm ums Herz werden.

Mit seinem "Mercedes Dance" macht ein Gauner ganz besonderer Sorte das Festival schließlich zur Mega-Party, indem er gleich zu Beginn mit knackiger Bigband im Rücken und Soul-Attitüde im Herzen den gewissenlosen Jonny besingt. Aber auch "Janny" Delay ist trotz des feinen Smokings in seinen Songs so ziemlich alles recht und erst recht nichts heilig, wenn er sich skrupellos durch die Musikgeschichte räubert. Teilweise gleicht seine Show einer riesigen Juke-Box, randvoll mit leicht veränderten Coverversionen, wenn er so ziemlich alles klaut, auf das seit 1970 schon einmal getanzt worden ist. Aber das muss nichts schlechtes sein. Vor allem nicht, wenn Delay so eine knusprige BigBand im Rücken hat, die Delay markanter Stimme und seinem souveränen Umgang mit dem Publikum den richtigen Rückhalt gibt.

Der Hamburger hat mächtig aufgefahren. Und wenn Amy Macdonald im silbernen Glitzerkleid daherkommt, dann steckt Delay gleich drei Sängerinnen ins Diskokugel-Outfit - in Gold natürlich. Und vorne vor der Sound-Batterie im gleißenden Spotlight trumpft Delay als großer Soul-Zampano auf und sorgt so für viel Bewegung im Publikum - bis er zum Stopptanz bittet.

Ausführliche Berichte in der Montagausgabe der AZ.

26.08.2009 | An den Anfang der Seite

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OpenR

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Ulrich Gustävel

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Uelzen, das war der Hammer!

Der Newsticker mit Eindrücken und Bildern vom Konzert

Schon während des Festivals am Sonnabend lieferte der AZ-online-Live-Ticker direkt erste Eindrücke und Bilder vom Albrecht-Thaer-Gelände. Für die Gesamtansicht des Newstickers einfach auf "Artikel lesen" Klicken. Den Link zum Programmablauf finden Sie angehängt an diesen Artikel.
23.06 Uhr: Das Konzertereignis des Jahres ist zu Ende. Am Sonntag gehen die ausführlichen Bildergalerien mit Bildern von den Auftritten der Stars, der Atmosphäre beim "Uelzen Open R" und der Party der Fans an den Start.
23.02 Uhr: Zweite Zugabe: "Irgendwie, irgendwo, irgendwann". Das Publikum träumt sich im Raggae-Rausch in die Nacht. Das "Uelzen Open R" endet als sanfter Karibiktraum.» Artikel lesen

Übersicht: OpenR

 

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