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Atommüll und Castor Transport: Das Wendland wird zum Einsatzabschnitt

Das Wendland wird zum Einsatzabschnitt

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Lüneburg -  Von Peer Körner. Es geht los - die Polizei hat im Wendland mit ihren Vorbereitungen für den Castor-Transport begonnen. Noch sind erst einige hundert Beamte in dem idyllischen Landstrich. Es werden wieder Tausende sein, wenn in zwei Wochen der Atommüll kommt.

Noch sind erst einige hundert Beamte in dem idyllischen Landstrich. Es werden wieder Tausende sein, wenn in zwei Wochen der Atom müll kommt.

Durch dichten Nebel und abgeerntete Felder fahren zwei Laster der Polizei aus Hamburg mit Absperrgittern auf der Landstraße Richtung Osten nach Lüchow. Dort wird die Zentrale sein, Wasserwerfer und Transporter werden bereit stehen. Auch die „GeSa“ wird dort eingerichtet, die „Gefangenen-Sammelstelle“ mit ihren Großraum-Zellen für hunderte Festgenommene, falls nötig - alles wie immer. Noch ist es ruhig, aber strategisch bedeutende Stationen entlang der Eisenbahnstrecke werden schon jetzt gesichert. Aus dem sonst so beschaulichen Wendland am Südufer der Elbe wird wieder der „Einsatzabschnitt Lüchow-Dannenberg“.

„Wir haben Dienstag damit begonnen, an den wichtigen neuralgischen Punkten technische Sperren zu errichten“, bestätigt Ralf Göttner, Sprecher der Bundespolizei. Der 57-Jährige ist ein Castor-Veteran und seit den ersten Probebohrungen in Gorleben dabei. Die neuralgischen Punkte - das sind vor allem der Verladebahnhof in Dannenberg und die Eisenbahnbrücke über die Jeetzel.

Eisiger Wind pfeift über die alte Jeetzelbrücke bei Seerau. Im Herbst 2001 war sie nach einem Brandanschlag unpassierbar, Unbekannte hatten darunter Strohballen und Reifen angezündet. Jetzt patrouillieren junge Beamte der Bundes-Bereitschaftspolizei aus Uelzen entlang der Gleise über die mit Stacheldrahtrollen gesicherte Brücke. Kameras überwachen jeden Winkel, grelle Scheinwerfer beleuchten die Szenerie.

Metallene Stege quer über das kleine Flüsschen versperren den Zugang vom Wasser, zwei stark motorisierte Boote stehen bereit, jeden Eindringling abzufangen. Sogar Taucher sind im Einsatz. „Bei Wassertemperaturen um die fünf Grad kein reines Vergnügen“ sagt Eike Teckentrup trocken. Der 22-Jährige kommt aus St. Augustin nicht weit von Bonn und ist erst seit sechs Monaten bei den Polizeitauchern.

„Es ist ein Job, der gemacht werden muss“, hat der Einsatzleiter im vergangenen Herbst gesagt, ein fröhlicher Bayer. „Ich verstehe, dass die Leute Probleme mit dem Castor haben“, fügte der Mann aus Deggendorf damals hinzu. Und auch in diesem Jahr ist nicht nur an der Jeetzelbrücke Anerkennung für die oft fantasievollen Aktionen der Demonstranten zu spüren, solange das Katz-und-Maus-Spiel nicht in schwere Sachbeschädigung oder gar Gewalt umschlägt.

Die Bundespolizei ist bei dem Transport aus dem französischen La Hague für den sicheren Schienenverkehr von der deutschen Grenze an zuständig. Die Polizeidirektion Lüneburg trägt als Gesamteinsatzleitung während der Zeit die Verantwortung für alle polizeilichen Maßnahmen in Niedersachsen.

Bundesweit waren vor einem Jahr rund 20 000 Polizisten im Einsatz, mehr als 12 000 allein in Niedersachsen. Dennoch wurde der zwölfte zum bislang längsten und teuersten Castor-Transport. Immer wieder gelang es Atomkraftgegnern, die Nachschubwege trickreich zu blockieren. Die Polizei hat ihre Konsequenzen gezogen. „Wir werden in diesem Jahr alle Möglichkeiten nutzen - ob auf der Straße, auf Schienen und auch in der Luft“, kündigt Ralf Göttner an.

„Ich verstehe die Menschen im Wendland“, stellt Göttner fest. „Mein Verständnis endet aber da, wo die Rechtsordnung verletzt wird. Die Bundespolizei wird Störungen und Straftaten nicht dulden. Dem werden wir konsequent entgegentreten“. Wiebke Hennig von der Polizeidirektion Lüneburg sieht es ähnlich: „Wir wünschen, dass es friedlich bleibt. Protest ist Teil unserer Demokratie, aber Gewalt gehört nicht dazu.“

Vom Bahnhof Hitzacker rollt ein grüner Laster mit schweren Stacheldrahtrollen zum Ende der Eisenbahnstrecke nach Dannenberg, dort wird zügig abgeladen. Das Medienzentrum steht schon. In zwei Wochen ist hier der Teufel los, wenn auf der anderen Straßenseite umgeladen wird. Doch heute dreht auf dem Gelände vor der nüchternen Verladehalle nur ein einsamer Wachmann seine Runden im Nebel. Auf einem Haltezeichen am Tor über den Gleisen backt ein kleiner Aufkleber, eine rote Sonne auf gelbem Grund: „Atomkraft? Nein danke“. Noch ist alles ruhig und entspannt.

Quelle: Kreiszeitung

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