Hannover/Gorleben - Von Anja Mia Neumann - Der 13. Castor-Transport steht bereit: Warum kommt der Atommüll aus dem französischen La Hague eigentlich nach Deutschland? Und wieso versuchen so viele Gegner den Transport zu verhindern? Fragen und Antworten:

© dpa
Atomkraftgegner beim Protest gegen den Castor-Transport nach Gorleben.
Warum werden eigentlich Castoren mit Atommüll nach Deutschland transportiert?
In Atomkraftwerken kommen Brennelemente zum Einsatz. Sind diese abgebrannt, wurden sie bis vor einigen Jahren aus Deutschland nach Frankreich und Großbritannien geschickt, um sie dort aufzuarbeiten. Ziel der Wiederaufarbeitung war es, Teile der Brennelemente abzutrennen und erneut zu nutzen und so den Atommüll zu reduzieren. Seit 2005 ist die Wiederaufarbeitung in Deutschland aber verboten. Die Bundesrepublik ist jedoch verpflichtet, den bereits früher ins Ausland transportierten Atommüll zurückzunehmen. Seit 1995 wird er ins Zwischenlager in Gorleben gebracht.
Wieso rollen die Transporte ins niedersächsische Gorleben?
Warum sind so viele Menschen gegen die Einlagerung von Atommüll in Gorleben?
Viele Atomgegner bringen mit den Protesten gegen den Castor-Transport ihre allgemeine Einstellung „Atomkraft, nein danke“ zum Ausdruck. In der jüngsten Diskussion spielte auch eine Rolle, dass die Grenzwerte am Zwischenlager in diesem Jahr erhöht waren. Kritiker von Gorleben als Endlager meinen, dass Salz als Material nicht geeignet ist, Atommüll sicher zu lagern. Auch ein fehlendes Deckgebirge und damit drohende Wassereintritte sowie Gasvorkommen machen den Salzstock aus ihrer Sicht zu einer schlechten Wahl.
Wie viele Castor-Transporte aus dem Ausland wird es noch geben?
Ein Großteil der atomaren Abfälle aus der Wiederaufarbeitung hat Deutschland bereits zurückgenommen. In Gorleben lagern derzeit 102 Behälter: 97 Castoren mit Atommüll und fünf Container mit Brennelementen. Der aktuelle Transport Ende November wird der letzte mit hoch radioaktivem Müll aus dem französischen La Hague sein, eventuell folgen von dort aber noch weitere mit mittelradioaktivem Müll. Ferner sollen bis 2017 noch 21 Behälter aus dem britischen Sellafield nach Deutschland gebracht werden.
Was soll langfristig mit dem Atommüll in Deutschland passieren?
Das Ziel ist es, ein Endlager für radioaktive Abfälle zu finden. Bislang gibt es eine solche Lagerstätte jedoch nirgendwo auf der Welt. Es müsste garantiert werden, dass für Millionen von Jahren keine Radioaktivität entweicht, doch es fehlen sichere Erkenntnisse, wie sich der strahlende Müll in der Erde verhalten könnte. Deutschland wird nicht vor 2035 oder 2040 ein Endlager haben, schätzt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Bislang galt der Salzstock im niedersächsischen Gorleben als erste Wahl für ein atomares Endlager. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat aber verkündet, auch Alternativen zu Gorleben zu prüfen. Am Ende soll es eine Entscheidung zwischen den zwei besten Standorten geben.
dpa
Quelle: Kreiszeitung
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