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Trotz heftiger Proteste ist am Mittwoch ein Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll von Frankreich aus in Richtung Gorleben gestartet

Castor-Transport auf dem Weg nach Deutschland

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Ungewöhnlicher Auftakt eines Castor-Transports in Frankreich: Bereits vor dem Start rührt sich heftiger Widerstand. Demonstranten versuchen, die Abfahrt des Zuges mit allen Mitteln zu stoppen.

© dpa

Ein Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll ist von Frankreich aus in Richtung Gorleben gestartet.

Ein Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll ist von Frankreich aus in Richtung Gorleben gestartet. Trotz heftiger Proteste von Atomkraftgegnern setzte sich der Zug am Mittwoch gegen 16.00 Uhr an der Areva-Verladestation bei Valognes in Bewegung. Nur wenige Stunden zuvor hatten Aktivisten nach eigenen Angaben vorübergehend Gleise besetzt und Signalanlagen beschädigt. Ein Polizeiwagen ging nach Angaben des TV-Senders BFM in Flammen auf.

Zahlen und Fakten zum Castor-Transport

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Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften drängte die Demonstranten schließlich unter massivem Einsatz von Tränengas zurück. Mindestens drei Menschen - darunter auch ein Angehöriger der Gendarmerie - erlitten leichte Verletzungen. 16 Atomkraftgegner wurden nach Behördenangaben vorläufig festgenommen. Die Sicherheitskräfte hatten auf beiden Seiten der Bahngleise eine Art Sperrzone eingerichtet.

Der Bürgermeister von Valognes, Jacques Coquelin, verurteilte die Gewalt. Auch die Umweltorganisation Greenpeace schloss sich dieser Position an und bezog sich dabei ausdrücklich auf beide Seiten. Der Zug bringt deutschen Atommüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague nach Gorleben. Die Ankunft im Wendland ist für das Wochenende geplant. Die genaue Route des Transports ist noch unklar.

Auch in Deutschland bereiten sich Atomkraftgegner vor. Schwerpunkt der Aktionen im Südwesten soll wie in den Vorjahren der Grenzübergang Berg sein, teilten die Initiativen am Mittwoch mit. Der Zug soll mit einer „Südblockade“ aufgehalten oder zu einem Umweg gezwungen werden. Drei Varianten für den Grenzübertritt sind möglich: über Kehl, Berg oder Saarbrücken. Welche Strecke der Zug nimmt, wird offiziell nicht mitgeteilt. Anti-Atomkraft-Initiativen planen Proteste entlang der Strecke. Im Vorjahr war es den Atomkraftgegnern gelungen, den Zug zu stoppen oder Nachschubwege für Einsatzkräfte zu blockieren.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) rief zu einem friedlichen und besonnenen Verhalten auf. „Es gibt ein Recht auf Demonstrationsfreiheit, es gibt aber kein Recht auf Gewalt“, sagte er in Berlin. „Gewalttätigkeiten sind kein Mittel der politischen Auseinandersetzung.“

Erkundungsbergwerk Gorleben

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Er forderte die Gorleben-Kritiker auf, sich konstruktiv an der Diskussion über den Neustart bei der Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll zu beteiligen. „Wer jahrelang einen grundlegenden Neuanfang bei der Suche nach einem Endlager fordert, der sollte die einmalige Chance, die es jetzt gibt, nutzen, den Kampf der vergangenen Jahrzehnte zu begraben und das Thema im Konsens zu lösen“, sagte der CDU-Politiker.

Nach einer Konzentration auf Gorleben in den vergangenen 35 Jahren sollen künftig auch andere Optionen geprüft werden. Die Gegner halten den Salzstock an der früheren DDR-Grenze im niedersächsischen Wendland für zu unsicher, um hier den Müll für immer in rund 800 Metern Tiefe zu lagern. Daher gibt es seit Jahren Proteste gegen Castor-Transporte in das nahe des Salzstocks gelegene oberirdische Zwischenlager, wo der Müll bis zur Endlagerung abkühlen soll.

Ein Greenpeace-Antrag, vor der Abfahrt Wärmebilder der elf Castor-Spezialwaggons zu machen, wurde von der Polizei abgelehnt. Jeder der elf Castorbehälter enthalte viermal so viel radioaktives Material wie bei der Reaktorkatastrophe in Fukushima in die Umwelt gelangt sei, betonte Greenpeace. Die deutsche Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) erklärte jedoch, die vor dem Start des Transports durchgeführten Messungen hätten kein Gefährdungspotenzial ergeben.

Der Protest wird organisiert von dem Zusammenschluss französischer Atomkraftgegner „Valognes Stop Castor“. Der wird auch vom Netzwerk Atomausstieg („Sortir du nucléair“) unterstützt.

Mehrere hundert französische Atomkraftgegner hatten sich in den vergangenen Tagen in einem Protest-Camp nahe Valognes getroffen, um den Castor-Transport zu blockieren. Augenzeugen berichteten von einem wahren Katz- und Maus-Spiel, bei dem die Gegner Lücken in den Reihen der zahlreich aufmarschierten Sicherheitskräfte suchten. „Wir machen weiter, wir suchen die Lücken“, äußerte sich die junge Französin Anna Laurent im TV-Nachrichtensender BFM kampfbereit.

Die Abfahrt des Castor-Transports fällt zusammen mit einer hitzigen öffentlichen Debatte in Frankreich im Vorfeld des bevorstehenden Wahlkampfes. Die grüne Präsidentschaftskandidatin Eva Joly hatte mit ungewöhnlich scharfer Kritik am sozialistischen Bündnispartner Aufsehen erregt. Ihr ging ein Abkommen über einen möglichen Atomausstieg nicht weit genug, so dass sie die Sozialisten mit Marionetten der Atomlobby verglich. Keine Rolle spielte dagegen die Stilllegung des umstrittenen elsässischen Atomkraftwerks Fessenheim wegen einer defekten Rohrleitung außerhalb des nuklearen Bereichs der Anlage.

dpa

Quelle: Kreiszeitung

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