Suderburg. Eine ordentliche Sahnehaube schaut über den Becherrand, Schokoladenpulver knistert, es duftet nach Kaffee – serviert wird dieser „Cappuccino mit Extras“ von Anneliese Müller. Mit einem Lächeln stellt sie das heiße Getränk auf der hölzernen Tischplatte ab.

Anneliese
Ob Kaffee, Cola oder Bier – die 74-Jährige bringt alles sicher und mühelos zum Gast. Von Balancieren keine Spur.
Seit 1957 hält Anneliese Müller die Fäden im Gasthaus Müller – das die Suderburger nur „Spiller“ nennen – in der Hand. Zuerst gemeinsam mit ihrem Mann, seit seinem Tod vor zehn Jahren alleine. „Ich wohne hier“, sagt sie – und das sieht man der Gaststube an. Die weißen Gardinen verzieren Spitzenränder, in jedem Fenster hängen Weihnachtskugeln – alles fein verzierte Einzelstücke – und neben dem Zapfhahn türmen sich Kniffelbecher auf dem Tresen. „Die sind für die Gäste, die sollen ja einen schönen Abend haben“, sagt die Wirtin. Und wenn die „Großen“ mal zu lange Würfeln, können sich die Lütten mit Buch und Teddybär ablenken – eine Spielecke hat Anneliese Müller in der Mitte ihres „Wohnzimmers“ für die Kinder eingerichtet. Und so wird schnell klar, in „Spillers Gasthaus“ steckt neben guter Küche – meistens steht die Chefin selber an Herd und Getränkeausschank – und heimeliger Atmosphäre, vor allem Liebe.
Zu vielen Gästen pflegt sie ein freundschaftliches Verhältnis, wie zu ihrem Team, das sie in Küche und Gaststube unterstützt. So weiß sie, dass der ältere Herr aus Lüneburg sich immer auf sein Sahneschnitzel freut, und die Professoren vorm traditionellen Karpfenessen ihre selber geangelten Fische vorbeibringen. Viele, von denen, die einmal bei ihr waren, kommen wieder – zu einem kleinen Snack oder zum klassischen Kneipenabend. „Spiller-treu“ nennt die Gastwirtin das.
Wie lange die Gäste noch Mittelpunkt in Anneliese Müllers Leben sein werden, weiß sie noch nicht. „Mal schauen, wie lange ich das noch mache“, antwortet sie und blickt etwas wehmütig.
Denn wenn sie aufhört, nimmt auch die Tradition der Gaststätte ein Ende. Die Kinder der Wirtin wollen in Sachen Kneipe nicht in ihre Fußstapfen treten. „Ich bin einfach Techniker“, erklärt Sohn Gerhard Müller und plaudert etwas aus dem Nähkästchen. „Als Kind habe ich es geliebt, in der Gaststube zu sein. Mein Vater stand immer hinter der Theke und ich habe mir die Geschichten der Leute angehört. Das war spannend.“ Doch die Kehrseite der Medaille: Schon damals bestimmten die Gäste Tages- und Lebensrhythmus der Familie. „Ich war ja immer griffbereit und musste dann auch mal mit anpacken“, erinnert sich Gerhard Müller und ist seiner Kindheit während des Erzählens plötzlich wieder ganz nah: „Aber, wenn es am spannendsten wurde, musste ich immer ins Bett. Da habe ich mir manchen Trick einfallen lassen, um nochmal in die Gaststube zu kommen... Das war schon eine schöne Zeit.“
Zu Weihnachten ist das „Spillers“ ausgebucht, an anderen Tagen sind weitere Gäste wieder willkommen. Die patente Wirtin hat für jeden das Richtige parat. Montags und Dienstags ist Ruhetag. Und wenn es am Vorabend mal etwas länger gedauert hat, hält sie zwischendrin mal ein Nickerchen.
Also, wenn bei Spillers die Tür trotz Öffnungszeit mal geschlossen sein sollte – einfach die am Eingang verzeichnete Telefonnummer wählen. Dann kommt die Dame des Hauses gerne zum Eingang geflitzt. „Immerhin bin ich ja auch nicht mehr die Jüngste. Aber wissen Sie was? Das hier hält mich jung, ich mache das so gerne...“
Von Wiebke Brütt
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(42.0)%Das ist furchtbar, wenn Eltern ihre Kinder zum Trinken quasi noch anstiften.
(49.0)%Lieber vor und mit den Eltern trinken, als heimlich. Ein Glas Sekt macht noch keinen Alkoholiker.
(9.0)%Das sind Einzelfälle. Da bedarf es jetzt keiner besonderen Aufmerksamkeit.
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