Wittingen. Es wurde sogar Verständnis laut: „Jede Kommune wird versuchen, ihre Schüler zu halten“, sagte Ralf Beyer (Grüne) am Mittwochabend in der Sitzung des Wittinger Schulausschusses, als es einmal mehr um die Oberschule ging.

Leere Klassenzimmer – ein Zukunftsbild, das im Nordkreis keiner will. Foto: dpa
Doch in Wittingen hoffen die Verantwortlichen, dass die Samtgemeinde Hankensbüttel genau diesen Weg nicht gehen wird. „Stellt Hankensbüttel selbst einen Antrag, dann entstehen zwei Mini-Oberschulen, die auf Dauer pädagogisch und wirtschaftlich wenig Sinn machen“, sagte der Erste Stadtrat Peter Rothe.
Keiner will es zu laut sagen, doch de facto wird gerade die Frage bearbeitet, welche Kommune im demografisch schwach aufgestellten Nordkreis sich ein kleines Stück mehr Standortvorteil sichern kann. Zwei verschiedene Oberschulen in zehn Kilometern Entfernung – der Landkreis hat in seinem Schulentwicklungskonzept bereits deutlich gemacht, dass er das nicht befürwortet.
Die Wittinger Perspektive: Die Realschüler aus der Nachbarkommune gehen ohnehin schon hier zur Schule, nun sollen eben auch noch die relativ wenigen Hauptschüler aus Hankensbüttel dazukommen, und man hat dort ja das Gymnasium. Die Hankensbütteler Ausgangslage: Die Hauptschüler will man nicht verlieren, und mit einer Oberschule könnte der eigene Schulstandort aufgewertet werden. Die Sicht des Landkreises: Eine getrennte Lösung kann den Schülern zu wenig pädagogische Angebote machen, und unter Kostengesichtspunkten hält man zwei Oberschulen auch nicht für vertretbar.
So dürften hinter den Kulissen reichlich Gespräche laufen. Wie das aussieht, darin gab die Realschulleiterin Beate Harms dem Schulausschuss einen Einblick. Die Schule habe den kompletten Samtgemeinderat eingeladen, um das Profil der Schule darzulegen. Fünf Ratsmitglieder seien gekommen.
„Wir haben versucht, Überzeugungsarbeit zu leisten“, sagte Harms, die selbst für die CDU im Hankensbütteler Samtgemeinderat sitzt und sich für eine gemeinsame Lösung stark macht: „Im Verbund wären wir besser aufgestellt.“ Und: „Wir haben hier eine gut ausgestattete Schule, die müsste man in Hankensbüttel erst aufbauen.“ Ihr persönlicher Eindruck sei, dass auf politischer Ebene mit Kontakten bis hin ins Kultusministerium versucht werde, eine Ausnahmegenehmigung für Hankensbüttel zu erwirken.
Harms’ Konrektor Georg Ebener skizzierte dem Ausschuss, dass beispielsweise die Profilbildung im Wahlpflichtbereich an einer nur noch zweizügigen Oberschule nicht mehr im bisherigen Umfang angeboten werden könnte. Der Ausschussvorsitzende Jens Schröder (CDU) bemerkte, niemand dürfe „den Kirchturm vor die Interessen der Schüler und vor wirtschaftliche Aspekte stellen“. Eine zweizügige Oberschule in Wittingen sei ein „trauriges Szenario“, befand der Grüne Beyer.
Die, die etwas mehr als sechs Monate vor dem neuen Schuljahr am sehnlichsten auf eine klare Entscheidung in Sachen Oberschule warten, sind wohl die Erziehungsberechtigten. „Die Eltern warten auf Infos“, sagte Elternvertreter Christian Hinze-Riechers. So stelle sich etwa die Frage, ob die auslaufende Hauptschule in Wittingen Ganztagsschule bleibe.
Das konnte Rothe bejahen. Die Hauptschule ab Klasse 6 bleibe im GHS-Gebäude, die Oberschule baue sich im Realschulgebäude ab Klasse 5 sukzessive auf. Ziel sei es, dort auch ein Essen für die Fünftklässler anzubieten.
Der Wittinger Zeitplan sieht jetzt so aus: Am 7. Februar geht der Blick nach Hankensbüttel – dann kommt dort der Schulausschuss zusammen. Am 29. Februar tagt in Gifhorn der Kreisausschuss – dort soll dann über den Wittinger Antrag auf eine Oberschule ohne gymnasialen Zweig beraten werden. Eine Schule mit gymnasialer Abteilung für Wittingen hält niemand für realistisch.
Von Holger Boden
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