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Kinder verschleppt - Anklage fordert Haft für Vater

Richter: Kinder bekamen "Vorgeschmack auf Hölle"

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Lüneburg - Vier Monate lang bangte eine Mutter um ihre Kinder, bevor sie in Ägypten gefunden wurden. Verschleppt vom eigenen Vater. Nun bekam der Fundamentalist die Quittung des Gerichts.

© dapd

Der 38 Jahre alte Vater vor Gericht

Für den strenggläubigen Angeklagten war schon vor der Urteilsverkündung klar: “Ich gehe meinen Weg, zur Not auch ins Gefängnis.“ Genau dorthin hat das Landgericht Lüneburg den Vater von vier Kindern am Donnerstag geschickt - für eineinhalb Jahre. Der Mann hatte die Geschwister monatelang nach Ägypten verschleppt, obwohl er das Sorgerecht für sie kurz zuvor verloren hatte.

Mit der Strafe von anderthalb Jahren fiel das Lüneburger Urteil aber deutlich weniger scharf aus als in einem ähnlichen Prozess am selben Tag in Mannheim. Dort wurde ein Vater, der seine Kinder gegen den Willen seiner Ex-Frau in Tunesien festgehalten hatte, zu zehn Jahren Haft verurteilt.

“Hut ab“, lobte Richter Thomas Wolter den ruhig wirkenden Mann während der Urteilsbegründung - obwohl alle Welt zuhöre, traue sich der 38-Jährige, sich vor Gericht anderthalb Stunden für seine Tat zu rechtfertigen.

Vater zitiert aus Bibel - Richter hält Angeklagtem Spiegel vor

Nach dem Plädoyer des Staatsanwalts ließ sich der Vater in seinem Schlusswort endlos lange über den moralischen Verfall der Gesellschaft aus und zitierte zahllose Bibelstellen, aus denen er seine Haltung ziehe. Richter Wolter hielt ihm wohl auch deshalb einen Spiegel vor. Er bezog sich dabei besonders auf das Wohl der Kinder, das der Vater immer wieder ins Zentrum seiner Ausführungen gestellt hatte.

“Es fällt auf, dass sie einiges in Kauf genommen haben. Sie haben ihrer Frau die Kinder entzogen, weil sie ihrer Meinung nach in Sünde lebt und dafür die Hölle zu erwarten hat. Sie schaffen sie in ein Land, wo es unerträglich heiß ist. Sie haben ihnen einen irdischen Vorgeschmack auf die Hölle gegeben“, sagte der Richter.

Er hielt dem arbeitslosen Krankenpfleger zudem vor, die Schuld an seiner Situation vor allem bei seiner Frau und der Justiz zu sehen. Diese habe die Kinder falsch erzogen, behauptete der Mann. “Sie sehen nicht, was sie selber machen“, betonte Wolter.

Wolter sprach auch von einem “starken inneren Richter“, den der Angeklagte in sich trage. Dieser habe ihn unbeweglich und unflexibel gemacht - so sehr, dass auch die Ehefrau ihre Persönlichkeit nicht mehr frei entfalten konnte. Nach der Trennung bezeichnete der Mann sie als “Ehebrecherin“.

Mutter äußert sich nicht zum Urteil

Die Mutter der damals zwischen vier und acht Jahre alten Kinder verfolgte den Prozess als Nebenklägerin. Mehrfach brach sie in Tränen aus, zuletzt als sie einen liebevollen Brief des Vaters vorlas, den dieser den Kindern aus dem Gefängnis geschrieben hatte.

Die 31-Jährige, die ihren Mann in der Ausbildung kennenlernte, hatte die Scheidung eingereicht, als ihr Mann das Familienleben immer fanatischer nach seiner Bibelauslegung bestimmen wollte. Er fuhr kein Auto mehr, weil es Menschen gefährdete, er wollte keine Medikamente mehr geben und brach verschiedene Ausbildungen ab, weil er sie nicht mit der Bibel vereinbaren konnte.

Nach dem Urteil ließ die Mutter mitteilen, sie respektiere die richterliche Entscheidung, wolle sie aber nicht kommentieren. “Meine Kinder, meine Familie und ich werden Zeit und Ruhe brauchen, diese Phase unseres Lebens zu verarbeiten.“

dpa

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