Altmark. Ganz Deutschland feiert derzeit den 300. Geburtstag des Preußenkönigs Friedrich II. , genannt „Friedrich der Große“, und die Altmark kann stolz mitfeiern.

In vielen Orten der Altmark hat der „Alte Fritz“ (1712-1786) während seiner Regentschaft in de „alten Mark“ Spuren hinterlassen.
Denn: In vielen Orten hat der „Alte Fritz“ (1712-1786) während der Regentschaft in der „alten Mark“ seine Spuren hinterlassen.
In Salzwedel profitierte die Textilbranche von der Einkleidung des Militärs, so etwa für das dort stationierte Kürassier-Regiment. Preußen brauchte ständig Leinen und Blautuch, um seine „lieben blauen Kinder“ in Uniformen zu hüllen. Von Regulierungen des Landgewerbes und Steuervergünstigungen profitierten im Preußen des 18. Jahrhunderts vor allem neu angesiedelte Garn- und Leineweber in der Hansestadt, wie die Historikerin Ingelore Fischer zu berichten weiß.
Preußische Tugenden sind heute wieder modern. Toleranz gegenüber Einwanderern und religiösen Minderheiten, aber auch der Kampf gegen Standesdünkel des Adels und der Beamten zum Nachteil des Staates kennzeichnen seinerzeit die Politik am preußischen Hof. Einige von Friedrichs markigen Sprüchen zieren bis heute Bürowände. Gaststätten, zum Beispiel in Wallstawe, sind nach dem „Alten Fritz“ benannt worden. Des Preußenkönigs Liebe zur Pellkartoffel wird heute in wenigen Regionen derart hoch gehalten wie in der Altmark.
Zu den Schwerpunkten von Friedrichs Politik in der Region zählt unter anderem die teilweise Trockenlegung des „wilden Drömlings“. Am 24. März 1756 erging von allerhöchster Stelle in Potsdam der so genannte „Kartoffelbefehl“: Den Altmärkern sollten „endlich die Vorteile des Kartoffelanbaus begreiflich gemacht werden“.
Heute wohnen in Hohengrieben knapp 30 Menschen. Idyllisch gelegen, an der alten Allee aus Pyramideneichen, steht auch die alte Dorfschule. Laut den engagierten Einwohnern Dr. Gerhard Schulz und Dr. Tino Fuhrmann, die sich seit Jahren gemeinsam mit anderen Bewohnern um das Erbe von Friedrich dem Großen kümmern, handelt es sich bei dem Haus um „die nachweislich erste Dorfschule in der Domäne Diesdorf“. Das Nebengebäude, eine marode Schulscheune, könnte nun anlässlich des 300. Geburtstages seines Stifters und Planers saniert und damit von dem kompletten Verfall bewahrt werden. Noch vor einem Jahr war das Projekt in Folge von Sparmaßnahmen verschoben worden. „In diesem Jahr haben wir vielleicht die Chance, die Sanierung im Haushalt unterzubringen. Das muss aber noch der Gemeinderat diskutieren“, sagte Diesdorfs Bürgermeister Fritz Kloß der AZ auf Anfrage. Die Sanierung von „Fritzens Schulscheune“, wie der Bau auch genannt wird, könnte damit ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk an den Preußenkönig sein. Ziel: Das Gebäude soll zumindest in seiner Substanz erhalten werden (Kosten: etwa 6 000 Euro).
Die Schule selbst ist nach erfolgter Sanierung in einem weit besseren Zustand. Für die Nutzung des Gebäudekomplexes wurde seinerzeit in den 1990er-Jahren sogar einmal eine Diplomarbeit geschrieben, die auf ein schlüssiges Konzept abzielte. Laut Tino Fuhrmann ist das Nebengebäude, eben jene Fachwerkscheune, nur zu einem Drittel intakt. Es gehe zudem um die Verbesserung des Ortsbildes, wozu eine Sanierung erheblich beitragen könne. Eine Art Heimatstube könnte entstehen, die Technik der Gemeinde oder für den Hohengriebener Zelttanz untergestellt werden.
Diesdorfs Bürgermeister Fritz Kloß kündigte bereits im Vorfeld an, das Projekt nicht ganz fallen lassen zu wollen. „Schließlich wollen wir unseren Enkeln die eigene Historie einmal nicht nur auf Bildern und Postkarten zeigen“, argumentierte der Ortschef.
Hohengrieben beteiligte sich im vergangenen Jahr erfolgreich am landesweiten Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Auch sonst geht es bergauf in „Friedrichs Musterdorf“: Mit einer Geburtenrate von rund 20 Prozent in den vergangenen Jahren setzte der Ort Akzente. Das sah seinerzeit am wenig beweinten Sterbetag Friedrichs II., dem 17. August 1786, anders aus: Wegen der zahlreichen Kriege des Preußenkönigs gab es kaum noch Männer im mittleren Alter. Kinder, Greise, Witwen und Waisen mussten damals die Kartoffeläcker bestellen – auch in Hohengrieben und den anderen „Königskolonien“ der Altmark.
Von Kai Zuber
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