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Tabu-Thema Krebs: Betroffene sollten schnell Beratungsstellen aufsuchen

„Gemeinsam ist es möglich“

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Kalbe. Die Mediziner der Onkologischen Abteilung der Kalbenser Median-Klinik haben mehr zu tun, als ihnen lieb sein darf: Über ein Viertel aller Todesfälle gehen in Sachsen-Anhalt auf die Folgen einer Tumor-Neubildung zurück – allein 2009 verstarben laut Statistischem Landesamt Sachsen-Anhalt mehr als 8 000 Menschen daran.

Blick aus der Median-Klinik auf die Kalbenser Burgruine. Betroffene sind mit ihrem Schicksal nicht allein. Foto: Osmers

Insgesamt wurden im selben Jahr landesweit mehr als 54 300 Männer und Frauen aufgrund von Krebsleiden in Krankenhäusern behandelt. Grund genug, um anlässlich des heutigen Weltkrebstages den Kampf gegen die Volkskrankheit zu thematisieren.

Unter dem Motto „Gemeinsam ist es möglich!“ stellt die Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft fest, dass das Thema „Krebs“ nach wie vor tabuisiert wird und die psychosoziale Versorgung von krebskranken Menschen und deren Angehörigen immer noch nicht ausreichend ist. Trotz aktiver Umsetzung des Nationalen Krebsplans in Sachsen-Anhalt, der eine angemessene psychoonkologische Versorgung für jeden Krebspatienten vorsieht, erreicht dieses Angebot noch lange nicht alle Betroffenen. Die Krebsgesellschaft sieht hier noch viel Aufklärungsbedarf.

Die Diagnose „Krebs“ löst demnach bei vielen Betroffenen Angst, Wut und Verzweiflung aus. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass etwa 30 Prozent aller Erkrankten es nicht aus eigener Kraft aus dieser Krise schaffen. Meist fallen sie nach der klinischen Therapie in ein tiefes Loch, ziehen sich zurück oder fühlen sich völlig überfordert. Im schlimmsten Fall folgen psychische Störungen und Depressionen.

Damit es nicht soweit kommt, möchte die Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft Krebskranke und Angehörige am heutigen Weltkrebstag dazu auffordern, sich bereits beim Arzt nach einer Psychosozialen Krebsberatungsstelle der Sachsen-Anhaltischen Krebsgesellschaft oder einem Psychoonkologen zu erkundigen. „Niemand sollte eine Krebserkrankung alleine durchstehen müssen. Suchen Sie schon früh eine psychoonkologische Beratung auf, um sich selbst und Ihre Familie zu entlasten“, rät Sven Weise, Geschäftsführer der Sachsen-Anhaltischen Krebsgesellschaft.

Die tägliche Arbeit mit krebskranken Menschen in den neun Psychosozialen Krebsberatungsstellen der Sachsen-Anhaltischen Krebsgesellschaft zeigt: Betroffene, die sich schon während der medizinischen Behandlung psychoonkologisch beraten lassen, leiden seltener unter Angstzuständen und psychischen Störungen. Sie können sich besser auf ihre Gesundung konzentrieren und haben mehr Kraft für die Dinge, die ihnen jetzt wichtig sind. „Oft fehlt im Alltag eine unabhängige Person, die zuhört, mit der man offen reden kann, die kompetent bei der Krankheitsbewältigung hilft und ein Stück weit durch die Krise begleitet. Genau das können unsere Berater“, betont Sven Weise. Aber auch Angehörige profitieren von der Beratung, weil sie erfahren, wie sie helfen können.

Ergänzend zur individuellen Beratung bietet jede Krebsberatungsstelle vor Ort unterstützende Kurse und Vorträge zu verschiedenen Krebserkrankungen und Behandlungsmethoden an. Seelische Unterstützung und sozialen Rückhalt finden Betroffene auch in einer der mehr als 118 Krebs-Selbsthilfegruppen in Sachsen-Anhalt. Ansprechpartner in Kalbe ist der AWO-Kreisverband an der Bahnhofstraße 27. Dort bietet die Krebsberatungsstelle jeden letzten Donnerstag im Monat von 10 bis 13 Uhr Sprechstunden an. Telefonischen Rat gibt es unter (03 45) 4 78 81 10.

Von Dirk Osmers

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