Gardelegen. Dass Hygiene im Krankenhaus oberste Priorität hat, ist eigentlich selbstverständlich. Dennoch gibt es Kliniken, die sich in dieser Frage stärker engagieren als andere.

Die hygienebeauftragte Fachärztin Dr. Ines Mewes, Pflegedirektorin Birgit Riehs, Chefarzt Dr. Michael Schoof und Hygienefachkraft Eileen Weber (v.l.) freuten sich gestern über die Auszeichnung des Altmark-Klinikums mit dem Silbernen Zertifikat. Foto: Walter
Das Altmark-Klinikum mit den beiden Standorten Gardelegen und Salzwedel gehört zu diesen Krankenhäusern. Seit 2009 beteiligt es sich an der bundesweiten Aktion „Saubere Hände“. Als einziges von 18 teilnehmenden Krankenhäusern in Sachsen-Anhalt erhielt es nun das Hygiene-Zertifikat in Silber.
Obwohl jeder Mitarbeiter eines Krankenhauses im Verlauf seiner Ausbildung lernt, wie wichtig die tägliche Handhygiene im Krankenhaus ist, kann deren Stellenwert für Dr. Michael Schoof, Chefarzt im Gardelegener Altmark-Klinikum gar nicht oft genug betont werden: „Die Händedesinfektion ist das entscheidende Kriterium der Hygiene und von allen Methoden am leichtesten umzusetzen“, erklärt er. Durch die Beteiligung an der Aktion „Saubere Hände“, die vom Bundesgesundheitsministerium unterstützt wird, wolle man Ärzte und Pflegepersonal dafür sensibilisieren: „Entscheidend ist, dass die Mitarbeiter sich das bewusst machen“.
Eine der Hauptursachen: Übertragungen durch mangelnde Handhygiene. Die Aktion „Saubere Hände“ setzt nun genau an dieser Stelle an. „Es geht keinesfalls um Keimfreiheit im Krankenhaus, sondern darum die Übertragungswege für Erreger zu unterbrechen“, erklärt der Chefarzt.
Um diesem Ziel wirksam näher zu kommen, hat sich auf dem Weg zum Silbernen Zertifikat einiges im Altmark-Klinikum getan. Heute gebe es zusätzliche Spender für Desinfektionsmittel in den Eingangsbereichen der Stationen und allen Patientenzimmern des Krankenhauses, berichtet Dr. Ines Mewes, hygienebeauftragte Ärztin. Darüber hinaus seien Kriterien für die Verwendung der Desinfektionsmittel festgelegt und deren Anwendung gesteigert worden. Außerdem fänden regelmäßig Schulungen für die Mitarbeiter beider Häuser statt. Und schließlich gebe es eine Lenkungsgruppe, die all diese Aktionen abstimmt.
Damit das Altmark-Klinikum bei seinen Aktivitäten auch vom Wissen der Forschung und anderer Einrichtungen profitieren kann, geht es nicht allein vor. Es gebe intensive Kontakte zur Berliner Außenstelle des Beratungszentrums für Hygiene (BZH) in Freiburg, erzählt Eileen Winkler, Hygienefachkraft des Altmark-Klinikums. Zweimal pro Jahr fänden Hygienebegehungen durch dessen Mitarbeiter statt. Bereits am kommenden Montag sei es wieder soweit, so Winkler. Dann kontrollieren die Mitarbeiter des BZH beispielsweise die Vorgehensweise bei der Desinfektion, die bautechnischen Voraussetzungen des Altmark-Klinikums und die bestehenden Desinfektionspläne der Häuser in Gardelegen und Salzwedel. Das Altmark-Klinikum arbeitet aber noch mit einer weiteren Einrichtung, dem nationalen Referenzzentrum (NRZ), zusammen. Hierhin meldet das Klinikum Infektionsfälle in beiden Krankenhäusern. Und von hier haben die Mitarbeiter auch die Rückmeldung erhalten, dass Gardelegen und Salzwedel sich mit der Zahl der Krankenhausinfektionen im Mittelfeld der deutschen Krankenhauslandschaft bewegen.
Auch wenn der Erfolg der Handhygiene noch nicht direkt messbar ist, Eileen Winkler, die seit 20 Jahren für die Hygiene im Altmark-Klinikum zuständig ist, ist mit der Verleihung des Silber-Zertifikats zufrieden: „Das hat bewiesen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, betont sie. Und mit der Auszeichnung sei die Aktion keineswegs beendet. „Es gibt weiterhin Handlungsbedarf zur Verbesserung der Händedesinfektion“, unterstreicht Winkler. Positiv sei, dass auch die Mitarbeiter die Aktion gut fänden. Und vielleicht klappt es auf diese Weise ja schon bald auch mit dem goldenen Zertifikat.
Übrigens: So wichtig die Hygiene in Krankenhäusern auch ist, so überflüssig sind Sagrotan und Co. im privaten Haushalt. Der Grundsatz, dass Kinder die in einer natürlichen Umgebung aufwachsen, am gesündesten sind, gelte auch heute noch, betont Michael Schoof. Denn dadurch lerne das Immunsystem, sich auf unterschiedlichste Erreger einzustellen.
Von Alexander Walter
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