Zichtau. Zwischen Kalbe und Gardelegen lag in früheren Zeiten eine Stunde Fahrt mit der Kleinbahn.

Brigitte und Günter Knies feierten am Montag im Zichtauer Ferienpark ihre Goldene Hochzeit. Wie vor 50 Jahren hielten sie dabei einen weißen Fliederstrauß in den Händen – in der DDR der 1960-er Jahre war das eine echte Rarität. Foto: Walter
Was für die meisten heute kaum akzeptabel wäre, verschaffte den Reisenden damals viel Zeit, um träumend die Landschaft an sich vorbeiziehen zu lassen – oder auch, um einander näher zu kommen.
Es muss auf irgendeiner der zahllosen Fahrten zwischen ihrem Heimatort Wernstedt und der Schule in Gardelegen gewesen sein, als die 18-jährige Brigitte ihren Günter aus Schenkenhorst zum ersten Mal traf. Aus der sich entwickelnden Liebesbeziehung zwischen der Abiturientin und dem Tischlergesellen sollte mehr werden. Und so konnten die heutigen Wahlzichtauer Brigitte und Günter Knies am Montag bereits ihre Goldene Hochzeit feiern.
„Damals haben ja noch die Männer die Frauen umworben“, erinnert sich Günter Knies während der Feier mit Familie und Freunden im Zichtauer Ferienpark.
Wohl nicht zuletzt dank der zuverlässigen Dienste des Zweirads gingen die jungen Leute am 6. Februar 1962 im Gardelegener Standesamt schließlich den Bund der Ehe ein. Nach ihrem Studium erhielt Brigitte Knies in Jävenitz eine erste Stelle als Lehrerin an der Sekundarschule.
Günter Knies absolvierte in diesen ersten gemeinsamen Jahren seinen Tischlermeister in der damaligen Kreisstadt. Mit der Geburt ihrer Tochter Kerstin war das Familienglück dann perfekt. Grund genug für die Knies’, drei Jahre nach ihrer staatlichen Eheschließung nun noch einmal für eine kirchliche Trauung in Wernstedt vor den Altar zu treten.
Angekommen war die junge Familie damit aber keineswegs. Schnell zogen die Knies’ von Jävenitz nach Gardelegen. Nach Tochter Kerstin kamen hier die Söhne Andreas und Ralf zur Welt. Aus gesundheitlichen Gründen wechselte Günter Knies in den siebziger Jahren dann zwischenzeitlich vom Tischlerhandwerk in den Bademeisterberuf nach Zichtau. Hier bauten sich die Eheleute unweit des Ferienparks ein Eigenheim. Und in Zichtau blieben sie dann auch bis heute.
Nach 50 Ehejahren können die Beiden auf eine glückliche Zeit zurückblicken. Neben ihren Kindern haben sie bereits vier Enkelkinder. Fast alle Familienmitglieder sitzen am Montagabend mit am Tisch im Ferienpark. Und damit nicht genug: Mit einem krachenden Polterabend, einer Kutschfahrt durch das winterliche Zichtau und Fackeln zum Empfang im Ferienpark habe ihre Familie für eine unvergessliche Goldene Hochzeit gesorgt, berichten die Eheleute. Das Geheimnis ihrer Ehe sehen die Knies in vielen kleinen Gemeinsamkeiten. So seien sie beide seit 50 Jahren im Chor aktiv, erzählt Günter Knies. Beide mögen aber auch das Wandern und Volleyballspielen. „Die Kunst ist es, im Streit Dinge auch mal zu überhören und zu übersehen“, sagt Günter Knies. Brigitte blickt ihren Mann an. „Da hat er wohl recht“, sagt sie lächelnd.
Von Alexander Walter
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