Autonome und Linksradikale machen seit Wochen im Internet gegen den für Sonnabend geplanten Aufmarsch von Neonazis mobil. Robert Fietzke teilt diese Botschaft, für ihn kommen allerdings allein „Mittel des zivilen Ungehorsams infrage“. Das „Bündnis Magdeburg Nazifrei“, dessen Sprecher der junge Mann ist, hat unter dem Motto „Gegen Menschenhetze und Nazipropaganda“ für die Rolandstadt gleich drei Veranstaltungen an neuralgisch wichtigen Punkten angemeldet. „Wir wollen den Aufmarsch der Rechten mit friedlichem Massenprotest aufhalten“, sagt Fietzke der AZ.
Bilderstrecke von der Nazi-Demo 2011 in Salzwedel
Die Neonazis rüsten sich seit Anfang Juni für ihren Aufmarsch. Der NPD-Kreisverband Altmark und die sogenannten Freien Kräfte Altmark organisieren das Treffen federführend. Versammlungsleiter Heiko Krause aus Tangerhütte rechnet mit mindestens 300 Teilnehmern. Anfangs sollte der Aufmarsch in der Ostaltmark eine rein antikapitalistische Ausrichtung haben, nun wird er auf den Konflikt um zwei Ex-Häftlinge in Insel abzielen. Das Motto: „Wir wollen leben! Härtere Strafen für Sexualstraftäter!“ Der Auftritt der Jungen Nationaldemokraten (JN) am vergangenen Freitag im Altmarkdorf dürfte so etwas wie ein politisches Vorspiel gewesen sein.
Die Neonazis wollen vom Bahnhof über Röxer Straße und Stadtseeallee zur Bismarckstraße und weiter zum Schützenplatz marschieren. Von dort soll es dann über die Parkstraße wieder in Richtung Bahnhof gehen. Das Magdeburger Anti-Nazi-Bündnis hat für den Wernerplatz, die Frommhagenstraße/Ecke Bahnhofstraße und die Röxer Straße/Goethestraße Versammlungen angemeldet und will so ab 11 Uhr drei wichtige Punkte in der Stadt besetzen. „Antifaschistische Strukturen“ seien in der Ostaltmark nur schwach ausgebildet, deshalb die Initiative von außen. „Wir wollen den Zug der Neonazis mit friedlichen Mitteln aufhalten. Ich denke da an Sitzblockaden. Wir sind einfach da mit Fahnen und Musik.“ Ende 2007 konnte die radikale Rechte relativ unbehindert durch die Stadt ziehen, 2010 blieb ihre Demonstration im Gegenprotest stecken. Fietzke: „Das soll auch dieses Mal wieder gelingen.“
Die ebenfalls geplante öffentliche Sondersitzung des Stadtrats hält Fietzke für ehrenwert, allerdings „findet sie viel zu spät und viel zu weit weg statt“. Die Kommunalpolitiker wollen ab 16 Uhr auf dem Marktplatz ein „deutliches Zeichen gegen Rechts setzen“, teilt Stadtratsvorsitzender Dr. Klaus-Jürgen Mörs mit. Bereits um 15.30 Uhr beginnt eine Friedensandacht in der Stendaler Marienkirche.
Die Polizei bereitet sich auch auf das Wochenende vor. Die Ordnungshüter wollen ein Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Lager unbedingt verhindern. Wie viele Polizisten im Einsatz sein werden und ob auch Kollegen aus anderen Bundesländern helfen, könne aus taktischen Gründen nicht gesagt werden, heißt es auf AZ-Nachfrage aus der Polizeidirektion Nord in Magdeburg.
Ob es zu einem heißen Sonnabend in Stendal kommt, dürfte auch maßgeblich davon abhängen, ob Autonome und Linksradikale in größerer Zahl mitmischen wollen oder nicht.
Von Marco Hertzfeld




















































































































