Leserbrief

Konsum, Terror und Weihnachten

Wolfgang Banse, Wittingen, mit Gedanken zum Weihnachtsfest 2016:

Seit Monaten wird von Handel und Wirtschaft auf das Weihnachtsfest aufmerksam gemacht. Die Kirche appelliert jedes Jahr von Neuem, das Fest aller Feste nicht zu früh zu vermarkten. Was für die Wirtschaft gilt, sollte auch für die Kirche und deren Einrichtungen gelten. An einem warmen Julitag wurde Hilfsbedürftigen von einer Suppenküche der Franziskaner-Stollen verteilt.

„Siehe, ich verkündige euch große Freude“ – so sagt es der Engel den Hirten auf den Feldern von Bethlehem. Freude zu Weihnachten angesichts von Brandanschlägen auf Kirchen in Ägpten? Protestantische Gemeinden werden in Russland als fremdländische Sekten stigmatisiert: Freude? Wenn Verletzungen der Religionsfreiheit weltweit geschehen: Freude? Was den Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin betrifft: Freude? Verübter Anschlag auf eine Moschee in Zürich: Freude? Dass die Wohnungs- und Obdachlosenzahl in Deutschland ansteigt: Freude?

Die Advents- und Vorweihnachtszeit ist nicht mehr ruhig und besinnlich: Hektik, Stress und Neurotisierung beinhaltet sie. Von Fasten und Buße ist im grauen, trüben Alltag nichts zu spüren. Im Durchschnitt werden in diesem Jahr zum Weihnachtsfest 260 Euro für Geschenke ausgegeben. Konsum ist angesagt zum Weihnachtsfest 2016.

Glauben lässt sich nicht festmachen, was den Einzug der Kirchensteuer anbetrifft durch den Staat. Ein freiwillig gezahltes Kirchgeld wäre effektiver. 56 Prozent der Deutschen wollen keinen Gottesdienst zu Weihnachten besuchen. Effizienz und Qualität sollten die Gottesdienste beinhalten und dies nicht nur am Heiligen Abend und an den Weihnachtstagen.

Christen feiern zu Weihnachten die Geburt Jesu Christi. Den Hirten, die damals nichts galten in der Gesellschaft, wurde als erstes die Geburt Jesu verkündet. Sie galten als Außenstehende. Heute wären es Hartz IV-Empfänger, Sozialtransferleistungsempfänger, über die ein Drittel der bundesrepublikanischen Gesellschaft den Stab gebrochen hat. Bei all den Menschen, die geknechtet, gequält, gepeinigt werden, ist der Engel der Hirten: „Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren ist. Denn euch ist heute der Heiland geboren.“

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