Nofretete: Antikenchef Dr. Zahi Hawass gibt keine Ruhe

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Er gilt als "zäher Hund" wenn es darum geht Antiquitäten und Kunstschätze nach Ägypten zurück zu holen: Dr. Zahi Hawass , Direktor des ägyptischen Museums in Kairo.

Berlin/Kairo - Die ägyptische Königin Nofretete: Zu Lebzeiten war ihre Person sehr umstritten. Jetzt streiten die Verantwortlichen der Museen um ihre Büste. Die Ägypter wollen sie zurück.  

Sie war schon zu Lebzeiten ein Ungemach: Königin Nofretete, die Frau von Pharao Echnaton , wurde von vielen Ägyptern als treibende Kraft im Aton-Kult gesehen. Bei einer Ausgrabung durch deutsche Archäologen wurde die Büste entdeckt und dem Berliner Museum geschenkt.

Ägyptens Antikenchef Zahi Hawass hat erneut den Anspruch seines Landes auf die Büste der Nofretete unterstrichen. “Ich möchte, dass die Statue wieder nach Ägypten kommt. Sie sollte hier sein. Sie ist ein Teil von Ägypten. Sie gehört mehr nach Ägypten als nach Deutschland“, sagte Hawass am Mittwoch in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Kairo. Das ägyptische Komitee, das sich um die Rückführung gestohlener Altertümer kümmere, wolle den Fall bei seinem Treffen am Dienstag nächster Woche erörtern. Ägypten hat Deutschland noch nicht offiziell um die Rückgabe der Statue gebeten.

Die bemalte Büste der Gattin des Ketzer-Pharaos Echnaton steht seit Oktober im Neuen Museum auf der Museumsinsel in Berlin. Das Kunstwerk wurde 1912 von dem Archäologen Ludwig Borchardt in Tell al-Amarna ausgegraben und nach Deutschland geschickt. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz bestreitet, dass dies nur möglich war, weil Borchardt, wie zuweilen behauptet, den damaligen Antikeninspektor in Kairo bewusst getäuscht hätte. Das Berliner Museum hatte am vergangenen Dienstag erklärt, dass die 3500 Jahre alte Plastik nicht stabil genug sei, um transportiert zu werden und so als Leihgabe zu einer Ausstellung in Ägypten gebracht zu werden.

Eröffnung des Mumiensaals in Kairo. Viele Mumien wurden Anfang des 20. Jahrunderts als Brennmaterial verwendet. So gingen wichtige Hinweise der Geschichte verloren.

Hawass widersprach dieser Einschätzung am Mittwoch: “Zugleich fuhr der Direktor des Berliner Ägyptischen Museums mit der Büste in seinen Händen im Taxi. Wie zerbrechlich ist sie dann wirklich?“ Hawass betonte, sein Land bemühe sich um die Rückführung sämtlicher Artefakte, die nach Ansicht der Antikenverwaltung bei Ausgrabungen in Ägypten gestohlen oder sonstwie unrechtmäßig außer Landes gebracht wurden. 5000 Kunstwerke seien auf diese Art bereits nach Ägypten zurückgekehrt.

Von Deutschland verlange man nur die Nofretete-Büste, “diese einzigartige Statuette, deren Heimat Ägypten sein sollte.“ Immer wieder fordere man Meisterwerke bei den ausländischen Besitzern als Leihgaben an. “Die meisten sagen dann höflich Nein“, sagte Hawass. “Die Briten meinten etwa, sie müssten mehr über die Sicherheit in unseren Museen erfahren.“ Dies sei ungerecht, so der ägyptische Antikenchef. “Es gibt kein Land auf der Welt, das so viel tut für seine Altertümer wie wir. Heute sind unsere Museen besser als alle anderen in der Welt.“ Das Problem bestünde lediglich darin, dass Länder wie Deutschland und Großbritannien “uns nicht auf gleicher Augenhöhe behandeln wollen“.

dpa

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