Herta Müller weint auf Frankfurter Buchmesse

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Sichtlich bewegt: Literatur-Nobelpreiträgerin Herta Müller spricht am Mittwoch beim Interview auf der Buchmesse in Frankfurt am Main über den Tod ihres langjährigen Freundes Oskar Pastior.

Frankfurt/Main - Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller hat auf der Frankfurter Buchmesse um ihren Freund und Mitautor Oskar Pastior getrauert.

Müllers jüngstes Buch “Atemschaukel“ haben beide gemeinsam zu schreiben begonnen, bevor Pastior vor drei Jahren während der Buchmesse starb. “Für mich ist das so traurig, dass ich jetzt alleine hier sitzen muss“, gestand Müller am Mittwoch. “Ich muss ihm so dankbar sein“, sagte sie unter Tränen. Müller zeigte sich nach einem leichten Infekt genesen. Entgegen anderslautender Berichte ist die 56-Jährige, die am Dienstag in Essen eine Lesung absagte, nicht schwer krank.

Der Tod Pastiors, der Georg-Büchner-Preisträger ist, sei für sie sehr überraschend gekommen: “Das war ja, wie wenn man das Licht ausschaltet.“ Lange Zeit danach habe sie nicht an dem gemeinsamen Buch weiterarbeiten können, das auf den Erinnerungen an Pastiors Zeit in einem sowjetischen Arbeitslager basiert. “Ich konnte diese Notizen gar nicht an mich heranlassen.“ Erst nach etwa einem dreiviertel Jahr sei es ihr gelungen, zu akzeptieren, “dass ich das jetzt alleine machen muss“.

Verlags-Sprecherin: „Müller nicht ernsthaft erkrankt“

Müller berichtete von einer Reise in die Ukraine, auf der sie gemeinsam die Überreste des Arbeitslagers aufsuchten. Der Schriftsteller habe in der Nähe des Ortes, an dem er so viel Hunger gelitten habe, “unglaublich viel gegessen“, obwohl er zuckerkrank gewesen sei und zu Hause immer sehr diszipliniert gegessen habe, berichtete Müller. “Er hat gesagt, er möchte dem Essen die Ehre erweisen.“

Müllers erster Auftritt auf der diesjährigen Buchmesse war mit Spannung erwartet worden. Die Nobelpreisträgerin hatte am Dienstag in Essen eine Lesung abgesagt. Danach hatte es unterschiedliche Meldungen über ihren Gesundheitszustand gegeben. Müller sei nicht ernsthaft erkrankt, betonte Christina Knecht, Sprecherin des Hanser Verlags. “Sie hat lediglich einen leichten Infekt und ist etwas mitgenommen durch die Aufregungen der vergangenen Tage.“

dpa

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