Viele Serien werden eingestellt

Das ZDF räumt sein Programm auf

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Das ZDF stellt viele seiner beliebten Serien ein.

Mainz - Das ZDF entstaubt sein Programm. Immer mehr der beliebten Serienformate werden eingestellt: "Rosa Roth" und "Stolberg" ermitteln nicht mehr. Die älteren Zuschauer sind sauer über das Aus von "Der Landarzt" und "Forsthaus Falkenau".

Auch die ebenfalls beim älteren Publikum geschätzten Serien „Rosa Roth“ und „Stolberg“ laufen aus - bei „Rosa Roth“ geschieht das auf Wunsch von Hauptdarstellerin Iris Berben (62). Das Zweite will sein Vorabend- und Abendprogramm modernisieren und wieder mehr jüngeres Publikum ansprechen. Das ZDF wirbt um Verständnis. „Wenn nach 20 Jahren eine Serie aufgegeben wird, dann ist das für mich was völlig Normales.“ Die Zuschauer erwarteten auch Neues. Der Sender wurde lange dafür kritisiert, dass er viel Programm für Ältere bietet.

Nun werden Heimatserien wie das auslaufende „Forsthaus Falkenau“ am Vorabend immer seltener. „Unser Charly“, früher immer samstags im Programm, ist bereits eingestellt. Stattdessen gibt es immer mehr Mord und Totschlag. Neben „Soko 5113“ haben sich Sokos in Wismar, Wien, Kitzbühel, Köln und Stuttgart gebildet. Dazu kommen die „Cops“ in Rosenheim und Garmisch, die „Küstenwache“ und „Notruf Hafenkante“. Bellut nennt die Garmisch-Cops als Beispiel für neue Produktionen. Tatsächlich starteten die Voralpen-Ermittler erfolgreich.

Der treue Gebührenzahler Hans Buchwald vermisst an den neuen Plots aber vor allem die „leichte und verständliche Handlung“ seiner Lieblingssendungen. Die Geschichten seien nicht so leicht nachzuvollziehen. Zudem wirkten die neuen Kommissare oft „überschlau und überheblich“. Ganz anders als beim „Landarzt“ oder dem „Forsthaus Falkenau“: „Das sind Krimis, die man besser durchschauen kann“, sagt Buchwald. Geschichten, „die am Ende zufrieden ausgehen“.

Die Buchwalds sind mit ihren Vorlieben nicht allein. Jedenfalls konnten sich die Einschaltquoten der Heimatformate zuletzt durchaus sehen lassen. Die letzten beiden „Landarzt“-Staffeln verfolgten je mehr als vier Millionen Zuschauer. Beim zweiten Blick auf die Quoten wird jedoch klar: Das Publikum wird immer älter, jüngere Zuschauer von 14 bis 49 wachsen bei den Heimat-Klassikern nicht nach. Weil der Sender Teile des Vorabend-Programms durch Werbung finanziert, sind auch die jungen Zuschauer wichtig.

Der Vizechef der Senioren-Union, Leonhard Kuckart, stört sich an der Abkehr vom älteren Publikum. „Der Gedanke ist genau falsch“, sagt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Die Zielgruppe der Älteren wird immer größer, nicht die der Jüngeren.“ Die Öffentlich-Rechtlichen seien gut beraten, auf die Älteren zuzugehen. „Wenn sie das nicht tun werden, wandern die denen ab.“

Im Internet wird das Thema kontrovers diskutiert. „Sehr gute Entscheidung, längst überfällig“, schreibt beispielsweise ein Leser auf „Welt Online“. Doch auch kritische Meinungen sind zu lesen. „Forsthaus Falkenau und Landarzt sind Kult. Vor allem aber sind das noch Serien, die auch Kinder noch anschauen können.“, schreibt ein anderer auf der Homepage des „Focus“. „Will man denn für die Mehrheit der Zuschauer überhaupt kein Programm mehr machen?“

Momentan können Hans und Siegrid Buchwald noch ausweichen - etwa auf „Stubbe“, „Traumschiff“ oder „Der Alte“. Die Auswahl am Vorabend wird für die ältere Zielgruppe jedoch kleiner. Buchwald: „Wenn's noch ein bisschen runtergeht, kann ich den Fernseher bald abschaffen.“ ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler verweist darauf, dass der „Landarzt“ und das „Forsthaus Falkenau“ je über 20 Jahre laufen. Das zeige Kontinuität.

Es gibt aber Hoffnung für die Buchwalds: Vielleicht muss „Landarzt“ Wayne Carpendale seine Praxis doch nicht schließen. „Wir sind da nicht rigoros“, sagt Bellut. „Das muss man dann mal sehen.“ Und er verspricht: Der „Bergdoktor“ wird fortgesetzt.

dpa

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