Verblendung: Die Millennium-Trilogie beginnt

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Lisbeth Salander ( Noomi Rapace) und ihr Hacker-Freund Plague ( Thomas Köhler).

Harriet Vanger verschwindet spurlos während eines Familientreffens. Jahrzehnte später stößt ihr Onkel auf Hinweise - und entdeckt Grausames, Erschreckendes, Unerträgliches. Die Kritik zum neuen Film „Verblendung“ von Autor Stieg Larson.

Wie das so ist: wenn man erst einmal beginnt nach etwas zu suchen, muss man sich darauf gefasst machen auf Dinge zu stoßen, die man eigentlich gar nicht finden wollte. So geht das auch dem Journalisten Mikael Blomkvist, der in der schwedischen Provinz nach einem lange verschwundenen Mädchen sucht und einen psychopathischen Massenmörder findet. Der ebenso hartnäckige wie schwierige Blomkvist ist das literarische Alter Ego seines Erfinders Stieg Larsson.

Wie Larsson ist Blomkvist von seiner Arbeit besessen und seine Arbeit ist es, Rechtsradikale journalistisch zu bekämpfen und den Mächtigen des Landes auf die Nerven zu gehen. Der Schauspieler Michael Nyqvist gibt diesem nicht immer sympathischen Überzeugungstäter Blomkvist sein leicht verlebtes Gesicht und es ist mitunter verblüffend, wie ähnlich er dabei dem Autor Stieg Larsson sieht.

Bilder aus dem Film

Verblendung: Bilder aus dem neuen Kinofilm

Der Film orientiert sich generell sehr eng an der Buchvorlage und das ist kein Fehler. Die journalistische Sorgfalt und die sorgfältig komponierte Dramaturgie des Romans tragen die Geschichte sicher. Wie im Buch, gelingt auch im Film der Trick ein hochgradig spannender Thriller zu sein und dazu wie beiläufig die schwedische Geschichte aufzuarbeiten. Stellvertretend dafür steht eine mächtige Familie, die während des Zweiten Weltkrieges mit glühendem Eifer die nationalsozialistische Sache unterstützt hat.

Das hinterlässt Wunden und Schäden, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht sofort zu erkennen sind. Es ist das Leitmotiv des Journalisten und Autors Larsson – die Unmenschlich- keit lebt fort, versteckt und in verschiedenen Formen. Wenn sich ein Sprössling der Familie als gemein- fährlicher Soziopath entpuppt, der seine Intelligenz und Macht dafür nutzt, planmäßig unschuldige Menschen zu foltern und zu töten, ist das von Larsson bewusst als Sinnbild für die fatalen Folgen einer menschen- verachtenden Ideologie gewählt.

Der Held Blomkvist ist dem alleine nicht gewachsen, das hebt ihn von anderen Krimi-Helden ab. Er braucht Hilfe und er bekommt sie von Larssons erstaunlichster Erfindung: dem Punk Lisbeth Salander. Wie Blomkvist ist die Computerspezialistin eine Außenseiterin, isoliert, unnahbar. Ist Blomkvist das mitunter schmerzhaft realistische Porträt eines tendenziell überforderten und ratlosen Mannes, ist Lisbeth Salander das phantastische Ideal einer völlig unabhängigen Frau.

Die junge Noomi Rapace stellt das mit bemerkenswerter Wucht dar und ist die eigentliche Attraktion des Filmes. Wie ein dunkler Engel wacht sie über Blomkvist und stillt seine unausgesprochene Sehnsucht nach Schutz vor einer Welt, die ihm Angst macht. Ein eindrucksvoller Auftakt für die geplante Filmtrilogie. Allerdings, und das ist der Wermutstropfen, sieht das alles sehr nach Fernsehen aus (das ZDF produzierte mit). Wie ausgezeichnetes Fernsehen, aber eben nicht nach Kino. Trotzdem eine gelungene Literaturverfilmung und sehenswert.

Bewertung: 4 Sterne

Zoran Gojic

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